Spiel mit offenem Feuer

6. Oktober 2011, 15:55
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Hafnermeisterin Ursula Mahrhofer baut tonnenschwere Öfen und stört sich nicht an Männerdomänen

Ich habe mich nie in einer Männerdomäne gesehen. Hafnerin zu sein, war für mich immer selbstverständlich, weil ich in dem Gewerbe in einem Familienbetrieb aufgewachsen bin. Ich habe die Lehre gemacht und zugleich Betriebswirtschaft studiert. Ich konnte das Studium aber nicht beenden. Mein Vater ist früh gestorben, und ich habe den Betrieb übernommen. Mein Vater hat bis zum Schluss gesagt, "Mach dein Studium fertig, mach was anderes, dann hast du es leichter". Er hat sich sehr gefreut, dass ich sein Gewerbe weiterführe, und er wäre jetzt wahnsinnig stolz. Aber er hat gewusst, dass es nicht einfach ist, in dieser Branche sein eigenes Geschäft zu führen. Das ist jetzt 16 Jahre her, und ich habe es nie bereut.

In der Berufsschule war ich das einzige Mädchen. Klar wurde ich von männlichen Kollegen kritischer beäugt, auch als ich dann später Wiener Innungsmeisterin wurde. Die Kunden sehen es positiv: Merken sie, dass fachlich was dahintersteckt, ist die erste Skepsis weg.

Das Hafnergewerbe ist ein handwerklich und fachlich schwerer Beruf, aber es geht auch um Design, was dann schon eher weiblichen Klischees entspricht. Jeder Kachelofen ist ein Einzelstück und wiegt gut tausend Kilo. Das Material gehört manuell transportiert. Meine Hände sind viel im Wasser, es ist eine kalte Arbeit in Häusern, die meist im Rohbau sind. Aber Öfen als Heizung werden immer beliebter. Unsere Kunden kommen zudem aus allen Einkommensschichten, und für viele ist ein Kachelofen mit flackerndem Feuer ein Lebenstraum.

Wir sind zu sechst im Betrieb in Wien. Für einen Ofen braucht es eine Woche, im Jahr bauen wir 30 bis 40. Und über Beratung, Technik, Design können wir uns profilieren. Das Interesse junger Mädchen an der Branche ist halt leider gering. Bei Berufsinformationsmessen gehen sie an uns vorbei zu den Friseuren - viele sind zu eingeschossen auf gewisse Schienen.

Nach der Geburt meiner Tochter habe ich die Funktionärstätigkeiten zurückgelegt. Mit einer Familie im Hintergrund läuft ein Betrieb natürlich anders, aber das ist es uns wert. Ohne die Unterstützung meines Mannes wäre es auf jeden Fall schwierig. Ich verstehe es, wenn Frauen, die aufgrund ihrer Familie Teilzeit arbeiten, ihre Position im Job nicht mehr halten können. Man wird automatisch eine Stufe nach unten gedrängt.

Auf meiner Visitkarte steht heute Hafnermeisterin. Erst hätte es ein Meister werden soll, aber mein Drucker hat mich dann doch zur Meisterin überredet. (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.10.2011)

  • Ursula Mahrhofer: "Mit einer Familie im Hintergrund läuft ein Betrieb natürlich anders."
    foto: standard/hendrich

    Ursula Mahrhofer: "Mit einer Familie im Hintergrund läuft ein Betrieb natürlich anders."

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