"Kampfansage" an Konkurrenz
Das deutsche kirchliche Medienhaus "Weltbild" und das Verlags- und Handelsunternehmen "Hugendubel" haben eine E-Book-Offensive gestartet. Seit Donnerstag bietet die Gruppe ein neues Lesegerät an, berichtet Kathpress. Mit einem Preis von knapp 60 Euro sei es der mit Abstand günstigste E-Book-Reader auf dem deutschen Markt, heißt es in einer Unternehmensmitteilung.
Publikum
"Dieses Jahr werden die Kunden erstmals gezielt nach guten und erschwinglichen Lesegeräten suchen", zeigte sich Nina Hugendubel überzeugt. "Weltbild"-Geschäftsführer Klaus Driever erklärte, seit diesem Frühsommer sei die Nachfrage nach E-Books deutlich gestiegen. Die Gruppe hält nach eigenen Angaben inzwischen 120.000 digital lesbare Buchtitel vor.
Schon im Vorjahr hatte sich das Gemeinschaftsunternehmen vor der Frankfurter Buchmesse als Preisbrecher betätigt und erstmals ein Lesegerät für unter 100 Euro angeboten. Damals sei die Gruppe davon ausgegangen, "dass der E-Book-Markt schneller in Gang kommen würde", sagte "Weltbild"-Chef Carel Halff der "Süddeutschen Zeitung". Mit dem neuen Reader "erreichen wir das große Publikum".
Halff prognostizierte für digitale Bücher in den nächsten fünf bis zehn Jahren einen Marktanteil von 15 bis 25 Prozent am gesamten Buchmarkt. "Weltbild" werde im deutschsprachigen Raum neben den internationalen Internetkonzernen wie "Amazon" und "Apple" ein "beherrschender Spieler" sein.
"Wir müssen dem Kunden neue Gründe geben, gerne in die Buchhandlung zu gehen."
Zugleich müsse der stationäre Buchhandel neu erfunden werden, erläuterte der Manager. Durch das Internet hätten heute die Kunden die Informationshoheit, nicht mehr die Händler: "Wir müssen dem Kunden neue Gründe geben, gerne in die Buchhandlung zu gehen."
Zur Ausrichtung des "Weltbild"-Konzerns sagte Halff, derzeit gehe es nicht um Wachstum, sondern um den Umbau des Unternehmens. Die Beschäftigtenzahl sei seit 18 Monaten konstant. Er schloss aber einen weiteren Personalabbau nicht aus. Ein Verkauf der "Weltbild"-Gruppe sei für seine katholischen Gesellschafter "im Moment kein Thema mehr".
Vor vier Jahren hatten die Eigentümer, 14 Diözesen und die katholische Soldatenseelsorge Berlin, über einen Prüfauftrag nach Kaufinteressenten gesucht. Im Zuge der Finanzkrise 2009 stoppten sie den Vorgang. (APA)