Späte Vaterschaft

"Kinder älterer Väter sind oft krank"

Interview | Regina Philipp, 12. Oktober 2011, 13:25
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    Das optimale Zeugungsalter für Männer liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

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    foto: tina-katrin zenker

    Tina-Katrin Zenker ist Ärztin für Naturheilkunde, Gerontologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Erich Saling Institut für Perinatale Medizin in Berlin.

Medizinerin Tina-Katrin Zenker kratzt an der Selbstverständ­lichkeit der späten Vaterschaft und fordert dringend mehr Aufklärung

Der erfolgreiche Mann von heute zeugt in zweiter Ehe mit einer deutlich jüngeren Frau noch einmal Kinder. Die Risiken für die Nachkommen kennt er nicht. Perinatalmedizinerin und Gerontologin Tina-Katrin Zenker wägt die Vor- und Nachteile später Vaterschaft ab.

derStandard.at: Warum liegt Ihnen so viel an dem Thema?

Zenker: Ich arbeite am Erich Saling Institut für Perinatale Medizin in Berlin. Diese gemeinnützige Einrichtung widmet sich der Verbesserung der Schwangerenvorsorge, insbesondere der Vermeidung von Frühgeburten. Bei der Beschäftigung mit dem Thema bin ich darüber gestolpert, dass das Alter des Vaters hier eine erhebliche Rolle spielt. Das war niemandem bekannt, auch an unserem Institut nicht.

derStandard.at: Bei Frauen heißt es, ihre Zeit läuft ab, Männer können dagegen bis ins hohe Alter Kinder zeugen. Stimmt das?

Zenker: Keineswegs, denn mittlerweile geht man davon aus, dass verschiedene genetische und epigenetische Gründe dafür verantwortlich sind, dass die Kinder älterer Väter häufig krank sind. Die Stammzellen im Hoden eines 50-jährigen Mannes haben bereits mehr als 600 Zellteilungen durchgemacht. Die Anzahl der genetischen Defekte steigt, wodurch unterschiedlichen Erkrankungen Vorschub geleistet wird. Für das gehäufte Auftreten psychischer Erkrankungen wie Schizophrenie, Autismus und bipolare Störungen bei Nachkommen älterer Männer werden aber auch epigenetische Gründe diskutiert. Dieses Gebiet wird von Experten als Schnittstelle zwischen Anlage und Umwelt verstanden. Eventuell spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle. 

derStandard.at: Und das alles passiert unabhängig vom Alter der Mutter?

Zenker: Ja. In vielen Studien wurde konkret der väterliche Einfluss erfasst. So hat sich beispielsweise auch gezeigt, dass das Sterblichkeitsrisiko in den ersten 18 Lebensjahren bei Kindern deren Väter älter als 45 Jahre sind doppelt so hoch ist, wie bei jenen, deren Väter zwischen 25 und 30 Jahre alt sind. Hier werden unter anderem die größere Anzahl an Geburtskomplikationen und Herzfehler verantwortlich gemacht. 

derStandard.at: Und schuld ist der Qualitätsverlust der Spermien?

Zenker: Ja, wenn man sich die vielen gesundheitlichen Nachteile Kinder älterer Väter ansieht, dann bekommt man Zweifel, wie gut DNA-Reparaturmechanismen, die es auch in den Keimzellen gibt, im Alter tatsächlich noch greifen. Offensichtlich lässt sich die vollständige DNA-Qualität ab 40 nicht mehr zuverlässig wiederherstellen. 

derStandard.at: Früher wurde das gemeinsame Alter von Mutter und Vater zur Risikobewertung beim Nachwuchs herangezogen. Gedeiht hier das junge Alter der Frauen den Männern nicht zum Vorteil? Gleicht die Jugend hier das Alter aus?

Zenker: Bei einigen Erkrankungen ist das zu hoffen. Bei der Intelligenz ist das aber ganz offensichtlich nicht der Fall. Hier soll sich das jugendliche Alter der Mutter sogar ungünstig auswirken. Für den väterlichen Einfluss gilt: Der Intelligenzquotient von Kindern älterer Väter ist durchschnittlich niedriger als der von Kindern jüngerer Väter. Sechs Punkte beträgt der Unterschied durchschnittlich. Das ist nicht viel, jedoch passt eine andere Studie dazu, die besagt, dass geistig retardierte Kinder ältere Väter haben als Gesunde. Die Kombination alter Vater und junge Mutter wäre demnach hinsichtlich der Intelligenz besonders ungünstig.

derStandard.at: Gibt es ein perfektes Alter für Männer um Kinder zu zeugen?

