Wie Frösche im vielstimmigen Dschungelgequake Rivalen erkennen

9. Oktober 2011, 18:01
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Wissenschafter der Uni Wien analysierten Laute unterschiedlicher Pfeif- und Pfeilgiftfroscharten im peruanischen Regenwald

Wien - Im Dschungel ist es laut, allerorten quakt, pfeift und brüllt es. Allein im peruanischen Amazonasregenwald buhlen die Männchen von einer Pfeif- und neun Pfeilgiftfroscharten lautstark um die Gunst der Weibchen und verteidigen ebenso laut ihr Revier. Wie sie in dieser Kakophonie einen Artgenossen erkennen, haben Wissenschafter der Universität Wien untersucht und ihre Ergebnisse in der Wissenschaftszeitschrift "PNAS" publiziert. Es zeigte sich, dass die Frösche eine selektive Wahrnehmung haben und jede Art ausschließlich auf bestimmte Frequenzbereiche reagiert.

In der Paarungszeit machen die tagaktiven Pfeif- und Pfeilgiftfrösche lautstark auf sich aufmerksam. Die fortpflanzungsaktiven Männchen - und nur diese - versuchen dabei mit pfiffartigen Rufen, paarungsbereite Weibchen anzulocken. Gleichzeitig dienen diese Rufe auch dazu, Mitbewerber akustisch auf Distanz zu halten. Obwohl es dabei auf engstem Raum hoch und laut hergeht, konnten die Wissenschafter um Walter Hödl vom Department für Evolutionsbiologie "keine zeitliche oder räumliche Auftrennung im Balz-Rufverhalten der einzelnen Arten feststellen". Alle Froscharten balzen gleichzeitig und in der selben Lebensraum, weil sie "offensichtlich die optimalen Niederschlagsbedingungen gleichzeitig nutzen müssen, um sich erfolgreich fortzupflanzen", so Hödl.

Oft stundenlange Prügelei

Die Wissenschafter haben in ihrer Studie nur das Verhalten der Frosch-Männchen untersucht, da die Weibchen ausschließlich in der sehr kurzen Zeit, in der ihre Eier reif sind, auf die Rufe reagieren. Für die Männchen dagegen ist es über Monate eine Herausforderung, in der akustischen Arena zu erkennen, ob ein männlicher Rivale der eigenen Art ruft und in das eigene Revier eindringt. Nur dann, wenn tatsächlich ein Artgenosse ruft und dabei eine bestimmte Lautstärke überschreitet, reagiert der Verteidiger des Territoriums, "geht auf den Rivalen los und prügelt sich, oft stundenlang", so Hödl.

Doch den echten Rivalen aus der eigenen Art zu erkennen - Männchen anderer Arten sind egal, denn Futter ist reichlich vorhanden und es geht nur um Sex - ist aber gar nicht so einfach, weil sich die Frequenzen der Lautäußerungen der einzelnen Arten teilweise überlappen. "Die Rufe der einen Art gehen etwa von 2.000 bis 2.800 Hertz, jene einer anderen Art von 2.500 bis 3.800 Hertz, also ein Überlappungsbereich von 300 Hertz", erklärte Hödl. "Wenn ich als Frosch aber im falschen Frequenzbereich reagiere, kämpfe ich vielleicht mit dem Falschen oder falle als Weibchen auf den falschen Frosch herein", so Hödl.

Doch die Evolution hat offenbar eine Lösung gefunden, in Form selektiver Wahrnehmung. Jede Froschart besitzt ihren artspezifischen, gegenüber den Rufmustern von Nachbararten klar getrennten akustischen Kanal. Die Tiere reagieren also nur auf jene Lautanteile, die unmissverständlich von ihren Artgenossen kommen und vermeiden so Fehlreaktionen auf artfremde Rufe. Herausgefunden haben das die Wissenschafter, indem sie den Fröschen im Regenwald Töne mit verschiedenen Frequenzen vorgespielt und deren Reaktion darauf untersucht haben. (red/APA)

  • Vier Vertreter der artenreichen und lautstarken Pfeilgiftfroschfauna von Panguana, Peru. Im Uhrzeigersinn von links oben: Allobates femoralis, Ameerega picta, Ranitomeya lamasi und Ameerega hahneli.
    foto: universität wien

    Vier Vertreter der artenreichen und lautstarken Pfeilgiftfroschfauna von Panguana, Peru. Im Uhrzeigersinn von links oben: Allobates femoralis, Ameerega picta, Ranitomeya lamasi und Ameerega hahneli.

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