Bilanz 2010

Zahl der Drogentoten leicht gesunken

7. Oktober 2011, 10:57
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    foto: apa/helmut fohringer

    Drogentote sind überwiegend Männer.

Bilanz stabil bis rückläufig - Meisten Opfer sind mehrfach krank - Überwiegend Männer betroffen

Wien - Die Zahl der Drogentoten ist in Österreich relativ stabil bis leicht rückläufig. Vergangenes Jahr starben akut durch Suchtgiftkonsum 170 Personen, bei weiteren 17 derartigen Fällen wurde keine verifizierende Obduktion durchgeführt. Im Jahr zuvor waren es 187 verifizierte Tote gewesen. Dies geht aus dem mit Freitag vorliegenden neuen Bericht über "Suchtgiftbezogene Todesfälle 2010" des Gesundheitsministeriums hervor. Im Jahr 2006 waren es 197 verifizierte Fälle gewesen, 2001 und 2002 jeweils 139.

Wenig geändert hat sich an den Charakteristika jener Menschen, die am Suchtgiftkonsum versterben. 92 Prozent der toxikologisch analysierten derartigen Todesfälle waren auf ein oder mehrere Suchtgifte inklusive Opiate in Verbindung mit Alkohol zurückzuführen. Das Durchschnittsalter der Opfer betrug im vergangenen Jahr 32,4 Jahre, der aussagekräftigere "mediane" Wert (50 Prozent darüber, 50 Prozent darunter) lag bei 29 Jahren (2006: 24,6; 2009: 29,2).

Drogentote sind überwiegend Männer. Der Anteil der Frauen an den direkt suchtgiftbezogenen Todesfällen beträgt im Jahr 2010 exakt 18 Prozent und entspricht somit dem Durchschnitt der vergangenen Jahre (2006: 21 Prozent; 2009: 20 Prozent).

Mehrfach erkrankt

Drogenkranke sind nicht allein "abhängig". Sie haben zu einem hohen Prozentsatz auch andere Erkrankungen. Suchtspezialisten haben immer wieder nachgewiesen, dass bei vielen Betroffenen eine psychiatrische Grunderkrankung im Hintergrund steht. Darüber hinaus sind die Todesopfer offenbar zum größten Teil Personen, die durch lange "Drogenkarrieren" krank geworden sind. So stellten die Gerichtsmediziner bei 72 Prozent Leberschäden, bei 66 Prozent Herzschäden und bei 50 Prozent Lungenerkrankungen fest.

Drogentote sterben in Österreich - im Gegensatz zu vielen Klischees aus Medien - in den meisten Fällen nicht an öffentlichen Plätzen. Laut Autorin des Reports zeigtn bereits die erste Analyse im Jahr 2005, dass die Mehrheit der Personen in einer Wohnung verstarb. Dies setzte sich auch 2010 fort (73 Prozent). In Hotels, Jugendherbergen oder Notunterkünften wie Männerheimen verstarben drei Prozent. Ein Großteil des hochriskanten Drogenkonsums passiert demnach offenbar im scheinbar geschützten privaten Rahmen, was möglicherweise das Ausbleiben von rascher Hilfe bei Intoxikationen nach sich zieht, so die Autorin.

Bessere Prävention

Die im Report festgestellten Fakten könnten die Präventionsarbeit unterstützen, etwa durch Maßnahmen der Risikominimierung (z.B. Spritzentausch, Drogenersatztherapie) sowie Aufklärung über hochriskante Drogenkonsummuster, speziell Mischkonsum. Gleichzeitig müsse getrachtet werden, noch mehr Betroffene in adäquate medizinische Versorgung zu bringen.

Zunehmend problematisch erscheint der seit 2008 festgestellte Anteil an nicht Obduzierten (2008: 32 Fälle). Das macht - wie auch bereits bei allen anderen Erkrankungen bemerkt - die österreichischen Todesursachenstatistiken weniger aussagekräftig. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 113
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Mokka Sinn
05
7.10.2011, 18:36

Wieviele Medikamententote gab es noch mal im Vergleich dazu?

Freu dich - es gibt Keinen der dich liebt
06
7.10.2011, 18:26
Ok

Und wieviele davon starben an Marihuana ?