Zenker: Optimal wäre zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Interessanterweise hat man auch herausgefunden, dass Früh- und Totgeburten wesentlich häufiger vorkommen, wenn die Väter unter 20 Jahre alt sind. 

derStandard.at: Wann sollten Frauen Kinder bekommen?

Zenker: Als Erstgebärende zwischen dem 20. Und 35. Lebensjahr. Das Risiko bei der ersten Schwangerschaft liegt höher als bei den weiteren.

derStandard.at: Es würde also Sinn machen, wenn Männer im jungen Alter ihre Spermien einfrieren lassen?

Zenker: Ja. Die Möglichkeit gibt es ja heute auch. Nur welcher Mann denkt schon so weit in die Zukunft und welcher junge Mann möchte später schon ein alter Vater für sein Kind sein? Kinder älterer Väter erleben außerdem oft ihre väterlichen Großeltern oft nicht mehr. Auch das ist ein großer Nachteil. 

derStandard.at: Aber im Grunde sind Männer doch lange fortpflanzungsfähig? Oder kommt bei älteren Männern die Reproduktionsmedizin oft auf den Plan?

Zenker: Die kommt oft und immer öfter auf den Plan. Es wird ja auch daran verdient und nicht wenig. Und es spielt auch eine Rolle, dass Familiengründungen heute oft später stattfinden. Außerdem sind die Scheidungsraten sehr hoch und viele Männer zeugen dann mit ihren neuen Partnerinnen wieder neue Kinder. Das ist ein gesellschaftlicher Trend, der so das Bild des erfolgreichen Mannes zur Zeit prägt. 

derStandard.at: Ist das eine neue Form der Midlife-Crisis?

Zenker: So kann man es bezeichnen. Gerade in den Medien werden Herren Mitte 50 als Vorbilder präsentiert. Männer, die Karriere gemacht haben, dann ihre gleich alte Frau durch eine Jüngere ersetzen und noch einmal eine Familie gründen. 

derStandard.at: Lehnen Sie diesen Trend ab, weil er für die Nachkommen von Nachteil ist?

Zenker: Das würde ich nicht sagen. Das Problem ist ein gravierendes Informationsdefizit. Ich spreche Männern ihr Verantwortungsbewusstsein nicht ab. Nur sind den wenigsten die Risiken bekannt. Ich persönlich würde Männern, die deutlich über 40 sind, zur Adoption raten und jungen Leuten empfehlen ihre Samen einfrieren zu lassen, um später die Vor- und Nachteile der späten Vaterschaft individuell abzuwägen. 

derStandard.at: Warum werden Familien darüber nicht aufgeklärt?

Zenker: Weil auch viele Gynäkologen mit diesem Thema nicht vertraut sind. Ich habe gestaunt, wie viele Professoren, die ich persönlich kenne, nichts davon wussten, auch mein eigener Gynäkologe nicht. Dazu kommt, dass Herren, die sich selbst in diesem Alter befinden, darüber gar nicht erst nachdenken oder gar reden wollen. Ich habe das Gefühl, hier wird an einem Tabu gekratzt. (derStandard.at, 12.10.2011)

Kommentar posten
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Barney Gumble1
01
11.11.2011, 08:44
Da hab ich dann Glück gehabt

mein Junior ist sehr gesund und entwickelt sich prächtig. Hätte ich so einen Bericht früher gelesen, dann hätte ich wohl jetzt nicht die Freude mit meinem Junior.

Feuergeist
 
00
Muß ich auch sagen.

Aber der Bericht beeindruckt mich nicht. Wir wollen noch 1 oder 2.

Transalpin2
21
17.10.2011, 08:20
Letzte bedeutsame wiss. Arbeit der Frau Dr. war 1996!

Zenker TK: nur 2 seriöse Artikel in PubMed, 1995 und 1996. Seitdem nicht mehr publiziert. Na das nenn ich doch eine Basis, aufgrund derer man im STANDARD informierte Interviews geben kann.

her wig
02
17.10.2011, 15:03

Wenn sie selbst schon mal was publiziert hat, kann sie vmtl. auch anderer Leute Publikationen lesen. Das bildet angebilch.

Transalpin2
20
18.10.2011, 12:39
Lesen bildet?

