Finanzmarkt

Der trügerische Charme der Transaktionssteuer

Kommentar der anderen | 6. Oktober 2011, 17:32

So nachvollziehbar die emotionale Anziehungskraft einer Besteuerung von Finanzgeschäften sein mag, so fatal wären im Falle ihrer tatsächlichen Einführung die ökonomischen Folgen für Europa - Von Kenneth Rogoff

In Europa brennt es bereits, warum also nicht noch ein wenig Öl ins Feuer gießen? Das ist offenbar der Grundgedanke der Europäischen Kommission hinsichtlich der von ihr vorgeschlagenen Finanztransaktionssteuer (FTS) - der jüngsten Antwort Brüssels auf Europas schwelende Wachstums- und Finanzprobleme.

Die emotionale Anziehungskraft einer Steuer auf alle Finanztransaktionen ist unbestritten. Gewöhnliche Europäer müssen für die meisten von ihnen erworbenen Waren und Dienstleistungen eine Mehrwertsteuer zahlen, warum also nicht auch den Kauf von Aktien, Anleihen und allen Arten von Derivaten besteuern? Eine derartige Steuer würde Reiche und Finanzunternehmen sicher viel mehr als alle anderen treffen und nebenbei noch kräftige Einnahmen bescheren.

Tatsächlich schätzt die Europäische Kommission, dass die von ihr vorgeschlagene Steuer auf Aktien- und Anleihetransaktionen in der Höhe von 0,1 Prozent sowie 0,01 Prozent auf Transaktionen mit Derivativen, pro Jahr über 50 Milliarden Euro einbringen wird. Zusätzlich soll die FTS die destabilisierende Spekulation auf den Finanzmärkten eindämmen.

Wenn es nur so einfach wäre. Natürlich sollte die Besteuerung der Gewinne und Boni von Finanzunternehmen dem Steuersatz anderer wirtschaftlicher Aktivitäten angeglichen werden. Übermäßige Fremdfinanzierung muss eingeschränkt werden. Die Rückkehr zu makroökonomischer und finanzieller Stabilität auf das Niveau vor 2007 würde das Wachstum unterstützen. Doch obwohl Finanztransaktionssteuern das Liebkind führender linker Wirtschaftskommentatoren und Robin-Hood-NGOs sind, ist festzustellen, dass es sich bei ihnen leider um einen völlig falschen Ansatz zur Erreichung dieser ehrenwerten Ziele handelt. Denker wie John Maynard Keynes und der verstorbene Nobelpreisträger James Tobin lancierten zwar verschiedene Ideen für die Besteuerung von Finanztransaktionen als Möglichkeit, die wirtschaftliche Volatilität zu reduzieren (Tobins Steuer zielte speziell auf Devisentransaktionen ab), seit damals allerdings wurde die Idee von vielen Wirtschaftswissenschaftern unter die Lupe genommen und fällt es - offen gesagt - schwer, ihre Forschungsergebnisse ermutigend zu finden.

Derartige Steuern senken mit Sicherheit die Liquidität auf den Finanzmärkten. Es hört sich zwar großartig an, mit so einem geringen Steuersatz, derartige Einnahmen zu erzielen, aber das sinkende Transaktionsvolumen würde die Steuerbasis drastisch schrumpfen lassen. Aus diesem Grund würden sich die endgültigen Einnahmenszuwächse als enttäuschend erweisen. Das zeigte sich auch in Schweden, wo man vor zwanzig Jahren einen Versuch unternahm, Finanztransaktionen zu besteuern.

Noch schlimmer ist, dass sich die Steuerlast auf lange Sicht verschieben würde. Höhere Transaktionssteuern erhöhen die Kapitalkosten, wodurch letztlich die Investitionen sinken. Bei niedrigerer Kapitalausstattung würde sich die Produktion tendenziell verringern, wodurch auch die Staatseinnahmen sinken und die direkten Zuwächse aus der Steuer wieder zunichtegemacht wären. Langfristig käme es zu einer Senkung der Löhne, und gewöhnliche Arbeitskräfte hätten schließlich einen beträchtlichen Teil der Kosten zu tragen. Generell verletzen Finanztransaktionssteuern den allgemeinen Grundsatz des öffentlichen Finanzwesens, wonach die Besteuerung sekundärer Produktionsfaktoren ineffizient ist, vor allem wenn diese höchst mobil und fließend reagieren.

