Microsoft-Gründer: "Ich werde Steve enorm vermissen" - Trauer über Tod von Apple-Mitbegründer Steve Jobs in den USA
Der Tod des Apple-Mitbegründers Steve Jobs hat in den USA Trauer und Bestürzung ausgelöst. Jobs starb am Mittwoch im Alter von nur 56 Jahren.
Apple-Chef Tim Cook schrieb in einer E-Mail an die Angestellten des Unternehmens, "Apple hat einen Visionär und kreativen Genius verloren, und die Welt hat einen unglaublichen Menschen verloren. Diejenigen von uns, die glücklich genug waren, (ihn) zu kennen und mit Steve zusammenzuarbeiten, haben einen lieben Freund und inspirierenden Mentor verloren."
Ein sehr trauriger Tag "für uns alle"
Der Chef des Internetgiganten Google, Eric Schmidt, der früher selbst eine führende Position bei Apple innehatte, sprach von einem sehr traurigen Tag "für uns alle". "Steve war so charismatisch brillant, dass er Menschen inspirierte, das Unmögliche zu tun". Er werde als der größte Computererfinder in der Geschichte in Erinnerung bleiben.
Microsoft-Gründer Bill Gates, der als Technologie-Trendsetter zuletzt
zunehmend in den Schatten Jobs' geriet, zollte dem Kollegen und
Konkurrenten Respekt: "Für all diejenigen, die das Glück hatten, mit ihm
zusammenzuarbeiten, war dies eine unsagbar große Ehre." Jobs'
ungewöhnliche Strahlkraft werde sich noch auf viele Generationen
auswirken. News-Corp-Patriarch Rupert Murdoch sparte gleichfalls nicht
an Lob: "Heute haben wir den einflussreichsten Denker, Schaffer und
Unternehmer aller Zeiten verloren", erklärte er. "Steve Jobs war der
größte Konzernchef seiner Generation."
Einfluss
Die Chefin von Hewlett-Packard, Meg Whitman, meinte, Steve Jobs sei ein Unternehmer und Geschäftsmann mit Kultsymbolcharakter gewesen, dessen Einfluss auf die Technologie über das Silicon Valley zu spüren war. Er werde wegen Innovationen, die er auf den Markt gebracht und Inspiration, die er der Welt gebracht habe, in Erinnerung bleiben.
Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg meinte: Heute Abend habe Amerika ein Genie verloren, an das man sich erinnere wie an Edison und Einstein und dessen Ideen die Welt für Generationen prägen würden.
"Mutig genug anders zu denken"
US-Präsident Barack Obama sagte, die Welt habe einen Visionär verloren. Jobs gehöre in die Reihe großer amerikanischer Erfinder: "Mutig genug anders zu denken, kühn genug zu glauben, dass er die Welt verändern kann und talentiert genug, dies auch zu tun", erklärte Obama. "Vielleicht gibt es keine größere Ehrenbekundung für Steve, als dass ein Großteil der Welt von seinem Ableben auf einem von ihm erfunden Gerät erfahren hat." Wie nur selten zu erleben, schlossen sich weltweit Politiker dieser Einschätzung an. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy äußerte sich ähnlich. Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler betonte im ZDF, der Wirtschaft sei ein großes Unternehmervorbild verloren gegangen. "Das ist natürlich ein großer Verlust, allerdings weit über die Wirtschaft hinaus."
Mentor und Freund
Internet-Netze wie Twitter waren voll von Würdigungen. Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg bedankte sich bei seinem "Mentor und Freund" mit den Worten: "Du hast mir gezeigt, dass man mit seinen Werken die Welt verändern kann." Die beiden SAP-Chefs Jim Snabe und Bill McDermott erklärten, die Welt habe einen Visionär, Gestalter und guten Menschen verloren. "Steve Jobs hat immer Grenzen infrage gestellt, das Unmögliche versucht und Perfektion kultiviert."
Großes Erbe
Zahlreiche Größen der Technologie- und Medienindustrie schlossen sich mit Würdigungen an. Für den finnischen Handy-Riesen Nokia, den Apple auf dem Boom-Markt der Smartphones abgehängt hat, erklärte Chef Stephen Elop: "Steves Leidenschaft für Einfachheit und Eleganz hinterlässt ein Erbe, das uns noch über Generationen hinweg begleiten wird." Google-Chef Larry Page schrieb auf Google+, Jobs' absolute Konzentration auf den Nutzer habe ihn immer inspiriert. Der Konzern stellte den Schriftzug "Steve Jobs, 1955 - 2011" direkt auf die Titelseite seiner täglich millionenfach aufgerufenen Suchmaschine. Es ist vor allem Google, das mit seinen Android-Smartphones zuletzt dem Apple-Verkaufsschlager iPhone zunehmend Konkurrenz machte.
Durch die Brille des Kunden geschaut
In den Reigen der internationalen Kondolenzen reihen sich auch die heimischen Mobilfunker und IT-Unternehmen ein. "Visionär" und "Revolutionär" sind die meistgenannten Eigenschaften, die Jobs zugeschrieben werden. "Er hat unsere doch sehr technokratische Branche vollkommen auf den Kopf gestellt - indem er uns gezeigt hat, was es heißt, durch die Brille der Kunden die Welt der Technik zu sehen" würdigte ihn Telekom Austria-CEO Hannes Ametsreiter. Jan Trionow, Chef von 3, meint auf Anfrage der APA: "Mit Steve Jobs haben wir einen einzigartigen Visionär verloren, der die Welt der Unterhaltungselektronik und der Mobiltelefonie mit seinen außergewöhnlichen Innovationen geprägt hat wie kein anderer."
Apple verliert seine "Seele"
Viele Experten gehen davon aus, dass der seit Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte Jobs zwar die Grundlagen für weitere Erfolge seines Konzerns gelegt hat. Doch ohne Jobs als führendem Produktentwickler, Marketing- und Verkaufsstrategen steht der Konzern vor neuen Herausforderungen. Der stets in schwarzem Rolli und Blue Jeans auftretende Jobs galt als Herz und Seele des Computer-Giganten.
(APA)