Unterstrich Bomben- und Morddrohungen mit NS-Symbolen und "Heil Hitler"
Graz - Ein 70-jähriger Obersteirer, der eineinhalb
Jahrzehnte lang Drohbriefe an Politiker und Private verschickt hat,
ist von der Polizei in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für
Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ausgeforscht worden. Der
Mann hatte u.a. einen der in dieser Zeit damals ranghöchsten
Landespolitiker mit einer Bombe und Manipulationen an seinem Motorrad
gedroht und seine Schreiben mit NS-Symbolen und dem Hinweis auf die
"Bajuwarische Befreiungsfront" - in deren Namen der Bombenbauer Franz
Fuchs in den 1990er Jahren operiert hatte - versehen.
Sein letzter Brief, der eine Morddrohung gegen einen Politiker
seiner Gemeinde enthielt, hatte im Sommer dieses Jahres den
Ermittlern den entscheidenden Hinweis geliefert: Die gesicherte
DNA-Spur erbrachte einen Treffer in der Datenbank, das Schriftbild
des mit Schreibmaschine abgefassten Schreibens fand sich in alten
Aktenstücken der Ennstaler Gemeinde wieder und lenkte den Verdacht
auf den bisher unbescholtenen Alt-Bauern, der früher lokal auch als
FPÖ-Parteifunktionär tätig war. Eine Hausdurchsuchung, bei der die
Schreibmaschine sichergestellt wurde, und weitere DNA-Vergleiche
brachten dann Gewissheit - der 70-Jährige gestand. Ihm konnten
zumindest 15 Drohbriefe zugeordnet werden. Seine Rechtfertigung: Er
habe damit seinem Ärger gegenüber ihm verhassten Personen Luft machen
wollen.
An Politiker und Ehefrau
Einschlägige Schreiben richtete er seit 2005 auch an einen
hochrangigen Landespolitiker und seine Ehefrau, die er regelmäßig zu
Weihnachten mit einschlägigen Drohungen bedachte: Er kündigte ein
Bombenattentat und Manipulationen an seinem Motorrad an, die zu einem
Unfall führen würden. Um seinen Drohungen offenbar Nachdruck zu
verleihen, nannte er die "Bajuwarische Befreiungsfront", zeichnete
mit "Heil Hitler!" und Hakenkreuz.
Wie es vom ermittelnden Beamten hieß, sympathisiere der
Obersteirer zwar mit nationalsozialistischen Gedankengut, er dürfte
aber nicht in der rechtsextremen Szene vernetzt sein. Seine Drohungen
verfasste er in Reaktion auf sachpolitische Entscheidungen, mit denen
er nicht einverstanden war. Er wollte den Adressaten "eine Breitseite
verpassen, damit sei nachdenken und ihr Handeln ändern", so der
Ermittler unter Bezug auf die Einvernahmen. Der Beschuldigte wurde
wegen schwerer Nötigung, gefährlicher Drohung, Verleumdung und
Beleidigung auf freiem Fuß angezeigt. (APA)