Das alles ist bekannt, auch wenn es von prominenten Meinungsführern, Politikern und Philanthropen gerne ignoriert wird. Eindringlich gewarnt wurde die Europäische Kommission sicher auch von der Abteilung für Haushaltsfragen des Internationalen Währungsfonds, deren Ökonomen das Für und Wider von FTS sorgfältig dokumentiert haben. Warum also schlug die Kommission dieses Konzept trotzdem vor?

Motivforschung

Die freundlichste Interpretation besteht darin, dass die Kommission den Analysen der Ökonomen schlicht nicht glaubt und die FTS für leichter durchführbar hält als gemeinhin angenommen (das erinnert an die Debatte rund um die Schaffung des Euro). Eine andere Möglichkeit der Auslegung ist, dass die Europäer zum Schluss kamen, dass die politischen Vorteile einer FTS deren wirtschaftliche Mankos bei weitem übertreffen. Schließlich kann man durchaus argumentieren, dass eine FTS bei den Menschen gefühlsmäßig derartigen Anklang findet, dass politisch einflussreiche Finanzinteressen diese Steuer nicht blockieren können. Man könnte dieser Idee beinahe etwas abgewinnen, wenn die Steuer langfristig nicht so kontraproduktiv wäre, dass sie nicht einmal besser als nichts ist.

Aber es gibt auch zynischere Deutungsmöglichkeiten für die Motive der Kommission. Vielleicht sind die offiziellen Amtsträger draufgekommen, dass in Europa schon fast alles mit hohen Steuern belastet ist. Anstatt die EU-Institutionen durch höhere Beiträge aus der bestehenden Steuerbasis zu finanzieren, sucht man nach einem Konsens für neue Einnahmequellen. Oder vielleicht erkennt die Kommission, dass die FTS ihre Einführung aufgrund der Streitigkeiten innerhalb Europas ohnehin nicht erlebt, und will einfach nur politisches Kapital aus einem populären Vorschlag schlagen.

Als die Finanzkrise im Jahr 2008 mit voller Wucht losbrach, meinte der ehemalige Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Paul Volcker, dass die einzig sinnvolle Finanzinnovation der letzten Jahrzehnte der Geldausgabeautomat wäre. Und in dem mit einem Oscar prämierten Dokumentarfilm Inside Job wird zu Recht darauf hingewiesen, dass keiner von jenen, die mit anderen, weniger nützlichen Innovationen zum Ausbruch der Finanzkrise beitrugen - Politiker, Finanziers und viele andere -, wirklich dafür bezahlen musste.

Kurzum: Es bestehen gute Gründe, auf Finanziers wütend zu sein, und ihre Arbeitsmethoden bedürfen echter Änderungen. Aber die FTS ist trotz ihrer noblen intellektuellen Herkunft keine Lösung für die Probleme Europas - oder der Welt. (Kenneth Rogoff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.10.2011)

 

Autor

Kenneth Rogoff ist Professor für Ökonomie und Public Policy an der Universität Harvard sowie ehemaliger Chefökonom des IWF.

© Project Syndicate, 2011; aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 178
1 2 3 4 5
Heavyweather
00
16.10.2011, 01:33

Je weniger Wirtschaft desto besser.
Wir konsumieren zu viel und achten zu wenig auf die Nachhaltigkeit.

Ich schränke schon seit längerer Zeit meinen Konsum auf das Minimum ein.

Jetzt Neu: WG-Sex zum Nulltarif
11
9.10.2011, 20:43
"Derartige Steuern senken mit Sicherheit die Liquidität auf den Finanzmärkten."

Ist doch super - endlich mal wieder Ruhe in der Kajüte.

Genowo
21
8.10.2011, 17:43
Der werte Herr Professor, schein kürzlich wo dagegen gerannt zu sein.

Anders kann ich mir diese stümpferhafte Nichtargumentation nicht erklären.

Er betet halt sein neoliberales Glaubensbekenntnis herunter, wofür ja der IWF berüchtigt ist.

Aber solange wir solche Ökonomieprofessoren haben und man diesen auch noch glaubt, bleiben wir alle angeschis*en.

Jede Finanzkrise dient ihnen nur dazu, im Nachhinein alles besser gewußt zu haben.

Lächerlicher Typ, schade um das Papier!

