Gutachten

Kein EU-Freiflug für Nicht-EU-Airlines

Johanna Ruzicka, 7. Oktober 2011, 20:55

Wenn die EU ab 2012 den Luft­ver­kehr in den Emissionshandel auf­nimmt, müssen auch ausländische Fluglinien für EU-Flüge zahlen

Luxemburg/Genf/Wien - Die von der EU geplante Ausweitung des Emissionsrechtehandels auf alle Fluggesellschaften ab 2012 sorgte von Anfang an für Turbulenzen am europäischen Flughimmel. Insbesondere Nicht-EU-Fluglinien verwehrten sich gegen die Maßnahme, die ihnen laut Branchendienst Point Carbon geschätzte Kosten von 17,5 Milliarden Euro 2012 bis 2020 verursacht. Der Europäische Gerichtshof (EuGH), den drei Fluglinien aus den USA stellvertretend für Airlines aus China, Indien und den USA anriefen, gab der EU-Kommission jedoch recht. Für Flugreisende bedeutet dies, dass Langstreckenflüge ab nächstem Jahr um zwei bis zwölf Euro teurer werden können.

Souveränität

Nach Ansicht der Generalanwältin des EuGH, Juliane Kokott, verstoßen die kommenden Bestimmungen nicht gegen das Völkerrecht. Ausländische Fluggesellschaften, die in die EU oder innerhalb der Union fliegen, können sich demnach nicht dagegen wehren, wenn die EU ihr Emissionshandelssystem auch auf Streckenabschnitte von Flügen ausdehnt, die außerhalb des EU-Luftraums stattfinden, heißt es in den am Donnerstag veröffentlichten Schlussanträgen der Generalanwältin. Kokott begründet dies damit, dass sich die Regelung nur auf Starts und Landungen innerhalb der EU beziehe. Die Richtlinie enthalte somit keine "extraterritoriale Regelung" und verletze auch nicht die Souveränitätsrechte von Drittstaaten.

Die Rechtsauffassung der Generalanwältin gilt als wichtiger Fingerzeig für das in einigen Monaten zu erwartende Urteil, da das Gericht sich dieser Ansicht meist anschließt.

Laut Kokott ist die Einbeziehung der Flüge aller Luftfahrtunternehmen von und zu europäischen Flugplätzen in das EU-Emissionshandelssystem mit dem im Open-Skies-Abkommen verankerten Grundsatz billiger und gleicher Wettbewerbsbedingungen vereinbar.

Der internationale Branchenverband IATA (International Air Transport Association) zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung. Die Branche habe sowieso ambitiöse Pläne, was die Reduktion des Kerosin-Einsatzes und damit den Treibhausgas-Ausstoß betrifft. Man wolle die Energieeffizienz der Flugzeuge bis 2020 um jährlich 1,5 Prozent steigern. Eine weitere Belastung des Flugverkehrs sei deshalb nicht nötig.

Das EU-Emissionshandelssystem, das ab dem nächsten Jahr, besonders aber ab 2013 stark ausgeweitet werden soll, geht von dem Grundsatz aus, dass der klima-schädigende Treibhausgas-Ausstoß durch marktwirtschaftliche Instrumente gesteuert werden kann. Wer das Klima durch hohen (fossilen) Energieverbrauch schädigt, muss besonders viele Emissionsberechtigungen kaufen. Belohnt werden Treibhausgas-sparsame Marktteilnehmer; sie können überschüssige Zertifikat verkaufen.

Der Zertifikatehandel für die Fluglinien startet anfangs moderat. Im ersten Jahr werden 85 Prozent der Emissionszertifikate für den Luftverkehr den Luftfahrzeugbetreibern kostenlos zugeteilt. Dieser Satz reduziert sich Jahr für Jahr, bis 2020 nur mehr 15 Prozent der verbleibenden notwendigen Zertifikate gratis sind. Ein Zertifikat beinhaltet die Berechtigung, eine Tonne Kohlendioxid zu emittieren. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.10.2011)

Kommentar posten
21 Postings
nix fir unguad
00
7.10.2011, 18:47
Und wann wird endlich auch der Schiffsverkehr miteinbezogen?

