Luftsprünge überall

6. Oktober 2011, 16:56
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Das westaustralische Perth arbeitet an einer neuen Waterfront. Schon jetzt ist der Blick vom King's Park auf die Stadt am Swan River verzückend

Neben San Diego ist Perth die einzige Stadt auf der Welt, in der die Öffis im Stadtzentrum gratis sind. Das kann sich Perth locker leisten, denn die Kapitale ist wie ganz Westaustralien eine überaus boomende Region, die die Begriffe Finanz- und Wirtschaftskrise nur vom Hörensagen kennt. Wie das? "Digging forever", sagt Ryan Zaknich, der seine Gäste nächtens durch die Bars der Stadt lotst; und damit meint er die enormen Rohstoffvorkommen im Norden des Landes, die den Wohlstand "bis in Ewigkeit" garantieren. So etwas zieht Leute an, viele kommen aus London. In Perth (1,7 Millionen Einwohner) hat dann fast jeder - "very british" - sein Haus mit Garten.

Perth ist die drittgrößte Stadt Australiens, im Südwesten des Kontinents gelegen, wo es im Sommer 45 Grad und im Winter 17 hat, Zweiteres ist sehr angenehm. Das Schönste aber an Perth ist die 19 Kilometer lange Küste, an der entlang sich die Stadt an den Indischen Ozean drückt. Aber es gibt etwas, das noch schöner ist: den sich mitten in der Stadt zum Meer aufblähenden Swan River, der hier in den Ozean mündet. Segelboote schippern vor der beleuchteten Skyline auf und ab, und fast jedes Jahr verirrt sich eine Delfin-Familie in die Stadt, die das Leben dort genauso genießt wie die freundlichen Perthianer, Luftsprünge allüberall.

Doch es kommt noch besser. Perth ist gerade dabei, seine Waterfront neu zu bauen. Die Queen wird das Zehnjahresprojekt noch Ende des Jahres vor Ort absegnen. Und da tut sie gut daran, denn irgendwie ist es passiert, dass diese so sanft den Swan River umkränzende Stadt sich den Zugang zum Ufer mit Straßen und Parkplätzen verbaut hat. In Zukunft können sich die Hochhäuser im Wasser spiegeln, wenn die den See bis ganz nah an den Financial District heranlassende Esplanade mit Fähranlegestellen, Promenaden, Bootsstegen, Parks und öffentlichen Plätzen neu gestaltet sein wird.

Der Reichtum der Stadt hat nicht nur ein architektonisch aufregendes, aus tasmanischem Schwarzholz und jeder Menge Goldimitationen gezimmertes neues Staatstheater hervorgebracht, das im Untertitel Heath Leadger Theatre heißt, nach dem in Hollywood verstorbenen Sohn der Stadt. Sondern: Der Reichtum gestattet auch ökologisches Denken. Dafür ist das nächtens zum bunten Lichtspiel werdende Stadtparlament ein Sinnbild; die Jahresstromrechnung des riesigen Glaskubus beträgt jährlich nur 3000 Dollar. Ihm unmittelbar gegenüber wird ein Gebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert von der Canton-Kette gerade zum Sechssternhotel adaptiert (584 Mio. Dollar), es soll Aman Resort heißen und sieht ein wenig aus wie das Museumsquartier in Wien.

In etwas bescheideneren Schritten erobert ein anderes Stadtprojekt Stadträume zurück: In "Forgotten Spaces" werden Gebäude, die leerstehen, von Betreibern für neue Zwecke erschlossen. So entstehen in Hinterhöfen neue Bars und auf leeren Flächen kleine Restaurants, wie zum Beispiel das Green House, eine kleine grüne Hütte, direkt im Businessviertel, die äußerlich durch ihre von unzähligen kleinen Erdbeerpflanzen begrünte Fassade auffällt, innen durch hervorragende regionale Küche und selbstgemachtes Brot.

Urbane und nichturbane Natur

Die Nebenstraßen quer zur King Street oder William Street sind voller versteckter Bars, die man nur über alte Pflastersteine erreicht und am besten unter der Führung von Ryan Zaknich (www.twofeet.com.au), der die ausgesuchtesten Barkonzepte kennt und über das Nachtleben in Perth bestens informiert ist. Wem aber romantisch zumute ist, der fahre (oder spaziere) in den King's Park (400 Hektar) im Osten der Stadt, von dessen Anhöhe man den allerkitschigsten Blick auf den Swan River und die nächtliche Skyline von Perth gewinnt. Hier gibt's auch Openair-Konzerte. Und wer Perth wirklich liebt, bleibt bei der Rückkunft aus dem Urlaub zuerst im King's Park stehen, um auf die Stadt hinabzuschauen.

Die nichturbane Natur ist in Perth aber ohnehin nicht weit. Gleich südlich von Perth beginnt die Wein- und Surfregion von Margaret River, und hier hoppeln dann auch Kängurus auf den von wilden weißen Lilien übersäten Wiesen herum. So schön und friedlich, dass es kaum zu glauben ist. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD/Rondo/07.10.2011)

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