Euphrosine Laetitia
 
10
25.10.2011, 15:05
In Österreich nicht untersucht

Man macht hier keine chemische Analyse für Cannabispräparate, wenn jemand durch Springen oder durch Stellen auf Geleise Selbstmord begeht. In Stockholm hat man das versuchsweise ein Jahr lang gemacht und fand eine Zahl, die halb so groß war wie die Zahl, die direkt an den Folgen einer Überdosis Heroin gestorben ist. Man hat Jugendliche, die eine solche Situation überlebt haben, gefragt, was das Motiv war. Sie sagten, sie hätten ihr Gewicht nicht gespürt und gedacht, sie könnten fliegen bzw. sie könnten den Fahrer der U-Bahn durch Telepathie stoppen. Bei denen, die gestorben sind, fiel auf, dass sie vorher mit einer Ausnahme keine Selbstmordabsichten geäußert haben und keinen deprimierten Eindruck gemacht haben. Die Ausnahme hat sich erhängt

zhang sanfeng
00
26.10.2011, 11:52

ich kann diese stockholmer studie leider nirgends finden.
hätten sie da einen link?

Euphrosine Laetitia
 
00
26.10.2011, 15:59
Marihuana and Medicine

herausgegeben von Gabriel Nahas, 1999 Human Press Inc. ist ein dicker Schmöker, der alles Wissenswerte aus zahlreichen Studien enthält.
Sonst gibt es im Internet viel beweisbar falsche Information, die in einer Sprache verfasst ist, die dem simplen Niveau der gewöhnlichen User angepasst ist. Schließlich gibt es starke wirtschaftliche Interessen für den Drogenkonsum, und das nicht nur bei Alkohol.
Man hat in Wien gerade die Nachtöffnungszeiten an den Diskotheken bis zum Morgen verlängert. Ich würde mir wünschen, dass die Politiker, die das veranlasst haben, Nachtdienst in Akutaufnahmen in den Spitälern machen müssten sowie die Eltern dieser Jugendlichen treffen müssten.
An die Familien der User denkt hier niemand.

zhang sanfeng
02
26.10.2011, 20:08

nahas? das war doch dieser fanatiker, der affen geräuchert hat, um nachzuweisen, dass rauchen schädlich ist.
danke, alles klar.

Euphrosine Laetitia
 
10
26.10.2011, 21:20
Hehe

der bekannte Scherz unter Kiffern, um Nahas zu diskriminieren. Natürlich ist er der Hauptangriffspunkt der Marihuanapropagandisten, weil er der bekannteste Spezialist ist. Aber er ist in diesem Fall nur der Herausgeber. Sie können das Buch ruhig googeln und die Artikel der vielen anderen Autoren lesen. Die spätere Untersuchung über Todesfälle unter Kiffern in Stockholm ist auch dabei, Autoren sind der Rechtsmediziner Univ. Prof. Jovan Rajs und die Psychologin Anna Fugelstad.

zhang sanfeng
02
26.10.2011, 22:03

die fördergelder gestrichen haben ihm aber nicht die bekanntermassen immer zu scherzen aufgelegten kiffer. ;)
- aber bevor wir uns deshalb ineinander verbeißen:
darüber, dass drogen aller art für jugendliche schädlich sein können sind wir uns wohl einig.
darüber, ob die prohibition irgendjemanden schützt offenbar nicht.

Euphrosine Laetitia
 
20
26.10.2011, 22:22
Die Prohibition

schützt diejenigen, die sich an die Gesetze halten, nicht diejenigen, die sie übertreten.
Als Opiate anlässlich des ersten Weltkrieges auf die medizinische Verwendung beschränkt wurden, hörten die Hausfrauen mit diesen Drogen auf und die Kriminellen verwendeten sie weiter. Vorher waren die Frauen die Mehrheit unter den Opiatsüchtigen, seither die Männer. Die Frauen stiegen dann zum Teil auf Schlafmittel um, aber das war für die Familien leichter zu ertragen und für sie selbst etwas weniger gefährlich.

