Quin

"Aufmotzen" von Pädagogischen Hochschulen reicht nicht

Interview | Sebastian Pumberger, 7. Oktober 2011, 13:39
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    foto: apa/privat

    "Eine Möglichkeit wäre es, dass Personen, die sehr viel Geld haben, sich im Bildungsbereich verewigen können. Ich habe auch nichts dagegen, dass hier irgendwelche Gegenleistungen im Sinne von Namensgebungen von Schulen oder ähnlichem stattfinden."

AHS-Lehrergewerkschafter über Schmieds Reformpläne und eine Bildungs-Solidaritätsabgabe

Der oberste AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin ist bei den Reformvorschlägen von Unterrichtsministerin Schmied zu den Pädagogischen Hochschulen "gespalten". Diese seien "ein erster wichtiger Schritt", aber wenn man die Pädagogischen Hochschulen zu tertiären Einrichtungen macht, dann müsse man sie auch dem Wissenschaftsministerium unterstellen.

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derStandard.at: Ministerin Schmied hat ihre Vorstellungen zur Pädagogischen Hochschule präsentiert. Wie beurteilen Sie diese Pläne?

Quin: Da bin ich gespalten. Grundsätzlich glaube ich, dass es ein wichtiger erster Schritt ist. Das Aufmotzen von Pädagogischen Hochschulen kann aber nicht das Ende der Entwicklung sein. Weder Pädagogische Hochschulen noch Universitäten sind derzeit in der Lage, die gesamte Pädagogen-Ausbildung zu übernehmen. Pädagogische Hochschulen sind als nachgeordnete Einrichtungen des Ministeriums von einer Autonomie, wie sie die Universitäten haben, meilenweit entfernt. Diese Autonomie ist aber ein wesentliches Merkmal tertiärer Bildungseinrichtungen. Was ich mir mittelfristig nicht vorstellen kann, sind getrennte Zuständigkeiten. Wenn Pädagogische Hochschulen tertiäre Einrichtungen werden, dann gehören sie nicht zu einem Unterrichtsministerium, sondern zu einem Wissenschaftsministerium. Das hat nichts mit Parteipolitik zu tun. Wenn es sich aber um gleichwertige tertiäre Einrichtungen handeln soll, ist mir nicht klar, warum die Zuständigkeiten getrennt sein sollten.

derStandard.at: Es soll nun ja auch einen Entwicklungsrat geben. Wie sehen Sie diesen?

Quin: Ich kenne kein Detailkonzept. Ich kenne aber die beiden Personen, die genannt wurden, Andreas Schnider und Roland Fischer. Beide haben zweifellos die Fähigkeit, die Sache sinnvoll weiterzuentwickeln. Die Frage ist, wieweit sie dafür auch ein Pouvoir haben. Was aber über alle Lehrergruppen hinweg unumstritten ist: Die neue Lehrerbildung muss eine Verbesserung darstellen. Eine Verbesserung bedeutet natürlich eine masterwertige Ausbildung für alle Lehrer in Österreich. Keine gleiche, wohl aber eine gleichwertige Ausbildung. Von der Politik habe ich noch keine so eindeutige Festlegung wahrgenommen. Für uns ist völlig klar, dass eine fachwissenschaftliche Ausbildung für AHS- und BHS-Lehrer auf Universitäten zu erfolgen hat. Pädagogische Hochschulen haben weder das Personal noch die Möglichkeiten, fachwissenschaftlich forschend tätig zu sein. Das muss aber für eine Lehrerausbildung gewährleistet sein. Deswegen ist eine Zusammenarbeit zwischen den Pädagogischen Hochschulen und Universitäten wichtig.

derStandard.at: Sie haben in den letzten Tagen auch die Oberstufenreform kritisiert und gesagt, hier drohe der organisatorische Super-Gau. Was läuft hier falsch?