Grunzbert
30
8.10.2011, 16:25

Gut dass es selten aber doch auch Artikel wie diesen gibt, der nicht einfach populistisch mit dem Mob im Chor schreit, sondern unverbluemt zeigt dass die FTS kein Heilmittel ist & sich dadurch insgesamt die Probleme der Staaten vergroessern werden.

hot doc
00
13.10.2011, 09:06
lieber "populistisch" für die bankster?

erstens fehlt jeder beweis für das was er schreibt. erst wenn die dinge in der realität scheitern, kann man sie ablehnen. das hier ist nur pseudowissenschaftlich verbrämte weltanschauung.

zweitens generalisiert er unzulässig. finanztransaktionssteuern auf investitionen in die realwirtschaft werden von niemand vernünftigen angedacht. sehr wohl sinnvoll können sie jedoch für undurchsichtige derivativgeschäfte sein oder für computergesteuerte ultrakurzgeschäfte und für kurz behaltene aktien. der aktienmarkt war zB nie dazu gedacht, dass man in milisekunden kauft und ein paar tage oder momente wieder verkauft, das ist doch ein wahnsinn gegenüber der realwirtschaft etc.

Grunzbert
00
14.10.2011, 18:04

Klar, als Beweis gilt nur was ins Weltbild der FTS Befürworter passt.

Die FTS ist sehr wohl auf Investitionen in die Realwirtschaft geplant, denn der Aktienhandel wird höher besteuert als Derivate & Währungen.

Dass die FTS das Handelsvolumen senkt hat niemand angezweifelt.
Während sich die Befürworter einbilden dass dadurch die Märkte beruhigt werden, ist den Gegnern klar dass damit das Gegenteil erreicht wird.
Das ist keine pseudowissenschaftliche Weltanschauung, sondern dazu muss man sich nur die kleine Mühe machen die Volatilität von Wertpapieren mit hohem & geringem Handelsvolumen zu vergleichen.

Übrigens gibt es ausser Bankstern auch viele andere Anleger. Wir wollen doch schliesslich keine unzulässigen Generalisierungen.

Nestor_83
21
7.10.2011, 21:31
ehemaliger mitarbeiter des iwf, professor in harvard ?

und dann so ein nullargument, dass nichts sagt, als: 'die fed und die weltbank haben ja eh recht und kümmern sich mit ihren superunabhängigen studien um euch, also machts g'felixt, was wir anschaffen, denn ich bin ein experte!!!!'

das ist einfach lächerlich und wird wahrschein unkommentiert in der printausgabe des standard abgeruckt worden sein! gratulation zu dieser entscheidung!

Tycho Brahe
23
7.10.2011, 21:24
Wirtschaftswissenschaftler,

Astrologen und Theologen sind alle vom selben Kaliber, sie wissen es entweder ganz genau oder nachher besser! Genauso sind deren Aussagen zu interpretieren, viel heiße Luft mit genau Null Inhalt!

hot doc
10
13.10.2011, 09:37
wirtschaftsprofessoren sind keine wissenschaftler,

sondern bestenfalls philosophen. und philosophie ist wichtig, hat aber nichts mit wissenschaft zu tun.

was der mann uns erzählt, ist also nix als seine eigene meinung, die ganze verbrämung rundherum darf man nicht ernst nehmen.

wenn die wirtschaftler allgemein anerkannte, systematisch verifizierte fakten produzieren, dann erst kann man sie als wissenschaftler anerkennen.

MundMs
15
7.10.2011, 20:25
und so eine Person, die öffentlich auf jegliche sinnvolle Argumentation verzichtet und sich dabei als Wissenschaftler darstellt, wird aus Harvard nicht rausgeworfen? - so etwas schadet doch dem Ansehen!

Das ganze Argument funktioniert nur polemisch und rhetorisch weswegen auch 95% des Artikels nur billige Seitenhiebe auf alle sind, die sich eine solche Steuer als sinnvoll erachten: Zu lesen etwa von Robin-Hood-NGOs, FTS wäre nur um an Geld zu kommen, nette Idee aber Schwachsinn.

Die bescheidenen sinnlosen Argumente:

In den Finanzmärkten gäbe es weniger Geldumlauf. Dachte das ist erwünscht. Was bringt dem Unternehmen eine riesige Investition wenn sie 2h später wieder entzogen wird?

Es wird weniger investiert. Solange die Transaktionssteuer niedriger ist, als Vermögenssteuer ist das unlogisch, da nur Investitionen gewinnbringend sind. Es wird wohl tatsächlich nicht so häufig uminvestiert, weswegen die FTS viell. nicht so viel Geld bringt.

LGM
00
8.10.2011, 13:38

"Was bringt dem Unternehmen eine riesige Investition wenn sie 2h später wieder entzogen wird?"

