Mehrheitswahlrecht

Keine Unterstützung für Rudas aus anderen Parteien

6. Oktober 2011, 19:18
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    apa-foto: helmut fohringer

    Laura Rudas plädierte für die Einführung eines minderheitenfreundlichen Mehrheitswahlrechts: die stimmenstärkste Partei soll überproportional viele Mandate bekommen - aber nicht die absolute Mandatsmehrheit. Damit wäre die Partei gezwungen, eine Koalition einzugehen.

ÖVP-Generalsekretär Rauch: "Sie soll doch gleich sagen, dass sie Rot-Grün besiegeln möchte" - Zustimmung von SPÖ-Landeshauptleuten

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas erhält für ihre Forderung nach einem minderheitenfreundlichen Mehrheitswahlrecht (derStandard.at berichtete) keine Unterstützung aus anderen Parteien.

"Rudas-Seitenblicke-Niveau"

"Diskussion ja, aber seriös bitte", reagiert Johannes Rauch, der Generalsekretär der ÖVP. "Die ÖVP ist offen für eine Debatte um eine Reform des Wahlrechts, zum Beispiel in Richtung einer stärkeren Personalisierung, wie dies etwa die Initiative 'Mein Österreich' andenkt. Die Diskussion muss aber seriös geführt werden und nicht auf Rudas-Seitenblicke-Niveau. Sie soll doch gleich sagen, dass sie Rot-Grün besiegeln möchte", sagt er zu derStandard.at. Die Minderheit als Mehrheit zu legitimieren, sei demokratiepolitisch unehrlich.

Rauch verweist auf "interessante Modelle, wie etwa das deutsche, das eine Mischform aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht darstellt". Wichtig sei, dass Minderheiten "nicht krampfhaft zu Mehrheiten gemacht werden und damit der Wille des souveränen Wählers verfälscht wird."

SPÖ-Landesobleute teilweise wohlwollend

Grundsätzliche Zustimmung bekommt Rudas hingegen von den SPÖ-Landeshauptleuten Gabi Burgstaller und Hans Niessl. Die Salzburgerin und der Burgenländer sagten im Gespräch mit dem STANDARD, sie sähen in einem solcherart reformierten Wahlrecht große Chancen, den Stillstand in der Bundespolitik zu überwinden.

Skeptisch ist der oberösterreichische SPÖ-Obmann Josef Ackerl, dafür kann sich Kanzler Werner Faymann (SPÖ) zumindest mit der Diskussion über ein Mehrheitswahlrecht mittlerweile anfreunden, wie Rudas dem STANDARD mitteilte.

"Nicht repräsentativ"

Beim BZÖ ist man von der Einführung eines Mehrheitswahlrechts nicht wirklich begeistert. "Ein solches Wahlrecht ist undemokratisch und nicht repräsentativ. Die Regierungsparteien wollen damit lediglich die aufgrund ihrer schlechten politischen Arbeit fehlenden Mandate auf indirektem Wege wieder kompensieren. Immer, wenn die Oppositionsparteien stärker werden, kommt von SPÖ und ÖVP das Verlangen, durch eine undemokratische Wahlrechtsänderung das sinkende Wählervertrauen zu kompensieren", sagt der stellvertretende Klubobmann Herbert Scheibner zu einer etwaigen Wahlrechtsreform. In anderen Worten bedeutet das wohl, dass man auch ohne ein neues und Großparteien bevorzugendes Wahlrecht genug Probleme damit hat, nicht den Anspruch auf einen wesentlichen Teil des eigenen Namens zu verlieren: die Zukunft.

Rot-Grün kein Argument für die Grünen

Bei den Grünen ist man ausnahmsweise ähnlicher Meinung und spricht in einer Aussendung von "minderheitenfeindlichen Vorschlägen". Dass Rudas im Fall eines minderheitenfreundlichen Mehrheitswahlrechts am Mittwoch mehr oder weniger offen mit der Idee einer rot-grünen Koalition kokettierte, ändert daran nichts: "Rudas will offensichtlich ablenken von der unangenehmen Verwicklung der SPÖ in den österreichischen Korruptionsreigen und macht Vorschläge, um die unliebsam kontrollierende Opposition zu schwächen", lässt Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner verlautbaren.

