Herbert Prohaska "kann nicht alles loben"

Interview | Philip Bauer, 5. Oktober 2011, 23:52
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    foto: apa/van bakel

    "Nichts würde mich mehr freuen, als mit Koller zur WM nach Brasilien zu fahren."

Der Chefanalytiker der Nation ließ zuletzt mit deutlicher Skepsis ge­gen­über Teamchef Marcel Koller aufhorchen

Wien - Der heimische Chef-Analytiker und Krone-Kolumnist Herbert Prohaska hieß den neuen ÖFB-Teamchef Marcel Koller dieser Tage nicht gerade herzlich willkommen. "Solche Trainer haben wir bei uns genügend", ließ er unter anderem wissen. Philip Bauer erwischte ihn für derStandard.at am Telefon.

derStandard.at: Haben Sie die erste Pressekonferenz von Marcel Koller verfolgt? Wie hat sie Ihnen gefallen?

Prohaska: Ja, natürlich habe ich sie gesehen. Gefallen hat sie mir weder gut, noch schlecht. Es war eine ganz normale Pressekonferenz im Rahmen einer Präsentation. Dazu kann man eigentlich nicht viel sagen.

derStandard.at: Marcel Koller wurde in der ZIB2 mit Ihren Aussagen in der Krone konfrontiert. Er meint, Sie würden seine Arbeit nicht kennen und sollten erst später urteilen.

Prohaska: Da hat er auch recht. Mir liegt es fern, einen Teamchef noch vor dem ersten Spiel anzugreifen. Ich wünsche ihm alles Gute und gehe auch nicht davon aus, dass es mit ihm nicht klappen kann. Wenn ich sage, dass diese Arbeit auch einige Österreicher erfüllen könnten, heißt das noch lange nicht, dass ich Marcel Koller schlecht finde.

derStandard.at: Aber ganz glücklich scheinen Sie mit der Wahl des Teamchefs doch nicht zu sein, oder?

Prohaska: Die Wahl ist eine Überraschung. Es wird immer viel über die Strukturen im ÖFB gesprochen und dabei gerne betont, wir wären in Sachen Trainerausbildung am letzten Stand. Aber keiner, der diese Ausbildung genossen hat, bekommt eine wirkliche Chance. Nichts würde mich aber mehr freuen, als mit Koller zur WM nach Brasilien zu fahren.

derStandard.at: Warum glauben Sie, fiel die Wahl letztlich auf Koller?

Prohaska: Es entsteht der Eindruck, dass jener Trainer ausgewählt wurde, der am meisten bereit war, mit Willi Ruttensteiner zusammenzuarbeiten. Ein Großteil der Trainer will die volle Verantwortung übernehmen. Man arbeitet eng mit dem Trainerteam und den Physiotherapeuten zusammen, aber nicht mit dem technischen Direktor.

derStandard.at: Sie haben sich vor allem für Andi Herzog stark gemacht. Warum?

Prohaska: Auch Franco Foda oder Kurt Jara wären gute Alternativen gewesen. Es hätte in Österreich genug Möglichkeiten gegeben. Koller ist hierzulande eher unbekannt, der Druck auf ihn wird groß sein. Ein in Österreich bekannter Name darf vielleicht ein, zwei Spiele mehr verlieren.

derStandard.at: Sie hätten auch Foda als ÖFB-Trainer gutgeheißen. Es geht Ihnen also nicht um In- oder Ausländer, sondern um die Kenntnisse der heimischen Fußballszene? 

Prohaska: Ja, genau. Koller hat am Dienstag selber gesagt, er kennt die Spieler in Österreich kaum. Die Zeit bis zur WM-Qualifikation wird schnell vergehen. Als Klubtrainer würde die Zeit locker ausreichen, ein Nationalteam ist aber was anderes. Aber gut, er wird das schon schaffen.

derStandard.at: Wäre der Job für Herzog nicht zu früh gekommen? Sollte er nicht zuerst seine Erfahrungen bei einem Verein sammeln?