Da missverstehen Sie etwas. Das einzige Mal, wo der Kauf einer Aktie dem Unternehmen etwas bringt, ist bei der Emission, am Primärmarkt. Alles, was nachher kommt, ist nur mehr Verschiebung von Eigentumsverhältnissen von denen das Unternehmen nichts hat.

MundMs
12
7.10.2011, 20:36
warum sich jetzt allerdings eine FTS auf die Produktion auswirkt ist einfach lächerlich

Tatsächlich kann Kapital nur zur Produktionssteigerung eingesetzt werden, das heißt aber nur, dass bei weniger VERFÜGBAREN Kapital, die ProduktionsSTEIGERUNG nicht so schnell von statten geht. Eine Umkehr der Produktionssteigerung in Reduktion von Produktion wäre genauso teuer wie Produktionssteigerung, die Produktionsmittel müssen in beiden Fällen erneuert werden.

Das heißt die Staatseinnahmen verringern sich nicht, weil weniger Kapital vorhanden ist. Außerdem verändert sich viel eher der schnelle Kapitalentzug(=Transaktion), wodurch effektiv verwendbares also VERFÜGBARES Kapital durch die FTS eher zu- als abnimmt.

Wenn es dazu kommt, dass Grundsätze ausgenutzt werden, müssen sie eingeschränkt werden, um Schaden zu verhindern.

politisch verfolgt
00
8.10.2011, 01:52
wieso

müssen bei einem zurückfahren der produktion die produktionsmittel erneuert werden?

Elisabeth Jarok
06
7.10.2011, 19:49
sofort Einkommenssteuer aufheben! sonst arbeitet niemand mehr....

dieser logik nach sinkt die zahl der finanztransaktionen, wenn sie besteuert werden, was wiederum der volkswirtschaft schade.

also sinkt auch das die arbeitsleistung in einer volkswirtschaft, wenn die einkommen besteuert werden, und das schadet dann der gesamten volkswirtschaft.

also bitte liebe finanzminister aller länder, zieht eine lehre daraus, und hebt sofort die einkommenssteuer auf! sonst kommn die menschen drauf, dass sie ja mit 30 bis 50 prozent besteuert werden und reduzieren daher ihre arbeitsleistung und alles geht erst recht den bach runter......

recycling
00
9.10.2011, 20:47

Ihre hehre Absicht ehrt Sie sehr, jedoch haben sie einen Aspekt vergessen:
Kapital, das nach einer Depoteröffnung und ein paar Mausklicks auf eine Kanal- oder Cayman-Insel wandert, ist - eh nur minimal - mobiler als erwerbstätige Menschen, die Einkommenssteuer zahlen.

hot doc
00
13.10.2011, 10:05

das ist richtig, und deshalb muss man auch der mobilität von kapital grenzen setzen. das geht nicht? warum? schutzzölle gibt es, um einen markt vor billigimporten zu schützen, also warum nicht kapitalexportzölle? gats? gehört aufgekündigt, ein freibrief zur ausbeutung der menschen.
wer sein kapital auf die caymans trägt, soll dort auch leben (müssen). will er hingegen im euroraum leben, muss er sein kapital auch mitbringen.

ein bissl phantasie, und kein respekt vor den substanzlosen behauptungen der von big money gekauften "wirtschaftsexperten".

krokokater
 
01
7.10.2011, 19:12
Wie war das mit dem Class-Steagall Act?

http://de.wikipedia.org/wiki/Glas... eagall_Act

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Herr mit anderen Neocons bei der Abschaffung seine Finger dabei hatte....

Aufgrund des neuerlichen UBS Desasters denken ja die Schweizer heftig darüber nach die Bank um zu strukturieren, damit nicht laufend Spareinlagen zur Spekulation verwendet werden. Und und wenn diese schief gehen, die Spareinlagen (Vertrauen!!!) vom Steuerzahler gesichert werden müssen

Sidlo
01
7.10.2011, 18:26
Transaktionssteuer ist doch nur ein Plazebo

zur Ruhigstellung des Stimmviehs, was notwendig wäre wäre eine Bankenregulierung um sich von Systembanken nicht erpressen zu lassen, aber darum machen alle Politiker einen ganz weiten Bogen, natürlich auch deswegen weil das Volk diejenigen Politiker hat die es verdient und natürlich auch wegen der enormen Banklobby. Ein wahrleich elender und trostloser Zustand!

