RIP

Das Web trauert um Mr. Apple

Zsolt Wilhelm, 6. Oktober 2011, 12:37
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    foto: jonathan mak

    Der 19-jährige Designer Jonathan Mak widmet Jobs ein iDenkmal.

Egal ob IT-Ikonen, Journalisten oder Konsumenten: Steve Jobs Tod geht aus gutem Grund vielen nahe

Als IT-Journalist hat man stets ein gespaltenes Verhältnis zu Apple. Auf der einen Seite fällt es leicht, sich für die vielen wegweisenden Produkte zu begeistern, auf der anderen Seite entwickelt man eine tiefe Skepsis gegenüber einem Unternehmen dieser Größe. Die Marketingmaschinerie, die Unnahbarkeit, Berichte über unmenschliche Arbeitsbedingungen für jene Leute, die diese funkelnden Gagdets tatsächlich produzieren, wettbewerbsbehindernde Praktiken und ein PR-Auftritt, der mit "abgehoben" noch freundlich umschrieben wird. Kurz gesagt: Apple ist in jeder Hinsicht eine Story wert. Aber "mögen" kann man Apple genauso wenig wie jeden anderen profitorientierten Konzern. Egal wie heftig es in Branchendiskussionen oder Forendebatten zugeht, egal wie populär ein Thema ist und wie viel Klicks und Likes ein Produkt, ein Unternehmen provoziert: Zuneigung, Emotionen sind den Menschen vorbehalten.

"Your time is limited so don't waste it living someone else's life. Have the courage to follow your heart and intuition, everything else is secondary" - Steve Jobs

Sie geben der eigentlich niemals "anders denkenden" Konzernwelt ein Gesicht. Und so sehr die "corporate identity" - ob mit Schlips oder im Rollkragen - die Menschlichkeit verschleiert, hinter jedem Logo, jedem Gründerstein, jeder Geschäftsidee steht ein Mensch. Diese boomende, glitzernde, niemals ruhende Branche kennt viele Genies und Over-Achiever. Es gibt die zurückhaltenden, in die Zukunft schweifenden Puppenspieler wie Bill Gates, die coolen Intellektuellen wie Sergey Brin und Larry Page, die verbissenen Verkäufer wie Steve Ballmer, die geekigen schlauen Füchse wie Mark Zuckerberg und die, die einfach unumstößlich an ihre Sache glauben. Steve Jobs war einer von denen. In seinen seltenen Medienauftritten, seinen vereinzelten Interviews, aber in jeder seiner prägenden Keynotes war zu hören und zu sehen, dass er an jede von Apples Erfindungen glaubte. Als er das iPhone 2007 zückte, funkelten seine Augen als stünde er als Kind vor dem Weihnachtsbaum und als er das iPad auf der Bühne sitzend in den Händen hielt, zweifelte keiner im Raum daran, dass er diese Schöpfung für die Zukunft des Personal Computers hielt.

For those of us lucky enough to get to work with him, it's been an insanely great honor. I will miss Steve immensely. - Bill Gates

Vielleicht ist so zu verstehen, weshalb sein Tod so vielen Menschen nahe geht. Denn obwohl die Trauernden Jobs zumeist nur durch ihren iPod, ihren Mac, ihr iPhone oder ihr iPad kennengelernt haben, fällt es ihnen leicht, sich mit seiner Persönlichkeit zu identifizieren. Jeder, der einen inneren Antrieb verspürt, erhofft sich, eines Tages mit ähnlicher Konsequenz sein Ziel verfolgen zu können. Jeder, dem es bereits schwer fällt morgens aus dem Bett zu steigen, erhofft sich, eines Tages einen ähnlichen Ehrgeiz zu entwickeln. Jeder, der unglücklich in seiner Arbeit sitzt, wünscht sich, eines Tages seinem Traumjob nachzugehen. Jeder, der sich nur als kleines Zahnrad in einem Getriebe fühlt, wünscht sich eines Tages etwas Bedeutendes erschaffen zu können. Wie Popstars Menschen mit ihrer Musik berühren, Schauspieler sich über Fernseher und Leinwände in unser emotionales Zentrum brennen oder Autoren über Bücher sich in unseren Verstand schreiben, halten wir mit jedem i-Gerät ein Stück "Jobssches  Lebenswerk" in Händen.

