Evolution

Genetische Varianten helfen Pflanzen bei Klima-Anpassung

10. Oktober 2011, 12:12

Groß angelegte Studien von zwei internationalen Forscherteams unter Beteiligung von Wiener Wissenschaftern

Wien - Zwei internationale Forscherteams haben in der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) genetische Varianten entdeckt, die der Pflanze dabei helfen, sich an lokale Klimafaktoren anzupassen. Aus den Forschungsergebnissen ließen sich Schlüsse ziehen, wie Pflanzen auf den Klimawandel reagieren, schreibt Outi Savolainen, Pflanzengenetikerin aus Finnland, in der Wissenschaftszeitschrift "Science", wo die Studien nun veröffentlicht wurden. Beteiligt war auch Magnus Nordborg, Leiter des Gregor Mendel Instituts für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Johanna Schmitt von der Brown University in Providence (US-Staat Rhode Island) und ihre Kollegen, darunter Nordborg, pflanzten über 150 Ackerschmalwand-Varianten an verschiedenen Orten kreuz und quer in Europa: in Spanien und Finnland, um ihre Fitness in nordischem und Mittelmeerklima zu vergleichen, in England und Deutschland, um sie bei feuchtem und trockenem Wetter zu testen. Sie untersuchten, wie gut die einzelnen Pflanzen unter den jeweiligen lokalen Bedingungen wachsen und sich vermehren.

Anschließend grasten sie das gesamte Erbgut der Pflanzen ab, um genetische Unterschiede zu finden, die Vor- oder Nachteile bei bestimmten Klimabedingungen bringen. Dafür analysierten sie über 200.000 sogenannte SNP-Marker, das sind Variationen einzelner Basenpaare in der DNA, dem Träger der Erbinformation. Sie fanden SNP-Marker, die mit guter oder schlechter Fitness der Pflanzen bei verschiedenen Klimafaktoren einhergingen.

Flexible Anpassung

Für die Anpassung an unterschiedliche Klimafaktoren sind unterschiedliche Bereiche im Erbgut verantwortlich, schreiben die Forscher in der Studie. Ein bestimmtes Merkmal, das zum Beispiel Vorteile bei Trockenheit bringt, würde also in der Regel nicht bei anderen Bedingungen stören, wie etwa einem langen kalten Winter. Dadurch können sich die Pflanzen flexibel an wechselnde Umweltbedingungen anpassen.

Ein weiteres Forscherteam aus den USA und Frankreich unter der Leitung von Joy Bergelson von der University of Chicago setzte 948 Ackerschmalwand-Varianten aus Europa, Asien und Afrika in einen Park in Lille (Frankreich) und untersuchte, wie gut die fremden Pflanzen in Frankreich wuchsen, die Umweltbedingungen jener Orte, an denen sie ursprünglich gesammelt wurden, und ebenfalls über 200.000 SNP-Marker. Auch sie fanden genetische Unterschiede, die mit dem Überleben und der Fitness der Pflanzen bei Umweltbedingungen wie Temperatur, Trockenheit, Niederschlag und unterschiedlich langen Wachstumsperioden zusammenhängen.

Buchstabe für Buchstabe

Magnus Nordborg und seine Kollegen wollen nun jeden einzelnen Buchstaben des Erbguts von verschiedenen lokalen Varianten vergleichen. Dies erfolgt im Rahmen der Beteiligung des GMI am "1001-Genome-Projekt", in dem zusätzlich zur Referenz-Sequenz das Erbgut von weiteren 1.000 Ackerschmalwand-Varianten entschlüsselt werden soll.

Die Ackerschmalwand ist eine Lieblingspflanze der Genetiker. Das unscheinbare Gewächs aus der Familie der Kreuzblütengewächse, zu der auch Nutzpflanzen wie Raps, Kohl oder Rettich gehören, ist ein Modellorganismus, ähnlich wie die Fruchtfliege (Drosophila) oder das Bakterium Escherichia coli. An ihnen werden grundlegende Vorgänge des Lebens untersucht, die sich dann wenigstens zum Teil auf andere Lebewesen umlegen lassen. Der Grund für die Beliebtheit der Arabidopsis ist das relativ kleine, im Jahr 2000 vollständig entschlüsselte Genom und der kurze Lebenszyklus von nur sechs bis neun Wochen von der Keimung bis zur Samenreife. (red/APA)

Herr Plumm
10
10.10.2011, 14:55

und genauso könnte dies auch bei vertebraten sein. beim menschen sagt man ja immer, diese genvariante ist schlecht und die und die und die...aber who knows...möglicherweise haben üble SNPs ja doch einen evolutionären vorteil (siehe schlafkrankheit).

Cthulluh
02
10.10.2011, 15:29
Was gut und schlecht ist bestimmen einzig und allein Reproduktions-

und Überlebenserfolg der Varianten. Natürliche Auslese, welch elegantes Konzept du bist.

phaidros
00
12.10.2011, 14:29

ueberlebenserfolg? nein.

ausser sie meinen das "ueberleben" eines merkmals.

vielzeller sterben alle, wie lange sie leben, ist evolutionaer unerheblich. massgeblich ist die anzahl der nachkommen und deren fitness.

Cthulluh
01
14.10.2011, 17:36
Deshalb auch Überlebenserfolg der Varianten.

Überlesen? Kann passieren. Egal ob Mehr- od Einzeller, er muss zumindest so lange leben, bis er sich vermehrt hat. Wenn wir bei Mehrzellern bleiben: Natürlich kann die Reproduktionsrate der spezifischen Genvarianten langlebiger Organismen höher sein als jene mit kurzem Leben, es kommt halt auf denjeweiligen Vermehrungszyklus an. Ein Beispiel: Individuen, welche lange brauchen, um ins reproduktionsfähige Alter zu gelangen, früh streben und je Vermehrungsereignis eine geringe Anzahl von Nachkommen haben, werden weniger Gene in das Genpool einbringen, als solche mit früherer Geschlechtsreife, längerem Leben und mehr Nachkommen je Vermehrungsereignis.

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