Quin: Ich habe im Vorfeld gesagt, dass die Grundidee positiv ist. Das sehe ich nach wie vor so, und ich hoffe, dass man das in einem praktikablen Modell umsetzen kann. Der Entwurf, der nun vorliegt, ist für die Schulen eine ungeheure verwaltungstechnische Mehrbelastung. Es ist zur Begutachtung dieses Entwurfs aus politischen Gründen gekommen. Die Bediensteten im Ministerium sehen darin auch eher einen Entwurf eines Entwurfs. Aber aus der Grundidee kann man natürlich etwas Sinnvolles machen.

Auf ein Problem hat auch das Finanzministerium hingewiesen. Zu sagen, das Modell sei kostenneutral, ist putzig. Man kann das natürlich unterschiedlich ausgestalten. Es ist die Frage, was ich will. Wenn ich mir ein Auto kaufe, kann ich mir einen Dacia oder einen Bentley kaufen - mit beiden kann man fahren, aber unterschiedlich gut. Man muss sich überlegen, wie viel Ressourcen man zu investieren bereit ist. Daran muss ich dann das Modell anpassen. Mehraufwand muss den Lehrern selbstverständlich auch abgegolten werden, aber man kann mit wenig und mit viel Mitteln praktikable Lösungen finden.

derStandard.at: Es wird ja schon seit längerem um das Lehrerdienstrecht verhandelt. Wie ist der Stand?

Quin: Wir haben mit der Dienstgeberseite vereinbart, keine konkreten Termine und Inhalte weiterzuleiten. Walter Riegler hat ja schon fehlende budgetäre Vorgaben bemängelt. Wenn ich die Gehaltskurve in Richtung höherer Einstiegsgehälter und eines flacheren Verlaufs verändere, dann brauche ich am Anfang mehr Mittel. Solange der finanzielle Rahmen nicht klar ist, können wir zwar durchaus konstruktive Gespräche führen, man wird aber nicht so schnell zu einem Ergebnis kommen.

Ich weiß nicht, welchen zeitlichen Rahmen sich die Politik gibt. Es gibt jetzt eine wirkliche Chance, neue Gehaltsverläufe zu regeln und ein attraktives leistungsgerechtes Dienstrecht zu schaffen. Aufgrund der anstehenden Pensionierungswelle lassen sich Mehrkosten deutlich leichter finanzieren, da die Gesamtpersonalausgaben demnächst deutlich sinken. Für eine Person, die in Pension geht, kann ich zwei Junglehrer einstellen.

Jetzt gibt es die Chance, das System zu ändern, wenn die Politik diese Chance nicht ergreift, dann wird dieses Fenster lange wieder zu sein. Alle, die in den kommenden Jahren den Lehrberuf ergreifen, werden die nächsten 40 Jahre hindurch Lehrer sein. Erst dann wird es wieder einen starken Personalaustausch geben. Ich kann nicht voraussagen, wie lange es dauern wird, bis ein neues Dienst- und Besoldungsrecht das Licht der Welt erblickt. Ich bin aber der letzte, der sagt, es muss Ende des Jahres sein. Wenn etwas G'scheites rauskommt, werden wir dieses Dienstrecht für Jahrzehnte haben. Da kommt es nicht darauf an, ob wir ein paar Monate länger oder kürzer brauchen, aber auf den St. Nimmerleinstag wollen wir nicht werten müssen.

derStandard.at: Sie fordern eine Solidaritätsabgabe für das Bildungswesen. Steht es um unser Schulsystem so schlecht, dass wir auf Spenden angewiesen sind?

Quin: Ich glaube nicht, dass es um unser System so schlecht steht. Ich höre aber immer aus dem Ministerium - zum Beispiel wenn die Klassenschülerhöchstzahl rechtswidrig in großen Massen überschritten wird -, es gebe die Ressourcen nicht. Ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn dem aber wirklich so ist, muss man zusätzliche Ressourcen finden. Diese wachsen nicht am Baum, irgendwoher müssen sie also kommen. Eine Möglichkeit wäre, dass Personen, die sehr viel Geld haben, sich im Bildungsbereich verewigen können. Ich habe auch nichts dagegen, dass hier irgendwelche Gegenleistungen im Sinne von Namensgebungen von Schulen oder ähnlichem stattfinden.

derStandard.at: Wie soll so eine Solidaritätsausgabe aussehen? Soll diese freiwillig oder verpflichtend sein?

