"Der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein, hat für mich keine Bedeutung"
Apple-Mitbegründer Steve Jobs ist
tot. Der 56-Jährige sei friedlich im Kreise seiner Familie gestorben,
teilten die Angehörigen am Mittwoch in San Francisco mit. Der seit
langem an Krebs leidende Jobs hatte Ende August den Chefposten des
Hightech-Konzerns an Tim Cook abgegeben.
"Die Welt hat einen Visionär verloren"
US-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle zeigten sich
"betrübt" über die Todesnachricht. "Es gibt wohl keine größere
Anerkennung für Steves Erfolg als dass ein
Großteil der Welt von seinem Tod über Geräte erfahren hat, die er
erfunden hat." "Die Welt hat einen Visionär verloren", hieß es in der
Erklärung des Präsidenten.
Fans, Prominente und Konkurrenten taten ihre Gefühle nach dem Tod des
Apple-Mitbegründers mit Twitter-Botschaften, auf Facebook oder den
derStandard.at-Foren kund.
Genie, Ikone, Legende, Visionär, Magier
Schon zu Lebzeiten ist der Verstorbene mit Superlativen betitelt
worden: Genie, Ikone, Legende, Visionär, Magier. Jobs hat die Apple-Ära
mit Mac, iPod, iPad und dem Maßstäbe setzenden iPhone geschaffen. "Steve
hinterlässt ein Unternehmen, das nur er so aufbauen konnte, und sein
Geist wird Apple für immer prägen", hieß es zum Abschied auf der
Firmenwebseite.
Kalt lies Jobs kaum jemanden. Im Netz wurde und wird er angefeindet. Dies belegt auch ein Blick in die derStandard.at-Foren.
Leidenschaft
All seine Kraft und Energie widmete Jobs dem Erfolg des von ihm 1976 mitgegründeten Konzerns. Nur Microsoft-Gründer
Bill Gates hat es bisher zu ähnlichem Ruhm gebracht. Dreimal nahm sich
Jobs krankheitsbedingt Auszeiten, Ende August erklärte er seinen Rückzug
von der Firmenspitze. "Ich habe immer gesagt, dass ich es als erster
mitteile, wenn der Tag kommt, an dem ich nicht länger meine Aufgaben als
Apple-Chef erfüllen kann", sagte er damals. Als Chairman stand er dem
Unternehmen, dessen Schicksal so eng seiner Person verknüpft ist, weiter
zur Seite.
Jobs' Leidenschaft für die von ihm gestaltete Apple-Welt und die
unnachahmliche Begeisterung, mit der er neue Produkte vorstellte,
machten die oft versponnene Technologiebranche schillernder und ihre
Produkte populärer. Apple-Geräte haben das tägliche Leben von Millionen
Menschen verändert: wie sie am Computer arbeiten, wie sie Musik hören
und wie sie mobil telefonieren.
"Ich liebe Apple so sehr und hoffe, so schnell wie möglich zurück zu sein."
Vieles deutete zuletzt darauf hin, dass Jobs den entscheidenden Kampf
um sein Leben nicht für sich entscheiden wird. Bilder eines
ausgezehrten Mannes schockten in den vergangenen Monaten die
Apple-Gemeinde. Bereits 2005 war der mehrfache Familienvater an
Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. 2009 wurde ihm eine Leber
transplantiert. Anfang des Jahres zog sich Jobs noch einmal für eine
Pause zurück. Er wolle sich auf seine Gesundheit konzentrieren,
begründete er den Schritt, ohne näher auf seine Erkrankung einzugehen.
Damals sagte er noch: "Ich liebe Apple so sehr und hoffe, so schnell wie
möglich zurück zu sein."
Stets wollte er die Fäden bei Apple in der Hand haben
Ganz und gar ins Private verabschiedete sich der Workaholic nie.
Stets wollte er die Fäden bei Apple in der Hand haben. Er galt als
Manager, der nicht nur strategische Entscheidungen trifft, sondern auch
das Tagesgeschäft bestimmte. Als Chef war der Perfektionist mitunter
gefürchtet.
Nutzer in den Mittelpunkt der technischen Entwicklung gerückt
Als eine seiner größten Leistungen gilt in der Branche, dass er die
Nutzer in den Mittelpunkt der technischen Entwicklung rückte. Während
andere Tüftler von einem Bit-Rekord zum nächsten hetzten und bestenfalls
für den "dümmsten anzunehmenden User" programmierten, setzte Apple auf
eine leichte Bedienbarkeit seiner Software und Produkte. Anfangs als
"betreutes Computing" verspottet, gaben die Absatzzahlen Jobs
schließlich recht.
Personenkult
Mit dem wachsenden Erfolg genoss Jobs auch die große Aufmerksamkeit.
Er pflegte einen Personenkult, dessen Höhepunkt alljährlich seine Rede
auf der Apple-Hausmesse war. Stets trat er in Jeans und mit schwarzem
Rollkragenpullover auf. Stets wandte er sich nach der Rede zunächst vom
Publikum ab - nur um noch einmal mit den Worten "There is one more
thing" zurückzukehren und erst dann der Fangemeinde das jeweils heiß
ersehnte neueste Technikspielzeug aus seinem Haus zu präsentieren.
Den Konzern schottete er nach außen weitgehend ab und umgab ihm mit
der Aura des Mystischen: Branchenmessen bleibt Apple fern, die
Medienabteilung gibt über die Betriebsanleitungen der Geräte hinaus
praktisch keine Auskunft. Ihre Zulieferer verdonnern die Amerikaner zu
eisernem Schweigen. Wer dagegen verstößt, fliegt schon mal aus dem
Vertrag. Experten müssen die Geräte jeder iPhone- und iPad-Generation
eigens zerlegen, wenn sie wissen wollen, woher die Komponenten stammen.
Buddhist
Während über den Manager und Unternehmenschef Steve Jobs viel bekannt
und viel geschrieben worden ist, hielt der bekennende Buddhist sein
Privatleben unter Verschluss. Öffentliche Auftritte mit seiner Familie
oder Home-Stories galten als Tabu. Jobs, der bei Adoptiveltern aufwuchs
und sein Studium abbrach, gewann selbst seiner Krankheit noch Gutes ab.
"Der Gedanke daran, dass ich bald tot sein werde, ist die größte Hilfe,
um die großen Entscheidungen im Leben zu treffen", sagte er 2005.
Erwartungen anderer, Stolz oder die Angst, peinlich zu sein, verlören
ihr Gewicht. "Es gibt keinen Grund, nicht dem eigenen Herzen zu folgen."
(red/Reuters)