Mit einem Mehrheitswahlrecht würden laut den Grünen massive demokratiepolitische Defizite einhergehen. So müsse bei einer demokratischen Wahl gelten, dass jede Stimme gleich viel wert ist. "Das ist bei diesem Vorschlag nicht gegeben", sagt Verfassungssprecherin Daniela Musiol.

"Hauptprofiteure" dagegen

Auch die FPÖ ist gegen den Vorstoß von Rudas, wie Harald Vilimsky im Gepräch mit derStandard.at erklärt: "Obwohl wir wissen, dass wir zur Zeit die größten Nutznießer und Hauptprofiteure wären." Die FPÖ sei aber "aus demokratiepolitischen Gründen" dagegen. Jede Stimme solle gleich viel Wert sein, Vilimisky spricht sich gegen eine "Verzerrung" des Wahlrechts aus.

Freilich ist Rudas nicht die erste in der SPÖ, die sich mit einem Mehrheitswahlrecht anfreunden kann. Der EU-Abgeordnete Jörg Leichtfried wirbt bereits seit Jahren für ein Mehrheitswahlrecht, um Tempo in Österreichs politische Entscheidungsprozesse zu bringen und die Politikverdrossenheit einzudämmen. Leichtfrieds favorisiertes Modell ginge noch weiter als Rudas' Wunsch, weil es etwa ein Persönlichkeitswahlrecht (mit 183 Wahlkreisen, in denen die Nationalratsabgeordneten direkt gewählt werden können) enthielte. (mxd, rwh, derStandard.at, 6.10.2011)

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Martin Schwab1
10
8.10.2011, 18:21
nachdenken über wahlrecht nach schweizer vorbild

dort gibt es eine mischform zwischen verhältnis und mehrheitswahlrecht. auf österreich umgelegt würde man wahlkreise schaffen (ich denke da an ca. 20 Wahlkreise), wo die anzahl sitze im parlament je wahlkreis anhand der bevölkerungszahl bemessen wird. in diesem wahlkreis hat man dann dementsprechend viele stimmen wie der wahlkreis abgeordnete stellt. (zb 7 sitze im wahlkreis - also kann jeder wähler 7 kandidaten auf seine liste schreiben) hierbei wäre es auch möglich kandidaten aus unterschiedlichen parteien zu wählen. dies hat einerseits den vorteil, dass die abgeordneten ihrem wähler verpflichtet sind und weniger ihrer partei und andererseits auch ein parteiloser die möglichkeit hätte den einzug ins parlament zu schaffen

Martin Schwab1
10
8.10.2011, 18:25
hinzu käme optimalerweise eine reform...

... des bundesrates als echte zweite kammer, wo die bundesräte eben nicht von der partei eingesetzte durchwinker sind, sondern vom volk gewählt werden (sagen wir mal 5 pro bundesland) - der bundesrat hätte hierbei die selben kompetenzen wie der nationalrat und die regierung würde von einer vereinigten parlamentsversammlung (national und ständerat) gewählt. ansonsten könnte man den bundesrat ersatzlos streichen - denn er bringt genau gar nichts, sondern kostet nur viel geld ohne auch nur irgendetwas zu bringen

baneck08
00
8.10.2011, 11:30
Stay hungry! Stay foolish!

Die Panik des Forenmobs zeigt, dass die Rudas recht hat.
Die Starre braucht ein Ende.

Martin Schwab1
10
8.10.2011, 18:12
lol

was für eine begründung? die mehrheit ist dagegen, also muss es schon richtig sein...???

nein ein Mehrheitswahlrecht nach rudas' Modell ist nicht nur undemokratisch und geradezu lächerlich. selbst wenn man rudas mal unterstellen wollte, in guter absicht zu handeln und nicht damit zu spekulieren, dass die spö bei den meisten wahlen als größte partei hervorgeht und man damit die macht der spö zementieren kann, so kann es doch nicht die absicht eines wahlrechts zu ermöglichen, dass im parlament eine mehrheit regiert, die von knapp sagen wir mal 40% der bevölkerung gewählt wurde. stattdessen über ein personalisiertes wahlrecht nachzudenken halte ich für sehr viel erfolgsversprechender

Alfred Zopf
10
8.10.2011, 17:44

Ich gehe davon aus, dass sie FPÖ-Fan sind !

