Der Blaufranc kommt als Geld ins Burgenland

6. Oktober 2011, 14:04
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Das regionale Zahlungsmittel soll mit einer Burgenland-Tour durchstarten. Auf den Scheinen finden sich Liszt, Haydn, Esterházy und Co

Eine neue Währung braucht das (Burgen-) Land. Das regionale Zahlungsmittel Blaufranc gibt es schon seit einiger Zeit. Jetzt will man richtig durchstarten. Die Burgenland-Tour, man könnte auch Tour de Burgenland dazu sagen, hat im Oktober begonnen.

Aber was ist der Blaufranc eigentlich? Wie kommt man zu ihm und wo kann man damit einkaufen? Alles beginnt in Sopron. Dort klemmte sich der Initiator Tamás Perkovátz, dessen Familie deutsche, ungarische und kroatische Wurzeln hat, hinter ein regionales Zahlungsmittel. Seit zwei Jahren ist es möglich, in mehr als 500 Geschäften mit dem Blaufranc zu zahlen. Noch sind überwiegend ungarische Unternehmer mit dabei, auf österreichischer Seite leisten erst wenige Firmen Pionierarbeit.

Vor allem das Kleingewerbe soll auf den Blaufranc-Zug aufspringen. Im Sinne der regionalen Verbundenheit sollen die Pannonier beim Winzer, Fleischer, Bäcker, aber auch an Tankstellen, Fahrradgeschäften und Co. mit der Regionalwährung zahlen können. Und nicht zuletzt soll der Blaufranc, der auf Ungarisch Kékfrank und auf Kroatisch Plavi Franak heißt, zur touristischen Attraktion werden.

Liszt und Esterházy zieren die Scheine

Um das auch zu schaffen, startet man eine Veranstaltungsreihe im Burgenland. Das von der EU geförderte Unternehmernetzwerk "Mittelburgenland aktiv" veranstaltete gestern zum Auftakt einen Workshop. Dort lernte man: Die schon aktiven "Blaufränker" fahren gut damit. Und: Will man das auch, muss man der Blaufranc-Genossenschaft "Ha-Mi Összefogunk" ("Wenn-Wir-Uns Zusammenschließen") beitreten, die die Regionalwährung druckt und im Umlauf bringt.

Die regionale Verbundenheit wird auch auf den Scheinen selbst gezeigt. Dort finden sich pannonische Ehrenbürger wie die Komponisten Franz Liszt oder Joseph Haydn, der Graf und Dichter Paul Esterházy oder der Arzt und Botaniker Paul Kitaibel.

Gebunden ist der Blaufranc, der eigentlich ein Gutschein ist, an den aktuellen Kurs des ungarischen Forint. Ein Forint entspricht einem Blaufranc. Die angeblich fälschungssicher gedruckten Scheine gibt es von 500 bis 20.000 Blaufranc. In Euro umgerechnet, bedeutet das momentan 1,80 bis 72 Euro.

Der Blaufranc hat seinen Namen übrigens vom gleichnamigen Wein, dem Blaufränkischen. Eine Legende besagt, dass im 19. Jahrhundert französische Soldaten in der Region wahlweise mit einem Weiss- und einem Blaufranc bezahlten. Die Bürger wussten schon damals, welche Währung ihnen näher stand: Zu Gunsten des besseren Weines gab es das bessere Geld - somit fiel ihre Wahl auf den Blaufranc. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 6.10.2011)

Wissen

Im Burgenland kann man aktuell bei der Fleischhauerei Tschürtz in Loipersbach und der Konditorei Emmelschuh in Schattendorf mit Blaufranc zahlen. Geld zurück gibt es dann in Euro oder Forint. Auch bei der Dependance des österreichischen Winzers Franz Weninger im ungarischen Balf kann man mit der neuen Regionalwährung zahlen. In einigen Verkaufsstellen bekommt man per Blaufranc-Zahlung Rabatte in der Höhe von fünf bis zehn Prozent.

  • Blaufranc-Werbesujet: Die gespreizten Finger des enthusiatischen jungen Mannes schließen auf ein Victory-Zeichen. Er könnte aber auch zwei Gläser Blaufränkisch-Wein bestellen.
    foto: kekfrank.hu

    Blaufranc-Werbesujet: Die gespreizten Finger des enthusiatischen jungen Mannes schließen auf ein Victory-Zeichen. Er könnte aber auch zwei Gläser Blaufränkisch-Wein bestellen.

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