Prohaska: Er ist jetzt 43 Jahre alt, wie lange soll er warten? Vor einem Jahr hat Ruttensteiner angeblich gemeint, Herzog müsse zuerst einen Klub trainieren. Vor seiner Zeit als Technischer Direktor beim ÖFB war er allerdings selbst ein unbeschriebenes Blatt. Und trotzdem waren seine Konzepte für die Nachwuchsarbeit gut.

derStandard.at: Aber ein Trainer muss doch nicht nur das Alter, sondern auch Erfahrung mitbringen.

Prohaska: Wenn Titelgewinne ein Kriterium sind, dann kommt Herzog tatsächlich nicht in Frage. Aber die Arbeit bei einem Verein ist eine ganz andere. Da kann man nicht viel ins Team mitnehmen. Das bringt ihn nicht weiter. Herzog hat als Spieler viele Trainer gesehen, ist seit drei Jahren Coach bei der U21, was fehlt ihm also? Ich sage nichts.

derStandard.at: Vielleicht die Gewissheit, dass er ein guter Trainer ist?

Prohaska: Aber diese Gewissheit haben wir doch bei Marcel Koller auch nicht. Wenn wir uns für die WM qualifizieren oder knapp scheitern ist er ein super Trainer. Aber nur dann. Das ist ja das unfaire an dem Geschäft. Das Kriterium sind die Ergebnisse und sonst nichts. Ich war lieber Spieler.

derStandard.at: Viele Beobachter des Nationalteams denken, dass gerade eine nicht-österreichische Lösung jenseits der klassischen Verhaberung ihre Vorteile hat.

Prohaska: Das hat man vor der Ära Brückner auch gehört. Ich war Spieler bei der Austria und ein paar Monate später deren Trainer. Glauben Sie mir, ich war mit allen Spielern befreundet. Wir haben trotzdem zwei Mal die Meisterschaft und zwei Mal den Cup gewonnen. Daran scheitert es nicht.

derStandard.at: Kritiker meinen, Sie würden Trainer aus dem Ausland härter angehen?

Prohaska: Nein, das kann man mir nicht vorwerfen. Ich nehme mir nur das Recht, meine Meinung zu sagen. Ohne davon auszugehen, dass ich immer Recht habe. Ich bin der erste, der auch sagt: Super, ich habe mich geirrt, wir haben einen tollen Trainer verpflichtet!

derStandard.at: Sie schreiben in ihrer Kolumne, Marcel Koller müsse sich "an den Erfolgen der heimischen Trainer messen lassen müssen". Welche Erfolge? 

Prohaska: Damit ist natürlich nicht die jüngste Vergangenheit des ÖFB-Teams gemeint. Aber Österreich hat sich unter Helmut Senekowitsch, Karl Stotz, Josef Hickersberger und meiner Wenigkeit jeweils für die WM-Endrunde qualifiziert. Wenn sich der Erfolg nicht rasch einstellt, wird man immer sagen: da hätten wir auch einen von uns nehmen können.

derStandard.at: Sie haben auch gemeint, Rückendeckung sei für den Trainer sehr wichtig. Sollten Sie ihm nicht auch solche gewähren?

Prohaska: Ich bin nicht dafür verantwortlich, ihm den Rücken freizuhalten. Ich habe ja keine offizielle Funktion.

derStandard.at: Aber Ihre Stimme hat Einfluss, die Medien haben eine gewisse Macht.

Prohaska: Soweit kann ich nicht gehen. Wenn ich der Meinung bin, ein anderer Trainer wäre besser gewesen, dann sage ich das auch. Ich kann nicht alles loben. (derStandard.at; 5. Oktober 2011)

Herbert Prohaska (56) ist "Österreichs Fußballer des Jahrhunderts". Er spielte erfolgreich für Austria Wien, AS Roma und Inter Mailand. Als Trainer führte er die Wiener Austria zu zwei Meistertiteln und das ÖFB-Team zur WM-Endrunde 1998.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 881
Horstl Schorschl
01
15.10.2011, 07:46
"Beim ÖFB, bzw unter Ö's Trainern...