Das Argument würde ich für eine/n Kliniker/in mit intensiver Patientenversorgung durchaus gelten lassen. Für eine wissenschaftliche Mitarbeiterin einer universitären Einrichtung ist das eine Katastrophe. Und sie spricht hier als solche.

hcl3
23
16.10.2011, 17:12
mutmassungen als wissenschaftlich verkaufen ?

anzahl n= der evaluirten schwangerschaften ?
welche studie in australien ?
wo, wann, wieviele kinder , erkranken an was ?
wurde jene genetische dispositionen die auch junge eltern betreffen rausgerechnet
gibt es überhaupt vergleichsdaten von jungen eltern
sie publizieren "seifenblasen" da ist null information für interessierte drin
behauptungsjournalismus da kann ich ja gleich die krone oder den österreicher lesen!

anna b
04
17.10.2011, 08:41

ein paar beispiele (rest bitte selbst googlen):
- Slama R, et al: Influence of paternal age on the risk of spontaneous abortion. Am J Epidemiol. 2005 May 1;161(9):816-23.
- Dunson DB et al.: Increased infertility with age in men and women. Obstet gynecol 103 (2004) 7-14
- de La Rochebrochard E, et al; French National IVF Registry (FIVNAT) Association: Fathers over 40 and increased failure to conceive: the lessons of in vitro fertilization in France
Fertil Steril. 2006 May;85(5):1420-4
-Levitas E, et al: Relationship between age and semen parameters in men with normal sperm concentration: analysis of 6022 semen samples. Andrologia. 2007 Apr;39(2):45-50

hcl3
00
17.10.2011, 08:58
danke

die samples beziehen sich auf ergebnisse im rahmen der ivf checks.
sperm samples -wir haben keine stichhaltige datenlage
zu den daraus posetiv verlaufenden schwangerschaften und die weiterentwicklung der kinder
in ö. gibt es gar "keine datenlage"
gehäufte manisch/depressive erkrankungen bei famliliärer vorbelastung z.b. trifft auch die von jungen eltern gezeugten kindern.
das erhöhte auftreten von psychischen störungen bei elterl. dispo steht wohl nicht nur im genetischen zusammenhang , wir sollten beachten, dass diese kinder von eltern mit d. störung großgezogen und damit konditioniert werden.
geringere intellegenz ?lt. PH wien kein zusammenhang bis dato bekannt oder gar bemerkt worden- und die leut unterrichten seit 30 jahren

Natchez
31
15.10.2011, 16:59

Zum Thema "Gesundheit" wäre es vielleicht auch wichtig, Daten zur psychischen Gesundheit der Kinder von sehr jungen Vätern und Müttern zu liefern. Wie sieht es denn aus, wenn Kinder Kinder kriegen? Interessant wäre sicher auch eine Korrelation mit der sozialen Lage des Elternpaars. Die meisten Krankheiten werden Kindern immer noch "angezüchtet" und nicht vererbt.

Natchez
53
15.10.2011, 16:49

Sehr fein, jetzt machen wir alle einen Gentest, bevor wir uns vermehren. Und dann führen wir bitte auch ganz schnell Altersgrenzen ein, bis wann wir Kinder zeugen dürfen. Meinen Mann (mit einem IQ von 165) dürfte es dann gar nicht geben, denn sein Papa war schon 55. Aber Hauptsache, wir lassen die Unterschicht fröhlich weiterpoppen, mit 16 oder 17 gebären und dann das Leben ihrer Jacquelines und Kevins versauen. Ist sicher besser so.

Feuergeist
 
00
Darf ich ihrem Posting entnehmen das sie für eine Art Vermehrungslizenz sind?

Und wohin soll das führen?

Victoria Karl
 
00
auch wenn sie das nicht auf mich bezogen - ich erkenne den mist auch

aber ich rechne mich realistischer weise der "Unterschicht" an, obwohl ich weder "Poppe", ich vögle gepflegt ;) , noch meine Kinder Kevin oder Jaqueline genannt hätte oder habe. Auch kam mein erstes Kind mit 22. Aber ich kenne Teenagermütter.

Und ja, ich bin Teil einer Unbetitelten Masse die bestehen muss damit ihre Ing., Mas., Mag/a., und Dr. bla bla bla überhaupt irgendeinen Stellenwert haben können. Was mich aber keineswegs weniger menschlich macht. Wodurch ich - wie auch die meisten anderen - mit Herabwürdigung von oben nicht gerne konfrontiert werde. Egal ob sie mich persönlich oder "uns" im Kollektiv betrifft.