Pauli Feuerstein
10
8.10.2011, 12:41
Irrtum,

das Medienkaufen muss ein Ende haben!

Bauernbua
00
8.10.2011, 10:07

Das bundesdeutsche Wahlrecht wäre ohnehin das beste.

Bauernbua
10
8.10.2011, 10:01

Unser Verhältniswahlrecht ist eh das einzige, was am standeskünstlichen Aufgesatze Österreichs NET schlecht ist.

Also um Himmels willen bitte kein Mehrheitswahlrecht.

Martin Schwab1
00
8.10.2011, 18:16
ich widerspreche

das verhältniswahlrecht an sich ist nicht unbedingt schlecht, aber so wie es in österreich organisiert ist, führt es geradezu zwingend dazu, dass der abgeordnete in totaler abhängigkeit zu seiner partei steht und nicht den wähler vertritt, sondern nur und ausschließlich seine partei. das ist mE nach sehr viel mehr mitschuldig daran, dass in österreich ein solcher stillstand herrscht (neben dem reformunwillen der beiden großen parteien) als sonst was. insbesondere das fast beliebige austauschen der abgeordneten durch die parteien müsste abgestellt werden - ebenso wie das sich aufstellen lassen von kandidaten, die dann gar nicht in das jeweilige parlament einziehen (zb strache oder auch van der Bellen in wien...)

Bauernbua
00
9.10.2011, 09:32

Naja Spaltungen (FPÖ -> LIF, BZÖ) und Aus- sowie Übertritte von Abgeordneten gibt es auch in Österreich zuhauf, ohne daß diese keine Möglichkeit auf Wiederwahl mehr hätten.

Rückgrat zu zeigen wird also net zwangsläufig bestraft - auch net in unserem Lande.

master_of_disaster1
11
8.10.2011, 07:43
Der Alptraum der Alpenrepublik!

--> die kleine Laura (samt hinterher stampfender Buberlpartie) als Bundesministerin für Landesverteidigung (ohne Sport)...

Damit ließe sich sogar noch der derzeitige Minister an Inkompetenz "topen" :-((

hcl3
11
7.10.2011, 22:51
rudasch und die spö buberlpartie

bürgerbeteiligung schwächen
sag mal liebe rudasch sinds net teilhaberin am "heute"
der größten verblödungskampagne die wien in den letzten jahren nebst dem ebenso mittels inseraten gestützen "österreicher" über sich ergehen lassen muss.

FS4 - the science channel
10
7.10.2011, 12:31

Leichtfrieds Modell geht zwar weiter, bürdet den Abgeordneten aus den Wahlkreisen aber zumindest persönliche Verantwortung für ihren Wahlkreis auf. Rudas' Vorschlag ist ein typischen "Nicht Fisch, nicht Fleisch"-Angebot, das der Arbeitserleichterung der Großparteien dienen soll.

FS4 - the science channel
00
7.10.2011, 12:33

P.S.: An dem Leichtfriedvorschlag fehlt mir übrigens eine wirksame Kompensation, daß ländliche Gebiete mit dünner Besiedelung im Nationalrat nicht überrepräsentiert sind. Mit anderen Worten: Die Wahlkreise sollten alle ungefähr dieselbe Größe haben.

r41|\|3r
02
7.10.2011, 12:05

gratulation - wieder eine gelungene nebelgranate

Rodrigo Higgings
12
7.10.2011, 11:51
Ich weiß nicht, was die gute Laura hat???