... SAN ABER A A POA HUANKINDA DABEI!"

Gö Bertl !? ;D

Dilbert1
02
11.10.2011, 13:26
Österreichs Fußballer des "Jahrhunderts"

Welches Jahrhundert noch mal genau?

lady jane
01
12.10.2011, 12:11

nicht das aktuelle jedenfalls - und das sagt schon genug.
für manche ex-helden ist die pension mittlerweile mehr als überfällig - leider dürfen sie ihren müll in orf, österreich, heute und krone weiter abladen.

kernoelpapst
02
11.10.2011, 11:13
R.E.S.P.E.C.T. - find out what it means to me ...

Die Reaktion von Franco Foda ist die, eines professionellen und guten Trainers. Was da manche frustrierte 78er-Veteranen von sich gegeben haben, ist beschämend und spricht ihnen jeglichen Charakter ab! Diese Leute (Jara, Krankl, Prohaska & Co.) sind ja z. T. seit Jahren ohne Trainerjob und deshalb fällt denen wahrscheinlich daheim die Decke auf'n Kopf. Der ÖFB bzw. die Nationalmannschaft Österreich kann doch nicht die Spielwiese oder das Reha-Zentrum für abgehalfterte ex-Fussballer sein.
Fodas Reaktion hat Stil. Den hat man oder eben nicht! Michael Koller zum jetzigen Zeitpunkt zu kritisieren, ist doch das allerletzte und völlig entbehrlich!

Superstarr
00
15.10.2011, 01:36
schon wieder ein neuer der michael ... ;-)

kokko
011
10.10.2011, 22:06
"Ein in Österreich bekannter Name darf vielleicht ein, zwei Spiele mehr verlieren."

schneckerl beweist mit dieser aussage mittlerweile nicht nur, dass er ein armes beleidigtes würschterl ist, sondern auch dass er genau _nicht_ versteht worum es geht.

mir ist es sch*** egal wie sympathisch der trainer ist und ob er mit den spielern nachm spiel karten tippelt, mit allen befreundet ist oder ob ihn die krone mag. ich möchte
1. gute ergebnisse sehen
2. gute spiele sehen.

und nicht "vielleicht 1-2 spiele mehr verlieren" (in einer 5er gruppe mit insg. 8 spielen wären das 25% aller spiele!!!) und alles ist leiwand weil eh alle super san.

bleibt zu hoffen, dass insb. seitens der medien außer der krone und den cordoba-haberern (inkl. wurmfortsätze schinkels, polster & co.) niemand dieses dreckige spiel mitspielt.

the Uberist
04
10.10.2011, 18:28

Wer hat dem Prohaska das Recht gegeben, dass er überall seinen Senf dazugeben muss/darf?

Oder nimmt er sich das einfach raus weil er mal a guter Kicker war?

Ich finds ganz schön lächerlich was der aufführt.

menf
03
10.10.2011, 15:32
Wie lange noch "Gute-Nacht"-Prohaska beim ORF?

Bitte liebe Gebührenzahler wehrt Euch mittels mails etc. beim ORF gegen den Oberhaberer-Gute Nacht-Prohaska.

Die 78er sollen endlich verschwinden und einer positiven Entwicklung des Ösi-Fussballs nicht mehr im Weg stehen !!!

Is.no.gud
05
10.10.2011, 13:02
eigentlich...

müssten wir froh sein über die selbstdemontage der alteingesessen sesselkleber.
das schlimme ist, dass die sich das sagen trauen.
jetzt wird immer deutlicher, dass es nciht NUR am den spielern gelegen ist.
ich hoffe inständig der Koller reisst was und diese inzestiöse habererpartie reist ab.

der echte
02
10.10.2011, 05:39

mit welcher vehemenz der prohaska seinen freund ogris einen job zu schanzen wollte ist schon dumm.
er selbst kritisierte brückner und jetzt koller und mit einer an dummheit grenzenden idiotie, welche ''guten''trainer haben wir im ausland, einen hicke.
sonst wurden nur die jetzigen gelobhudelt, die nix zusammen bringen, wenn wir glück haben, bestehen einige in der el, aber sonst???? tote hose.

