Bilanz stabil bis rückläufig - Meisten Opfer sind mehrfach krank - Überwiegend Männer betroffen
Wien - Die Zahl der Drogentoten ist in Österreich relativ stabil bis leicht rückläufig. Vergangenes Jahr starben akut durch Suchtgiftkonsum 170 Personen, bei weiteren 17 derartigen Fällen wurde keine verifizierende Obduktion durchgeführt. Im Jahr zuvor waren es 187 verifizierte Tote gewesen. Dies geht aus dem mit Freitag vorliegenden neuen Bericht über "Suchtgiftbezogene Todesfälle 2010" des Gesundheitsministeriums hervor. Im Jahr 2006 waren es 197 verifizierte Fälle gewesen, 2001 und 2002 jeweils 139.
Wenig geändert hat sich an den Charakteristika jener Menschen, die am Suchtgiftkonsum versterben. 92 Prozent der toxikologisch analysierten derartigen Todesfälle waren auf ein oder mehrere Suchtgifte inklusive Opiate in Verbindung mit Alkohol zurückzuführen. Das Durchschnittsalter der Opfer betrug im vergangenen Jahr 32,4 Jahre, der aussagekräftigere "mediane" Wert (50 Prozent darüber, 50 Prozent darunter) lag bei 29 Jahren (2006: 24,6; 2009: 29,2).
Drogentote sind überwiegend Männer. Der Anteil der Frauen an den direkt suchtgiftbezogenen Todesfällen beträgt im Jahr 2010 exakt 18 Prozent und entspricht somit dem Durchschnitt der vergangenen Jahre (2006: 21 Prozent; 2009: 20 Prozent).
Mehrfach erkrankt
Drogenkranke sind nicht allein "abhängig". Sie haben zu einem hohen Prozentsatz auch andere Erkrankungen. Suchtspezialisten haben immer wieder nachgewiesen, dass bei vielen Betroffenen eine psychiatrische Grunderkrankung im Hintergrund steht. Darüber hinaus sind die Todesopfer offenbar zum größten Teil Personen, die durch lange "Drogenkarrieren" krank geworden sind. So stellten die Gerichtsmediziner bei 72 Prozent Leberschäden, bei 66 Prozent Herzschäden und bei 50 Prozent Lungenerkrankungen fest.
Drogentote sterben in Österreich - im Gegensatz zu vielen Klischees aus Medien - in den meisten Fällen nicht an öffentlichen Plätzen. Laut Autorin des Reports zeigtn bereits die erste Analyse im Jahr 2005, dass die Mehrheit der Personen in einer Wohnung verstarb. Dies setzte sich auch 2010 fort (73 Prozent). In Hotels, Jugendherbergen oder Notunterkünften wie Männerheimen verstarben drei Prozent. Ein Großteil des hochriskanten Drogenkonsums passiert demnach offenbar im scheinbar geschützten privaten Rahmen, was möglicherweise das Ausbleiben von rascher Hilfe bei Intoxikationen nach sich zieht, so die Autorin.
Bessere Prävention
Die im Report festgestellten Fakten könnten die Präventionsarbeit unterstützen, etwa durch Maßnahmen der Risikominimierung (z.B. Spritzentausch, Drogenersatztherapie) sowie Aufklärung über hochriskante Drogenkonsummuster, speziell Mischkonsum. Gleichzeitig müsse getrachtet werden, noch mehr Betroffene in adäquate medizinische Versorgung zu bringen.
Zunehmend problematisch erscheint der seit 2008 festgestellte Anteil an nicht Obduzierten (2008: 32 Fälle). Das macht - wie auch bereits bei allen anderen Erkrankungen bemerkt - die österreichischen Todesursachenstatistiken weniger aussagekräftig. (APA)