Lehrlinge am Bau verdienen mehr als viele ihrer Kolleginnen und Kollegen - FriseurInnen steigen schlecht aus
Der Beginn der Lehre ist das Ende vom Taschengeld. Doch so schlimm ist das nicht, denn die Lehrlinge verdienen mehr, als die meisten Schülerinnen und Schüler an Taschengeld bekommen. Doch wie viel man an seiner Lehrstelle verdient, variiert doch deutlich. Während Bekleidungsfertigerinnen und Bekleidungsfertiger im ersten Lehrjahr laut Kollektivvertrag 298 Euro brutto im Monat bekommen, verdienen Tiefbaulehrlinge im ersten Lehrjahr 1.627 Euro brutto - zumindest wenn sie nach Vollendung ihres 18. Lebensjahres ins Berufsleben starten.
Bemerkenswert auch: Landarbeiterinnen und Landarbeiter, die bei der Gemeinde Wien lernen, verdienen laut Kollektivvertrag 1.152 Euro brutto, während die Berufskollegen als Lehrlinge bäuerlicher Betriebe in der Steiermark nur mit 404 Euro brutto rechnen dürfen.
Gut bezahlt werden mit 818 Euro brutto auch Lehrlinge der Brau- und Getränketechnik in Brauereien. Der Grund dafür liegt darin, wie Alfred Freundlinger von der Abteilung für Bildungspolitik der Wirtschaftskammer Österreich erklärt, "dass Lehrlinge dieses Berufs oft schon weit im Erwachsenenalter stehen."
Gut bezahlte Maurerlehrlinge
Nur etwas weniger bekommen Maurerlehrlinge im ersten Lehrjahr: 814 Euro brutto. Manuel Wechtitsch arbeitet bei Pall-Bau im steirischen Gleinstätten und ist inzwischen im dritten Lehrjahr. "Ich werde nach dem Kollektivvertrag bezahlt und komme mit dem Geld ganz gut aus." Ein Blick in den Kollektivvertrag verrät, Manuel Wechtitsch verdient 1.627 Euro brutto, das sind 1.347 Euro netto im Monat. Warum Maurerlehrlinge mehr verdienen als viele andere, erklärt Manuel Wechtitsch: "Weil es ein harter Beruf ist, und wir ein hohes Unfallrisiko haben." Trotz der Gefahren macht ihm seine Arbeit viel Spaß: "Der Beruf ist interessant. Das habe ich schon erkannt, als ich die Schnupperlehre als Maurer machte."
Dass er mehr verdient als seine Freunde, die nicht am Bau arbeiten, merkt Manuel Wechtitsch nicht. "Darüber reden wir nicht." Dafür erzählt er, was er mit seinem Geld macht. "Ich versuche, viel Geld zu sparen." Seinen Führerschein hat sich der junge Steirer selbst finanziert, sein nächstes Ziel ist ein Sportcoupé. Zumindest wenn es um seine Motivation zu sparen geht. Beruflich möchte er noch ein wenig Praxis sammeln und dann die Polierschule machen. "Um am Ball zu bleiben, muss man sich ständig weiterbilden", ist Manuel Wechtitsch überzeugt.
Trinkgeld als Zusatzgehalt
Auf ein Auto spart auch Julia, die ebenfalls im dritten Lehrjahr ist und bei Friseur Millet in Wien Hernals Friseurin lernt. "Obwohl", meint sie, "noch habe ich gar keinen Führerschein." Von einer monatlichen Lehrlingsentschädigung, wie sie Manuel bekommt, kann Julia nur träumen. Auch sie wird nach Kollektivvertrag bezahlt und kommt so auf 510 Euro netto. Doch als Friseurin kann sie - wenn sie gut ist - mit Trinkgeld rechnen. "So komme ich im Monat auf etwas mehr als 900 Euro."
"Das Trinkgeld, das unsere Mitarbeiterinnen bekommen, wird natürlich über die Trinkgeld-Pauschale versteuert, und wir entrichten dafür auch einen Fixsatz an die Sozialversicherung", erklärt Julias Chef Peter Millet.
Julia merkt wohl, dass ihre Freunde mehr Geld zur Verfügung haben als sie selbst, "aber ich nehme an, das liegt daran, weil ich sehr viel spare. Und ich gehe abends auch nicht fort." Für ihren Lebensunterhalt muss Julia nicht selbst aufkommen. Sie lebt bei ihren Eltern und zahlt dort keine Miete. "Mein Gewand kaufe ich mir aber selbst", sagt die 18-jährige Friseurin, "oder den neuen Computer, wenn ich ihn brauche."
Ob sie je eine eigene Firma aufmachen wird, weiß sie heute noch nicht. "Wenn ich ausgelernt habe, dann werde ich erst einmal weiterarbeiten und noch Erfahrung in der Praxis sammeln", sagt Julia und verabschiedet sich freundlich, weil sie ein Wecker dazu mahnt, ihrer Kundin wieder die Farbe aus den Haaren zu waschen. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 10.10.2011)