Europäer exportieren Masern nach Amerika
Salzburg - Mit Gesundheitsrisiken durch Migration hat sich das European Health Forum Gastein (EHFG) am Donnerstag beschäftigt. "Die Flüchtlinge, die nach Europa kommen, sind zumeist gesund. Krank werden sie erst in den Anhaltezentren", kritisierte Marc Sprenger, Direktor des Europäischen Zentrums für Epidemie-Prävention. Andererseits sei Europa inzwischen zu einem Masern-Exporteur nach Amerika geworden.
Zu viele Flüchtlinge auf engem Raum, das sei der Grund, weshalb viele der in Europa gelandeten Menschen hier erst krank werden, so Sprenger. Aber auch jene Migranten, die sich bereits in Europa befinden, sind gesundheitlich oft nicht so gut versorgt wie Einheimische. Größtes Problem dabei ist sicher die sprachliche Barriere. Oft seien medizinische Beratungsgespräche einfach nicht möglich. Dolmetschdienste in Gesundheitseinrichtungen könnten dem Abhilfe schaffen.
Kulturelle Unterschiede, fehlendes Vertrauen in das Gesundheitspersonal oder administrative Hürden könnten den Zugang zur nötigen Versorgung erschweren, sagte David Ingleby, Migrationsforscher an der Universität Utrecht. "Migranten kennen auch oft ihre Rechte als Patienten nicht."
Probleme im Bereich Schwangerschaft und Geburt
Grundsätzlich seien aber Migranten keinen höheren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Probleme sieht Ingleby jedoch im Bereich Schwangerschaft und Geburt. Europa habe vor allem aufgrund einer verbesserten Betreuung schwangerer Frauen und den verbesserten Lebensbedingungen die Mütter- und Kindersterblichkeit deutlich verringern können. Hier seien Mütter mit Migrationshintergrund benachteiligt.
Während also die gesundheitliche Bedrohung Europas durch Migranten keine große Bedrohung darstelle, habe sich der Kontinent zum Masern-Exporteur entwickelt, so Sprenger. Rund 30.000 Menschen in Europa seien derzeit an Masern erkrankt, ein Viertel davon müsse im Spital behandelt werden. Bei rund jedem Tausendsten komme es zu einer Entzündung des Gehirns und vereinzelt gebe es auch Todesfälle. In Kanada, den USA und auch in Südamerika sei diese Krankheit bereits ausgerottet gewesen. Nun sei sie durch Reisende aus Europa wieder eingeschleppt worden.
Sprenger nimmt hier die Ärzteschaft in die Pflicht: "Die Ärzte müssen die Menschen auffordern, sich impfen zu lassen. Wir brauchen eine Durchimpfquote von mindestens 95 Prozent, um die Krankheit auszurotten." Andernfalls könne sie sich aufgrund der Reisefreudigkeit der Menschen wieder ausbreiten. (APA)