Gemeinsames Schreiben nach antideutschen Äußerungen des Oppositionsführers: "Für Polen schädlich"
Warschau - Mehrere ehemalige Außenminister Polens haben die antideutschen Äußerungen von Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski in einem am Donnerstag veröffentlichen gemeinsamen Schreiben scharf kritisiert. "Besondere Beunruhigung weckt die Andeutung, dass die Wahl der deutschen Kanzlerin Angela Merkel unter "nicht ganz sauberen Umständen" erfolgte", schrieben die ehemaligen Chefdiplomaten Wladyslaw Bartoszewski, Wlodzimierz Cimoszewicz, Andrzej Olechowski, Dariusz Rosati und Adam Daniel Rotfeld. "Wir fühlen die moralische Verpflichtung, Kanzlerin Merkel zu sagen: Wir solidarisieren uns mit Ihnen. Polen und Deutschland haben noch viel gemeinsam zu tun. Nicht nur in den bilateralen Beziehungen, sondern auch für das geeinte Europa." Die Andeutungen des Führers der größten Oppositionspartei seien "für Polen schädlich".
In seinem wenige Tage vor den polnischen Parlamentswahlen am Sonntag veröffentlichten Buch hatte Kaczynski, der als Vorsitzender der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) Ministerpräsident werden will, Merkel unter anderem Großmachtstreben vorgeworfen. Sie erwarte von Polen "Unterordnung", schrieb er. Beim Wahlsieg der PiS bei den Wahlen im Jahr 2005 hatten antideutsche Parolen den Wahlkampf mit geprägt. In den vergangenen Wochen hatte PiS gegen die liberal-konservative Bürgerplattform (PO) von Regierungschef Donald Tusk in Umfragen aufgeholt.
Polens amtierender Außenminister Radoslaw Sikorski hatte den Brief seiner Amtsvorgänger nicht mit unterzeichnet. Sein Sprecher sagte jedoch, Sikorski verfolge die Initiative der einstigen Chefdiplomaten "mit Aufmerksamkeit". Er appellierte an die Nationalkonservativen, nicht gegen die Deutschen zu hetzen. (APA)