Steve, your passion for excellence is felt by anyone who has ever touched an Apple product (including the macbook I am writing this on right now). - Sergey Brin

Es mag für Außenstehende befremdlich erscheinen, einem Fremden nachzutrauern. Unter Steve Jobs Drang zur Perfektion kreierten die kreativen Köpfe Apples auch nicht gerade Produkte, die uns zum Mars bringen oder das Rohstoffproblem lösen. Doch sie schufen Produkte, die uns mit anderen Menschen verbinden, Melodien aus unserer Kindheit an die Ohren bringen oder Aufnahmen unserer Geliebten greifbar machen. Und so schlich sich Jobs irgendwie in jedermanns Alltag. Ob in Foren, auf Facebook, Twitter, Google+ oder in Blogs nehmen Wegbegleiter deshalb nun genauso wie einfache Kunden Abschied und teilen ihre Geschichten. Der ehemalige Gizmodo-Blogger Brian Lam entschuldigt sich für den iPhone 4-Clou. Walt Mosberg, einer der wenigen Journalisten, die Jobs näher kannten, erinnert sich an einen Spaziergang mit dem i-Guru und wie es fast zur Tragödie kam. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg spricht den jungen Entrepreneuren aus der Seele und bedankt sich ein letztes Mal bei seinem Mentor.

Steve, thank you for being a mentor and a friend. Thanks for showing that what you build can change the world. I will miss you. - Mark Zuckerberg

Bill Gates, der Jobs 30 Jahre lang als Konkurrenten wie als Freund kannte, hebt die aufgesetzten marktbedingten Grenzen auf. Die Piraten von Silicon Valley gingen durch dick und dünn, Feindschaft konnte sich zwischen den am Boden gebliebenen Überfliegern nicht entwickeln. Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin danken Jobs für dessen Inspirationskraft. Google.com verlinkt heute direkt auf die Apple-Webseite. Erbitterter Wettbewerb, der quartalsgetaktete Kampf um Marktanteile tritt in den Hintergrund. Steve Wozniak, Steve Jobs Partner in Crime ist die Betroffenheit in jedem Statement anzumerken.

"We've lost something we won't get back" - Steve Wozniak.

Und auch unter den nicht direkt Involvierten macht sich Trauer breit. "Man kann zur Firmenpolitik Apples und der Entwicklung in den letzten Jahren stehen, wie man will - aber diese Nachricht trifft einen doch. Er war ein Visionär, ein Querdenker, ein Perfektionist (mit allen Schattenseiten).", schreibt Danielle D. im WebStandard-Forum. "Wie man aus einer Garagenfirma so etwas Großartiges erschaffen kann! Eine wahre Legende!", meint Christoph D. auf Facebook. Und Branchenstimme Robert Scoble gedenkt Jobs Hinterbliebenen auf Google+. Ein Foto, das den Apple-Mitbegründer zusammen mit seiner Frau zeigt, sagt mehr als alle Worte.  (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 6.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 100
1 2 3
olobo
01
8.10.2011, 00:38
R.I.P. – Ein Nachruf auf die Opfer von Apple

http://klauswerner.com/2011/10/0... von-apple/

Cybercowboy
10
7.10.2011, 23:35
Tragisch.....manche Kommentare hier.

Gibt es noch eine Berührung, die Gehässigkeit ruhen lassen kann?

lejanin
02
7.10.2011, 04:15
Hr. steve jobs

sie haben den ersten computer/gadget erfunden der auch weitestgehend funktioniert und nicht nervt.
danke dafür !
ich finde ihre nachfolger sollten diesem benutzbarkeits- und funktionskonzept konzept weiter folgen und auch ein günstiges modell ins rennen schicken was sich fast alle leisten können.
RIP steve jobs

°°__°°
04
7.10.2011, 07:38

Macmini um 599?

Was wollen sie ausgeben? 30 euro?

Wieviel Demokratie ist es bitte?
44
7.10.2011, 01:05
"aus gutem Grund"

?

Sind Sie Fanboy oder Journalist?

Sehen Sie sich das an, Mr. Zsolt Wilhelm.

http://www.youtube.com/watch?v=f0JLZPW750o

(Und 5 x zensiert zum Thema Apple wurde ich wohl den Tag über auch aus "gutem Grund", huh?)

Graypi
11
7.10.2011, 11:32
Die 'Optimierung' der Produktion

(Auslagerung etc.) wird gemeinhin Tim Cook, dem aktuellen CEO zugeschrieben...