Rüdiger Ploetz
00
7.10.2011, 18:19

und was ist die alternative? das alle staaten bankrott gehen? sieht der orthodoxe teil der ökonomen nicht, dass die alternative mindestens genau dieselben auswirkungen hat, wenn nicht noch viel viel schlimmere?

DThl
13
7.10.2011, 18:13
"Aber die FTS ist ... keine Lösung für die Probleme Europas - oder der Welt. " sagt die Heuschrecke

Natürlich ist es keine Gesamtlösung der Probleme, aber ein nützlicher Beitrag. Nicht so sehr um die Haushalte zu sanieren, sondern aus systemtheoretischen Gründen: die Geldflüsse werden auf das Notwendige reduziert. Ein bisschen "Reibung", also Entzug kinetischer Energie, nützt der Stabilität von komplexen nichtlinearen dynamischen Systemen.

Was tendenziell flieht, ist nicht das Kapital für Realinvestitionen, sondern hochvolatiles Finanzmarkt-Spekulationskapital. Nur dieses profitiert vomFlash-Trading.

Richtigerweise muss man die FTS aber auf JEDE (buchstäblich!) Transaktion anwenden. Keine dürfen ausgenommen sein.

Gottie
Gottie
02
7.10.2011, 17:50
transaktionssteuer vertreibt kapital?

wohin soll denn das kapital gehen? es geht doch dorthin wo es nach wie vor profit gibt.

die neoliberale argumentation ist immer wieder: nur keine belastung des kapitals, denn sonst ist das kapital fort. genauso könne ich sagen: nur keine körperschaftssteuer, nur keine kapitalertragsteuer, und schon gar keine börsen-umsatzsteuer. sonst sind die alle fort, und wir stehen ohne arbeit, ohne lohn und ohne brot alleine da.

und man hätte auch sagen müssen: nur keine gewerkschaften, nur keine pensionskassen, nur keine betriebsräte, denn ... und so fort.

Truhe
 
23
7.10.2011, 17:43

Es ist aber jetzt nun mal nicht Schwden oder ein anderer kleiner Nationalstaat, nein, es ist die EU - ein Markt von 600 Millionen und nebenbei der Reichste der Welt. Da werden sicher alle sofort verzichten darauf und niemand wird mehr investieren.

Es macht einen so wütend wenn man so offensichtlich für blöd verkauft wird, dass man Ausschlag bekommt.

Crash2k
10
7.10.2011, 17:35
die mär von der liquidität

interessant ist ja, dass von der anti-fts lobby ständig das totschlagargument geführt wird, dass es durch die FTS zur verringerung von liquidität am markt kommt. das ist schlichtweg FALSCH. hier werden wohl bewusst volumen und liquidität in einen hut geworfen um unwissenden angst einzujagen.
beispiel: wenn sich zwei high frequency trading systeme von zwei firmen gegenseitig eine aktie hin und herspielen, und dabei einen preis hochtreiben, dann ein dritter, nenn wir ihn kleinanleger, im vertrauen auf eine trendfortsetzung und aufgrund der hohen handelsvolumina die aktie abkauft, dann hat die aktie war ein extremes handelsvolumen, liquide ist sie aber noch lange nicht. erst die hohe anzahl an investoren macht einen titel liquide.

Staatssekretär
00
7.10.2011, 17:28
Frage an die Ökonomenrunde.

"...allgemeinen Grundsatz des öffentlichen Finanzwesens, wonach die Besteuerung sekundärer Produktionsfaktoren ineffizient ist..."

Produktionsfaktoren: Arbeitskraft, Grund/Boden, Kapital, ("Know How") - abgesehen davon, dass praktisch ein Produktionsfaktor die gesamte Steuerbelastung trägt

Wo ist da ein belasteter sekundärer Produktionsfaktor? - Die teureren Investitionen, von denen er spricht, gehören wohl zum Punkt Kapital. - Das ist doch primär?

Oder spricht er da rein von "Finanzproduzenten" (sekundär als im Betrieb hergestellt und eingesetzt), die mit Geld als Grundstoff, mehr Geld als Endprodukt erzeugen. - Dann würde er kritisieren, dass damit die Finanzalchemie "weniger effiziente" "Produkte" herstellt? - Meint der das ernst?!

Michael Holzermayr2
00
7.10.2011, 17:22
Wäre der Mann nicht Amerikaner,

könnte man ihm glauben.
Nun wissen wir auch, wie es nicht geht. Wie es geht, verrät der Mann aber nicht.
Auch Harvard schützt offenbar vor Torheit nicht.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 178
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.