Euphrosine Laetitia
 
00
26.10.2011, 13:39
Einen Link

kann ich nicht schicken, aber die Studie selbst, vorausgesetzt, sie können schwedisch lesen. Der Titel ist: Avlidna narkomaner. Dödsorsaker, Missbruksanamnes, Vârdanamnes. En studue om narkotikamissbrukare som avled 1981 i Stockholms län.
av Helgund Seidler, leg psykolog, Narkomanvârdskliniken, Danderyds sjukhus.
Wenn Sie wirklich interessiert sind, kann ich aber nachsehen, ob ich nicht auch die aktuellere Studie von anderen Autoren finde. Die dürfte eine englische Zusammenfassung haben oder in einer englischsprachigen medizinischen Zeischrift gedruckt worden sein.

zhang sanfeng
00
26.10.2011, 15:30

danke.
für die schwedische version wird´s leider nicht reichen, eine englische zusammenfassung wäre fein.

ohne die studie zu kennen vermute ich mal, dass ein knackpunkt in der messmethode liegen wird.
"... und fand eine Zahl, die halb so groß war wie die Zahl, die direkt an den Folgen einer Überdosis Heroin gestorben ist"
da wird die kleine zahl an (erkannten) suiziden zur winzigen zahl der herointoten in beziehung gesetzt.
bei der üblichen quote an jugendlichen kiffern, und der üblichen messmethode, die ja nicht die tatsächliche berauschung, sondern nur den konsum in den letzten wochen nachweisen kann wäre es mehr als verwunderlich, wenn nicht bei einem teil der suizidanten cannabisgebrauch nachweisbär wäre.
beweiskraft~0.

Euphrosine Laetitia
 
10
26.10.2011, 18:30
Teilweise richtig ;-)

Sie haben natürlich Recht, dass man aus 10 toten Kiffern in einem Jahr in einer Stadt keine weitreichenden Schlüsse ziehen kann. Interessant ist allerdings, dass man nicht nur positive Haschproben hatte (diejenigen, die sich erhängt haben, taten es nicht im Rausch, sondern abstinent), sondern bei den Sprüngen und den Unfällen, die auf dem veränderten Körpergefühl und der Gefahrenunterschätzung beruhten, haben wir auch die Zeugenaussagen der anderen Teilnehmer der aktuellen Drogenparty. Einer von den 10 Kiffern starb an Kehlkopfkrebs, mit 30 oder 32 Jahren, der jüngste Tote mit Krebs in den Atmungswegen, den ich kenne. Aber natürlich gibt es mehr kiffende Musiker, die erst viel später gestorben sind und auch solche die kiffen und noch leben

zhang sanfeng
00
26.10.2011, 20:50

gäbe es eine vergleichsgruppe von nüchternen und/oder trinkenden jugendlichen s-bahn-surfern ließe ich das argument gelten.
manche haben in einem bestimmten alter eben risikoverhalten, und die versuchung dem interviewer das motiv zu liefern, das er hören will ist natürlich da.

triage
51
9.10.2011, 08:59

Wieviel Prozent der Drogentoten haben mit weichen Drogen angefangen?

Euphrosine Laetitia
 
02
25.10.2011, 15:23
Die ersten Drogen

sind im allgemeinen Nikotin oder Alkohol. Wenn man eine zur Sucht neigende Persönlichkeit hat und keine gesunden Entspannungsmöglichkeiten kennt (Entspannungsübungen, Ausdauersport, klassische Musik Z B), und Zugang zu Drogen hat, wird man alle paar Jahre eine neue Droge zu den alten hinzufügen. Es gibt keine Cannabisraucher, die nicht schon vorher Zigaretten geraucht und Bier getrunken haben. Österreich ist ganz miserabel in bezug auf Drogenprävention bei Jugendlichen. Wenn man das Gehirn erst mal ausreifen liesse, bevor Drogen zugänglich wären, also eine Grenze bei 25 Jahren hätte. hätte man praktisch kein Suchtproblem in unserer Gesellschaft. Wer so spät anfängt, kann auch aufhören. Je früher das Debut, umso schlechter die Prognose.

Freu dich - es gibt Keinen der dich liebt
02
9.10.2011, 20:57
Und wieviel

davon mit Griesskoch ?

triage
00
10.10.2011, 09:25

Sie glauben also wirklich, daß die überwiegende Mehrzahl der Heroinabhängigen in Österreich mit Heroin eigestiegen ist ohne vorher andere Drogen zu konsumieren?
Die vielen Substitutionspatienten, die ich kenne, berichten da ganz etwas anderes!

zhang sanfeng
06
10.10.2011, 13:41

für fast 100 % sind die "einstiegsdrogen" kakao und zucker.
später dann alkohol und tabak, oft auch tabletten.
cannabis ist für manche dann die erste illegale droge
(was eben mehr mit der politisch motivierten verfolgung zu tun hat)
95 bis 98 % der cannabis-user nehmen nie im leben "harte drogen".

der begriff "einstiegsdroge" ist also ein schwacher versuch, das cannabis-verbot irgendwie zu rechtfertigen - auf kosten der redlichkeit.