Katerle Jaromir
01
7.10.2011, 09:58

deine zeit ist noch nicht gekommen; wie bei atomwaffengegnern und atomkraftgegnern… Ungleichbehandlung ist oft notwendig, andererseits auch eine blösse.

cu!

Katerle Jaromir
23
7.10.2011, 09:23
Du hast sicher schon zwanzig mal gelesen, dass die nicht nur für apple produzieren.

hast du Ohrendurchgang oder bist grunddeppert?

alexanderletten
 
01
7.10.2011, 10:23

Man kann das zur Kenntnis nehmen, oder aber auch sagen:
He, die Suicid-Rate bei Foxconn liegt ja immer unterhalb der Rate von USA!

hellfast
10
7.10.2011, 09:46

das feindbild heißt halt apple. und zu 99% hat er auch elektronik, die unter diesen bedingungen produziert wurde (nicht, dass das apple entschuldigt).

Katerle Jaromir
01
7.10.2011, 09:56

seine zeit ist noch nicht gekommen; (das muß ich ihm auch direkt sagen, darum die doppelpost)

wappla
10
7.10.2011, 09:12
bissl selbstgerecht?

mit sicherheit ist dein beitrag hier auf einem geraet geschrieben worden, dass unter ethisch korrekten, arbeitsfreundlichen und oekologischen bedingungen hergestellt wurde, gell?

Ichbinder Internetforenposter...
11
7.10.2011, 08:23
acadaeminus
00
7.10.2011, 00:24

Der Geist der Gegenwart ist doch regelrecht zersetzt von dieser unheiligen Lifestyle- und Fun-Gesellschaft. Es bräuchte endlich wieder des heilungsvollen Einflusses der heiligen römisch-katholischen Kirche, um solchen abartigen Auswüchsen ein Ende zu bereiten. Diese Lehre ist absolut unumstoßbar und hat auch von ein paar Selbstinszenierern und Wichtigtuern respektiert zu werden. Es wird nie moralisch oder sittlich höhere Werte geben als jene, die von der heiligen römisch-katholischen Kirche kommen.

Mawi13
00
6.10.2011, 23:26
genau wie sagte schon Nitzsche

Gott ist TOT ;-)

Mawi13
00
6.10.2011, 23:25
also mir is des wurscht ich kenn mich mit PC´s aus

ich brauch keinen Apple ^^

captain beefheart
01
7.10.2011, 09:15

niemand kennt sich mit PCs aus man tut nur so als ob.

katze_hund
03
6.10.2011, 21:58
der standard sagt dazu:

"Finden Sie Ihren neuen Job auf derStandard.at/Karriere"

googleluca3.2
00
6.10.2011, 21:43
komisches "Gefühl"

So eine medienpräsente Person, die immer für Taten und Innovationen verantwortlich gemacht wird, gibt's nicht mehr...

chrilly donninger1
710
6.10.2011, 21:29
Heut versteh ich zum ersten Mal in meinem Leben

den Papst.
Wenn der Schöpfer eines Konsumgutes weltweit wie ein Heiliger verehrt wird, ist etwas falsch gelaufen.
Es ist an seiner These von der Anbetung des Materialismus wirklich was dran.
Der Glaube an die alten Götter wird offensichtlich nicht von der Aufklärung sondern vom Glauben an neue Pseudo-Götter abgelöst.

bedarf ist keine konstante
00
7.10.2011, 10:16
Immerhin hat er der Welt irgendetwas gegeben...!

Egal wie man zur Produkt-, Geschäfts-, Patent- oder Produktionspolitik Apples stehen mag, sämtliche Großkonzerne zusammen haben immernoch weit weniger Dreck am Stecken als die katholische Kirche!

Andere Religionen mag ich erst gar nicht dazunehmen. Alleine zu was Streitigkeiten zwischen verschiedenen Religionsanhängern alles anrichten auf dieser Welt... da ist ja das Geplänkel zwischen Fanboys und Fandroids noch ein gemütlicher Strandspaziergang.

Phicsa
00
7.10.2011, 00:00

Das liegt bloß daran das es so wenig andere, brauchbare Menschen gibt die der Verehrung würdig sind ;)

bonetree
61
6.10.2011, 23:01

Also wenn du Computer tatsächlich als Konsumgut betrachtest, wirst du mit keiner deiner Analysen der Realität auch nur nahe kommen.

Fad.

hellfast
01
7.10.2011, 08:44

es ist ein werkzeug, nicht mehr oder weniger.

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