In der Akutphase nach einem Herzinfarkt verabreichtes Proteinkonzentrat verringert entzündlich bedingte Vernarbung des Herzmuskels
Wien - Eine neue Therapie könnte die Behandlung nach Herzinfarkten revolutionieren: Hendrik Jan Ankersmit von der Medizinischen Universität Wien hat eine Proteinlösung entwickelt, mit deren Hilfe die entzündlich bedingte Vernarbung des Gewebes nach einem Herzinfarkt verringert werden kann.
16.000 stationäre Aufnahmen mit der Diagnose akutem Herzinfarkt erfolgten 2009 in Österreich, davon endeten 3.000 Fälle tödlich. Vergleichbare Zahlen aus der Europäischen Union berichten von 2,2 Millionen Todesfällen infolge einer ischaemischen Herzerkrankung. Nach der meist kritischen ersten Phase eines Herzinfarkts erfolgt eine intensive Rehabilitation und das Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln.
Den Forschungsergebnissen von Hendrik Jan Ankersmit, Leiter des CD-Labors für Diagnose und Regeneration von Herz- und Thoraxerkrankungen an der MedUni Wien, zufolge muss das in Zukunft nicht mehr so sein. Ankersmit gewinnt aus weißen Blutkörperchen ein Proteinkonzentrat (APOSEC), das als Medikament in der Akuttherapie nach Herzinfarkt verwendet werden kann. Das Mittel wurde 40 Minuten nach experimentellem Infarkt intravenös als Infusion verabreicht. Die Folge: Es entsteht fast keine Vernarbung des Herzmuskels. Die Wirkweise basiert auf der Verhinderung der Entzündungsreaktion des Herzgewebes nach einem Herzinfarkt. Tests an menschlichen Herzmuskelzellen - mit viel versprechenden Resultaten - wurden bereits in vitro durchgeführt. Die Forscher an der MedUni Wien hoffen nun aber auf den baldigen Start einer klinischen Studienreihe am menschlichen Organismus.
Jederzeit verfügbar
Bei diesem Wirkstoff handelt es sich um lösliche Eiweißstoffe, die von weißen Blutkörperchen ausgeschüttet werden. Die primäre Gewinnung der weißen Blutkörperchen als „Bioreaktoren" ist einfach und im Aufwand einer herkömmlichen Blutspende vergleichbar. „Bei Proteinkonzentraten kommt es zur keiner oder nur einer geringen Abwehrreaktion des menschlichen Immunsystems. „APOSEC kann somit auch von nicht verwandten Spendern gewonnen werden", sagt Ankersmit.
Der größte vorhersehbare Vorteil gegenüber zellbasierter Herzinfarkttherapie: Das Mittel kann auf Vorrat produziert werden und ist im Fall der Fälle leicht verfügbar. Wie Blut in einer Blutbank. Die heutige Stammzelltherapie hat sich in der Behandlung des Myokoardinfarkts als wenig effektiv erwiesen. Vorteil der neuen Therapie: Das Proteingemisch kann industriell auf Vorrat produziert werden und ist bei einem akuten Infarkt sofort für den Patienten verfügbar. (red9