Sie kriegt doch sowieso Rot/Grün nach der nächsten NRW. Zwar sind sie in der Opposition und wenn Griechenland hopps geht, zusammen unter 30%, aber sie hat dann Rot/Grün. :-)

Alfred Zopf
23
7.10.2011, 11:34

Als SPÖ-Parteimitglied kann ich nur mehr den Kopf schütteln, sind jetzt schon alle führenden Funktionäre wo angrennt: Die SPÖ glaubt doch nicht wirklich, dass sie eine Mehrheit bekommt, umgekehrt, Strache ist der Winner und wenn das BZÖ überlebt haben wir dann nach Rudas eine FPÖ/BZÖ Regierung, dazu noch Darabos Berufsheer und wir finden uns in einer DIKTATUR wieder, da ist Ungarn dann gegen Österreich ein Lercherlschaaas !!!!

holy genstadt
24
7.10.2011, 10:40
verstehe gar nicht

warum man ihr soviel medienpräsenz schenkt;

wen interessiert, was fr. rudas sich denkt??

oder soll das heißen: wenn wir das mehrheitswahlrecht hätten, müssten wir nicht soviel in ramsch-blättern inserieren?

Harry Y.
 
11
7.10.2011, 09:41
Es ist mir ein komplettes Rätsel,

wie man bei einer (unbegründet, siehe Korruptionsaffären + alle anderen braunen) doch einigermaßen starken FPÖ den Vorschlag eines Mehrheitswahlrechts machen kann, Koala hin oder her.

Wie kann man einer Blau-Orangen, Blau-Schwarzen oder (derzeit kaum) Schwarz-Blauen Regierung dann auch derart viel Macht in die Hand geben wollen?!

Sind das Prinzip Hoffnung (auf Rot-Grün) und Blindheit bezüglich anderer Möglichkeiten politische Kriterien bei der Entscheidungsfindung??

(Und wenn schon MWR, wozu dann Koala?? Eine Koalition wird zur Zeit zwangsweise sowieso jede der größeren Parteien eingehen müssen.)

Herr und Frau Österreicher
 
02
7.10.2011, 09:40

Schon wider dieser Schas! SPÖVP forever mit blaubraunen Flecken! Als obs nicht schon schlimm genug wär!!!

snakeskin10
00
7.10.2011, 09:00
Jeder wie er es braucht

Burgstaller und Niessl könnten nach der Rudas-Idee bequemer regieren, Ackerl käme wohl nie an den Regierungs-Topf.

1. Fan der Europaregion Tirol
22
7.10.2011, 03:47
Als Fan der Europaregion Tirol schlage ich die Einführung des schwedischen Modells in Österreich vor.

Keine Bundesländer mehr, sondern Regionen (in Schweden Provinzen)
Keine Landtage mehr sondenr Regionsratstage (in Schweden Provinzlandtage)
Einführung Einkammersystem. D.h. Abschaffung Bundesrat und LH-Konferenz (Landeshauptleute gibt es ja dann nicht mehr)
Der Nationalrat wird wird auf ca. 320 Mitglieder aufgestockt (jeder Nationalrat vertritt ungefähr 25000 Wahlberechtigte)
Starkte Reduktion der Gemeinden, aber dafür Stärkung ihrer Rechte. Ziel sollte sein ca. 250 - 300 Gemeinden (in Schweden gibt es derzeit 290 Gemeinden)

Und bei den Wahlen zählt jede Stimme gleich viel. Egal ob auf Gemeinde-, Regions- oder Nationalebene.

snakeskin10
00
7.10.2011, 08:58
Es ginge viel einfacher

1. NR gleich belassen, aber mit mehr Persönlichkeitswahlrecht ("MeinOe")
2. Landtage ersatzlos abschaffen
3. LH-Konferenz als Ersatz für den Bundesrat (Gleicher Wahlgang wie NR-Wahl)
4. Reduktion der Gemeinden - dafür mehr Rechte. (Volksabstimmung: Wer kleinere Gemeinde haben will, soll eigene Verwaltungsabgabe zahlen, die Mehrkosten finanziert.)

1. Fan der Europaregion Tirol
00
7.10.2011, 11:30
Bei Punkt 3 bin ich eben anderer Meinung.

Ansonsten: Zustimmung!

Section Control
01
7.10.2011, 08:10
Ob ich das Ding dann Landtag oder Provinzialrat nenne ist doch das selbe

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