Der Schiffsverkehr ist besonders Umweltbelastend.

Anonym Anonymus
00
7.10.2011, 15:15
Sinnlos

die Idee der Abgaben und Steuern führt zu gar nichts ausser dass ihrgendwo wieder ein Budgetloch gestopft wird und Geld versickert. Wenn da ein Posting meint, dass der Flugverkehr für CO2 oder H2O Kosten "übernehmen" soll, dann wäre auch der Nutzen der Branche gegenüebrzustellen. ehrlich gemeint wäre nicht durch Belastungen lenken, die dann weitergegeben werden, sondern schlciht und einfach Flug- und Landeverbote für Flugzeuge, die pro kg Fluggewicht einen festzulegenden Grenzwert überschreiten - dann wären bald alle alten Flieger draußen.

Gerhard56
51
7.10.2011, 06:12
Und wieder ein weiterer Schritt um Europa wirtschaftlich in Abseits zu manövrieren

Damit gehen auch wieder weitere tausende Arbeitsplätze verloren, aber alle diese CO2-Spinnereien haben keinerlei Effekt auf das Klima, aber sehr wohl einen großen Effekt auf das Geldbörsel des Volkes zugunsten der Parteiendiktaturen in Europa, insbesondere Deutschland und Österreich. Es geht nur darum, Geld für den Staat zu lukrieren um die Macht der Politik zu stützen.

Karl Labruni
03
7.10.2011, 08:22
Bei Flugverkehr geht es nicht nur um CO2 sondern auch um H2O das in viel zu hohe Luftschichten eingetragen wird und deshalb massiv zur Erderwärmung beiträgt!

Hier ein kleiner Teil der Kosten, welche Flugzeuge zweifellos verursachen, auch einzuheben hat eigentlich nur mit logischer Konsequenz zu tun. Dass dieses Problem durch andere Staaten nicht angegangen wird - ist ausnahmsweise kein Fehler der EU.
Und die EU kommt durch solche Zertifikate mit Sicherheit nicht ins wirtschaftliche Abseits. Warum auch!

Charly Firpo
20
7.10.2011, 09:19

Der CO2-Mist ist nur eine Gelddruckmaschine, mehr nicht! Und die geht zu lasten der EU-Wirtschaft!

Ich bin zwar der Meinung, dass – Erwärmung hin oder her – wir der Nachhaltigkeit und dem sinnvollen Ressourceneinsatz mehr Aufmerksamkeit schenken müssen!

Was ich indes falsch finde, ist die Reduktion der Umwelts- und Nachhaltigkeitsdiskussion auf den CO2-Aspekt. Wir haben viele Baustellen, und da ist es nicht sinnvoll, dass sich die Politik just auf eine konzentriert, die nicht wirklich gut abgesichert ist. Was, wenn sich herausstellt, dass die anthropogene Erderwärmung durch CO2 keine ist? Wird die Bevölkerung noch jemals Umweltpolitik ernst nehmen? Stattdessen wäre sinnvoll, die Umweltdiskussion auf eine breitere Basis zu stellen!

h 90
00
7.10.2011, 14:22

Und der Zertifikathandel ist das duemmste zu dem Thema.

NONE
00
6.10.2011, 22:45

Der Zertifikathandel ist eine Lüge.

Allmächtiger Satan
00
6.10.2011, 23:12

Und Sie eine Dummheit.

Charly Firpo
00
7.10.2011, 09:20

Vorsicht demjenigen der im Glashaus sitzt!

Einen Ristretto bitte
00
7.10.2011, 09:17
ein teuflich dummes Posting

Allmächtiger Satan
10
6.10.2011, 20:20

Sehr schön.

yoda3
110
6.10.2011, 18:34
ich will endlich

eine steuer auf kerosin, und zwar eine die so hoch ist wie die auf benzin. dieser ganze emissionhandel ist einfach nur eine sauerei und augenauschwischerei.