Euphrosine Laetitia
 
00
25.10.2011, 15:42
Teilweise richtig

Sie haben vollkommen Recht in bezug auf die Bezeichnung "Einstiegsdroge", das ist so, wie sie es beschrieben haben. Aber das ist nicht der Grund, warum Cannabis illegal ist, sondern die Frontalhirnschäden durch das THC. Man verliert die Fähigkeit, Zusammenhänge zu begreifen und sich einen Überblick zu verschaffen und für die Zukunft zu planen. Das Kurzzeitgedächtnis leidet. Zum Unterschied von Alkohol und Nikotin speichert sich THC wie LSD und manche Psychopharmaka im Fettgewebe, wird also nicht nach Stunden wieder ausgeschieden. Ein Joint ist eine Woche lang nachzuweisen,die Leistungsverschlechterung im Flugsimulator allerdings "nur" 48 Stunden bei einmaligem Konsum.Nach langem täglichem Konsum dauert die vollständige Rehabilitierung Jahre

zhang sanfeng
02
26.10.2011, 12:10
teilweise richtg. ;-)

was ich bestätigen kann ist, dass das kurzzeitgedächtnis für die dauer des rausches gehemmt wird.
(bei dauergebrauch sind also beeinträchtigungen zu erwarten)

dass lsd im fettgewebe gespeichert werden soll halte ich für ein gerücht. andernfalls bitte um nachweis.
wieso die speicherung von thc im fettgewebe relevant sein soll verstehe ich nicht. (ausser sie sehen einen "recycling-rausch" während einer fastenkur als problem). dass speicherung und psychotrope wirkung zwei völlig verschiedene dinge sind sagen sie ja selbst.
kaum jemand denkt mit dem fett, oder mit den haarspitzen... ;-)

die behauptung von frontalhirnschäden hört man hin und wieder. einen nachweis dazu habe ich noch nicht gesehen.
haben sie dazu eine quelle?

Euphrosine Laetitia
 
00
26.10.2011, 18:49
Frontalhirnschäden

bei chronischen Cannabiskonsumenten findet man sowohl in der westlichen Welt wie in Indien. Bei den westlichen Funden wenden die Cannabisanhänger ein, dass die Kiffer ja auch andere Drogen verwendet haben, was stimmt. Bei den Indern sagen sie, dass die auch an Unterernährung gelitten haben, was auch stimmt. Bei Versuchen mit Computertomographie unter dem Einfluss von THC sieht man, dass die Blutversorgung und damit auch die Sauerstoffversorgung des Frontalhirns negativ beeinflusst werden.Die Symptome bei chronischen Cannabisgebrauch stimmen mit denen von Frontalhirnschäden anderer Ursache überein. Aber niemand kann jemanden daran hindern, das eigene Gehirn zu schädigen, wie es ihm gefällt, auch ein Gesetz nicht, wenn es nicht befolgt wird.

zhang sanfeng
02
26.10.2011, 21:02

pardon, aber ich hatte diesbezüglich nach einer quelle gefragt.
aber immerhin sind wir uns einig, dass die prohibition keine schäden verhindern kann.

Euphrosine Laetitia
 
00
26.10.2011, 21:47
An die Quellen über die Frontalhirnschäden

kann ich mich jetzt, ca 30 Jahre später, nicht mehr erinnern. Aber es gibt auch in dem neuen Buch über "Marihuana und Medizin" neurologische Studien.
Ich hab sie nicht gelesen, obwohl ich die nötigen Grundkenntnisse habe, um Forschungsberichte zu verstehen. Aber da ich nicht mehr berufstätig bin, gibt es interessantere Beschäftigungen für mich, z B Fotografieren, Wandern, Reisen.

zhang sanfeng
00
26.10.2011, 21:58

dann wünsche ich erholsame reisen. :)

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