Feuergeist
 
00
Ich muß dich hier leider berichtigen:

Ein Ing. is heut nichts besonderes mehr. Den hat bald wer.
Wenn noch ein Dipl. davorsteht oder gar ein Dr. dann ja, aber die "echten" Titelträger legen eigentlich gar keinen Wert drauf da sie sich nicht über solche Nebensächlichkeiten identifizieren. Ar....och ist auch mit 2 Dr. Titeln eines und ein netter Mensch kann das auch ohne Schulabschluß sein.
Es sind eher die geistig armen Auswendiglerner die den Titel brauchen um wer zu sein.

yellow card
26
15.10.2011, 18:35

1) Wie hoch ist dein IQ?
2) Wer verbietet hir wem was?
3) Wie sieht es mit deinen Nachwuchs aus? Wäre er bemerkenswert, würden wir es wahscheinlich wissen!
4) Ist die Unterschicht das worauf du herumtrampelst und die dich dadurch trägt?

hcl3
02
16.10.2011, 17:17

schon bemerkt dass der artikel nicht den minimalsten standards einer wissenschaftlichen pupliktion standhält.
da wird mist veröffentlicht damit die alete werbung nicht allein da steht

Vergib ihnen
00
15.10.2011, 11:39
Mann sollte jünger sein als die Frau

es ist dies nichts weiter als der x-te hinwis darauf, dass es für BEIDE besse ist, wenn der Man jünger ist als die Frau.

Raphael Hythlodeus
01
15.10.2011, 00:59
"ärztin für naturheilkunde", eine contradictio in adiecto

Moin
 
00
14.10.2011, 23:07

ich bin sicher, dass das den meisten noch nicht bekannt war. sollte man als fortplanzungsfreudiger mann in den besten jahren auch nicht leichtfertig ignorieren.

hcl3
00
16.10.2011, 17:18

der artikel ist mist
nicht eine einzige behauptung wird belegt
mutmassungen

Transalpin2
30
14.10.2011, 16:57
Frau Dr. ignoriert die Evidenz-Lage

Can J Public Health. 2003 Mar-Apr;94(2):88-92.
Is paternal age associated with an increased risk of low birthweight, preterm delivery, and multiple birth?

Woertliches Zitat aus den Conclusions:
Paternal age is not a risk factor for LBW or preterm delivery among low risk women. The increased risk of multiple birth with increased paternal age, regardless of parity, requires confirmation among other populations.

Aber differenzierte Urteilsbildung scheint schwer ....

nina yankow
00
15.12.2011, 10:38

"not a risk factor for low birthweight or preterm delivery among low risk women" - was ist mit den anderen einwänden (krankheitsrisiken, mortalität unter 18), was ist mit frauen, die nicht als "low risk" gelten?

Kohlhaas1
00
14.10.2011, 15:10
Und ? Will man nun damit sagen , daß ältere Männer auf Nechwuchs verzichten sollen ?

nina yankow
00
15.12.2011, 10:42
wenn man nur lesen könnte

es wird empfohlen: spermien vor 40 einfrieren od. adoption.
höheres risiko heißt natürlich noch lange nicht, dass man nicht auch gesunde, intelligente kinder haben kann. aber man sollte eben das höhere risiko kennen. ich bin als frau auch froh, dass öffentlich bekannt wurde, dass mit steigendem alter der frau einige risiken steigen (zB frühgeburten, trisomie) - das heißt ja noch lange nicht, dass es für frauen ab 35 verboten ist, kinder zu kriegen. selbes gilt bei den männern.

Natchez
00
15.10.2011, 16:53

Ja, genau das. Und nicht rauchen, trinken, fett essen, zu viel oder zu wenig Sex haben. In jeder Hinsicht ein Leben nach dem statistischen Durchschnitt führen. Das wär's!

silvia herz
00
14.10.2011, 12:20

die einen rauchen, die anderen essen zu fett, wieder andere sind alkoholiker ... auch diese leute zeugen kinder ohne an die folgen zu denken. muss es soweit gehen, vor der familiengründung einen gen-check machen zu müssen? das geht dann wohl doch zu weit - wir können auf diese art und weise auch nicht dazu beitragen dass es in zukunft dadurch mehr gesunde, immer langlebigere menschen gibt. wir sind eben alle nur menschen...
http://www.babylog.at/2011/stor... ine-kunst/

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