Allmächtiger Satan
50
6.10.2011, 20:21

Zurück in den Stall.

NONE
00
6.10.2011, 22:47

Nein. Er hat Recht.

(1) Wenn es die Organisationen des "Klimaschutzes" ernst meinen würden, würde es KEINE AUSNAHMEN geben. Zertifikathandel macht das ganze aber auf einmal zu einer Spielwiese wo man spekulieren kann. Das ist ganz bewusst so gemacht worden, "by design".

(2) Es gibt einen anthropogenen Effekt auf das Klima, das kann man nicht bestreiten. Allerdings wird hier extrem viel gelogen. CO2 hat keinen Beitrag hierzu - ist auch idiotisch zu behaupten das die Photosynthese einen Klimawandel verstärken würde. Siehe auch Punkt (1)

(3) Bring das nächste Mal Argumente, Junge.

Charly Firpo
00
7.10.2011, 09:28

Gerade das Thema des anthropogenen Effekt des CO2 auf das Klima ist heiss umstritten.

Ist die Die Korrelation der Temperatur mit der Sonnenaktivität nicht auffällig höher als die mit der CO2-Konzentration?

Auf was man sich hier eingelassen hat, ist glaub ich von seiten der Politik keinem so richtig bewusst!

Mal davon abgesehen, dass ein punktueller Eingriff mit Zertifikats-handel im Endeffekt genau den falschen Steuereffekt erzeugt. Nämlich dass diejenigen die ausserhalb der EU mit 0 Umweltauflagen produzieren gepusht werden.

Uns selbst (Wirtschaft) binden wir allerdings einen schönen Rucksack um.

zeamount
00
7.10.2011, 09:26

aber ist es nicht so, dass die anzahl der zertifikate begrenzt ist und mit der zeit immer weiter abnimmt, so dass man nicht auf ewig einfach neue kaufen kann, sondern auch unweigerlich beginnen muss, den schadstoffausstoß zu reduzieren?

Allmächtiger Satan
20
6.10.2011, 22:48

Zeugen Jehovas und dergleichen bekämpft man nicht mit Argumenten.

Emanuel S.
20
6.10.2011, 20:19

Haben Sie überhaupt eine Ahnung was Emissionshandel ist? Oder kennen Sie die volkswirtschaftlichen/ökonomischen Hintergründe/Funktionsweisen dazu? Ihrem Posting nach zu Urteilen, ist die einzige Assoziation in ihrem Gehirn diesbezüglich: "Emissionshandel = Irgendwas schlechtes, schas, Frechheit".

yoda3
02
6.10.2011, 21:22
man lese nach ...

http://de.wikipedia.org/wiki/Emis... chtehandel

man handelt mit umweltverschmutzung, und der der am meisten zahlt (1), oder am meisten zertifikate zugeteilt bekommt (2) darf am meisten verdrecken.

bedenklich finde ich den handel damit, dass man als oberverschmutzer in anderen (in der regel weniger entwickelten) staaten verschmutzungsrechte hinzukaufen kann. man lese dazu auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Neok... onialismus

Emanuel S.
00
9.10.2011, 22:44

Wenn sie es genau wissen wollen:
Emissionshandel führt dazu, dass der für den es am teuersten ist Luftverschmutzung zu vermeiden, die Zertifikate kauft. Denn der ist auch dazu bereit am meisten dafür auszugeben. Die, die keine Zertifikate mehr besitzen müssen jetzt ihre Emissionen reduzieren oder Techniken zur Verschmutzungsvermeidung einführen. Das Resultat: Verschmutzt wird genauso viel als ob es keine Zertifikate geben würde und jedem Verschmutzer eine nicht transferbare Quote zugewiesen worden wäre. Der Unterschied ist, dass jetzt die Wirschaftssubjekte emissionsreduzierende Maßnahmen setzen, denen es am wenigsten kostet.

NONE
01
6.10.2011, 22:47

Haargenau.

Ich bin froh das es noch Kritiker gibt.

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