Quin: Ich bin kein Steuerexperte. Die Diskussion um die Vermögenssteuer auf politischer Ebene läuft verkehrt. Ein Budget wird man nicht sanieren können, wenn man die reichsten zwei Prozent zusätzlich besteuert. Es wäre aber schon ein symbolischer Akt, wenn sich Personen, die sehr viel verdienen, auf diese Weise einbringen. Das kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, etwa per zusätzlicher Steuer oder durch steuerliche Absetzbarkeit für Spenden im Bildungsbereich. Personen, die in wirtschaftlich guten Zeiten sehr stark profitiert haben, sollen in budgetär etwas schlechteren Zeiten einen Beitrag leisten.(Sebastian Pumberger, derStandard.at, 7.10.2011)

ECKEHARD QUIN ist AHS-Lehrer für Geschichte und Chemie. Letztes Jahr löste er Eva Scholik als Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft ab, deren Stellvertreter er jahrelang war. Quin unterrichtet neben seiner Gewerkschaftstätigkeit weiterhin an einem Gymnasium in Perchtoldsdorf.

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Posting 1 bis 25 von 35
1 2
23801958
00
8.11.2011, 16:10
Mehraufwand

Dem Steuerexperten (oder nun doch nicht) Quin bitte ausrichten: es sind sicher gerne viele "Mehrverdiener" zu einem sympbolischen Akt bereit und würden sich finanziell einbringen, aber nur wenn viele "Mehrverdiener" unter seinen Kollegen, die ja nicht mehr so viel Zeit für die Vorbereitung brauchen, diese Zeit am Nachmittag im Klassenzimmer verbringen und schwächere Schüler unterstützen.

Woodpecker
01
8.10.2011, 13:41
Schul- oder Lehrersponsoring wird ja schon betrieben ...

Vielleicht sollte man neben Fast-Food-Firmen (die dann auch entsprechende Automaten oder Kiosks in/nahe der Schule betreiben dürfen) und Firmen, die erbauliche Lehrbroschüren mit Raiffeisenmännchen ganz kostenlos verteilen, doch gleich auch Firmen mit guter Reputation wie Novomatic, Monsanto, dazu den örtlichen Mopedflickschuster und den Handy-Entsperrservice ganz einfach angliedern, mit entsprechenden Möglichkeiten sich in die Gestaltung der Aula einzubringen - gegen gute Miete oder Pacht, versteht sich?

strangerinastrangeland
 
02
8.10.2011, 13:38
Pimp my PÄDAK,

und schon klappt es mit dem Akademikeranteil nach OECD.

Und warum auch nicht, andere Ländern habe. das "Problem" auch durch Umdeklaration gelöst...

systemfehler1
120
8.10.2011, 10:21
Hier finden Sie ein

gewerkschaftlich organisiertes Lehrerselbstbeweihräucherungsforum.
What else?

Isabella Conceicao
13
8.10.2011, 12:55

das sehen vielleicht sie als einer in sachen bildungswesen ahnungsloser so!
aber sie können trotzdem gerne mitdiskutieren. sachliche beiträge sind immer willkommen.

systemfehler1
50
8.10.2011, 16:14
Wozu soll ich mich

mit den hier agierenden Handlangern der Lehrergewerkschaft auf ein intellektuelles Duell einlassen?
Das wäre unfair, weil diese ohne Waffen sind und ohnehin nur Gewerkschaftslogans von sich geben.

Irma la Douce
12
9.10.2011, 11:39
sapiens sua secum portat.

D/E
12
8.10.2011, 22:44
Yes, this is a battle of wits,

and I can clearly see that you have come unarmed.

anda lusier
13
8.10.2011, 19:21
dem fuchs

sind die trauben auch zu sauer.

systemfehler1
00
9.10.2011, 18:55
Da geht´s ja zu wie zu meiner Schulzeit.

Lehrermobbing at his best :-)

systemfehler1
00
9.10.2011, 21:35
..aber, aber, den Fehler noch

nicht gefunden?

D/E
00
11.10.2011, 23:57
Es sind drei: 2 Beistrichfehler (vor und nach aber)

und außerdem reden Sie Blödsinn und noch dazu mit sich selbst.

Seria
00
7.10.2011, 21:28

österr Lösung. Die Titel aufwerten, aber die Qualität????

lupuss
03
8.10.2011, 01:00
das gilt nicht nur für Österreich

die Entwicklung seit der Verschulung tertiärer Einrichtungen und der Aufwertung diverser Einrichtungen zu "Universitäten" in den letzten 40(!) und mehr Jahren bedient die Politik mit "Akademikern" und die Wirtschaft mit genormten Dienstnehmern. Bologna war dann nur ein vorläufig letzter Schritt einer Qualitätsbeschneidung.

Veronika Lenz
01
8.10.2011, 03:27
pisa, bologna &co (+der reformkater)

http://www.nachdenkseiten.de/upload/pd... uerung.pdf
"die sanfte steuerung der Bildung"

Ent-täuscher
30
7.10.2011, 21:04
Danke Standard!

Kennzeichen eines Qualitätsmediums: Es lässt auch die Gegenseite zu Wort kommen.
Leider sind die Leser noch nicht auf diesem Level, es ist ja rührend, wie sie sich entschuldigen, wenn sie das Interview gut finden!
Falls es einige noch immer nicht geschnallt haben: ja, es gärt auch in der sozialdemokrat. Lehrerschaft.

Saskia Fabian
 
71
7.10.2011, 20:44
haha das ich nicht lache

ich bin an einer pädagogichen hochschule tätig und kenne die pendants in meinem fach an den universitäten...das ich nicht lache.

Radio Eriwan
00
9.10.2011, 06:37
Ihre Rechtschreibung stützt Ihre persönliche Meinung nicht.

D/E
00
8.10.2011, 16:44
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lachen über andere

eher ein Hobby der Unbedarften ist.

Kenne beides, Uni und PH, und denke mir, dass beide eine Menge vom anderen lernen könnten. Das akademische Niveau der PH ist jedenfalls nicht immer herzeigbar.

Johannes99
04
8.10.2011, 06:55
Ich hoff', Sie sind nicht pädagogischer Germanist ...

... bei Ihrer Schreibweise. Aber in der Sache gebe ich Ihnen Recht. Man sollte aus der PH etwas Neues entwickeln. Gegen unsere Universitäten habe ich ein leises Misstrauen - Forschung und Lehre? Spektakuläre Forschungsergebnisse sind mir nicht bekannt, kann also nicht soweit her sein. Und für die katastrophale Lehre haben die besitzstandswahrenden Professoren die Ausrede, dass ihnen die Umstände aufgezwungen sind. Die PH hat gute Grundlagen, daraus kann man etwas Gescheites entwickeln, das die Bezeichnung akademisch verdient.

Chat long
07
7.10.2011, 21:41

"haha das ich nicht lache" - und Sie wollen an einer PH tätig sein? Als was denn? Im Bereich "Lehre" wohl nicht!

anton haupt
14
7.10.2011, 23:42

naja, die haben dort auch häusln, die wer putzen muss.

soisteshalt
15
7.10.2011, 20:01

Obwohl ich weder Freund seiner Partei noch der Gewekschaft bin, muss ich sagen: gutes Interwiev, gute Inhalte und die Ministerin mit ihren Aktionen und ihrer heißen Luft ganz schön stehen gelassen.

Anscheinend bröckelt das Image der Betonierer doch langsam.

Irma la Douce
15
7.10.2011, 16:59
Von meiner politischen Überzeugung her sollte ich ja die Ministerin gut finden und Quin schlecht.

Tatsächlich sehe ich diesen sachlich argumentieren und jene heißes Kohlendioxid absondern (ich unterrichte zB in einer Oberstufenklasse mit 32 SchülerInnen). Ich kann mich mit seinen Aussagen großteils identifizieren.

Mike 23
21
7.10.2011, 16:02
Sehr gutes Interview

Michael

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