Arnold Hau
00
10.10.2011, 21:20
Hickersberger ist ein guter Trainer

Das hat man bei Rapid und auch im Team gesehen. Unter ihm wurde ein mutiger und zukunftsfähiger Fussball gespielt.

Ich war vor seiner Zeit als Trainer bei Rapid kein Fan von ihm, aber seine Arbeit hat mich damals wirklich beeindruckt, vor alllem wenn man es direkt im Stadion gesehen hat.

Beim Team war der Bruch nach Hickersberger das Problem, vorher hat man eigentlich gemerkt, wenn das noch besser abgestimmt ist könnte wirklich was draus werden. Nachher wars ohne Plan und Ziel.

der echte
00
11.10.2011, 07:10

hicke ist kein team trainer, eher klubtrainer..
aber gut, er feiert da unten? seine erfolge...

Studentenfutter
31
10.10.2011, 10:35
Guten Morgen!

Ich habe dein Posting nicht ganz vestanden! Kannst du es mir bitte nochmal erklären?

Danke!

der echte
32
10.10.2011, 17:27

lerne denken, dann kommst drauf was ich meine...
und sowas will studieren???
du nimmst nur einen ''echten' den platz weg..

achso?!_alles klar!
00
14.10.2011, 20:01
nein,

ihr post i s t wirr.
irgendwie gehobnudelt, wissen sie, was ich meine?
wenn nicht: denken lernen...

sebastian deissler
05
9.10.2011, 23:43
Leserbrief wurde abgeschickt

ORF, ORF-SPORT,Kurier, Krone, Standard, Presse, SN, TT haben von mir einen Leserbrief bekommen.

Das Thema Habererpartie wird von den großen Medien totgeschwiegen. Bis jetzt haben erst die Salzburger Nachrichten darüber geschrieben.

Da muss man gleich nachlegen, diese Haberer lähmen den Fussball.

fucking anglizismen
06
10.10.2011, 01:47
in einer deutschen zeitung wars schon vor der talkrunde ein thema

"Die meisten von Didis Vorgängern waren besser bekannt unter ihren Kampfnamen Peppi (Hickersberger), Schneckerl (Prohaska) und Goleador (Krankl), lustige Burschen allesamt, zu deren herausragendsten Karriere-Leistungen es gehört, den Piefkes bei der WM 1978 die Schmach von Cordoba zugefügt zu haben.

Seither haben sie den österreichischen Fußball in wechselnden Funktionen im Griff. Wenn sie nicht gerade selber Teamchef sind, schreiben sie Kolumnen für Boulevardzeitungen, in denen sie mit hinterhältigem Schmäh über den Teamchef lästern (aufgrund eines noch nicht näher untersuchten Zufalls gibt es in Österreich ungefähr genau so viele Boulevardzeitungen, wie es Helden von Cordoba gibt)." [www.sueddeutsche.de]

Fernando Castro
02
9.10.2011, 19:51
Schließlich ist das 0:5 Liechtensteins in Spanien gar nicht so schlecht...

Da haben andere Mannschaften schon viel höher verloren.Herbert Prohaska (offensichtlich verdrängend, dass er selbst Teamchef beim 0:9 Österreichs gegen Spanien war)
Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär.
Hans Krankl
Ham and Eggs mit Schinken und Ei.
Hans Krankl (auf die Frage nach seiner Leibspeise.)
Die Bedeutung von Taktik sei generell überbewertet.
Constantini
Bei der Fußball-WM habe ich mir Österreich gegen Kamerun angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten – und auf der anderen Seite Kamerun! Dieter Nuhr

Alexandre P
02
9.10.2011, 18:46
gutes zeichen

es ist ein gutes zeichen, dass sich ein paar haberer die österreich fussballtechnisch im 20. jhdt gehalten haben ans bein gepinkelt fühlen. vielleicht kann es jetzt wirklich endlich bergauf gehen.

mountaineer
01
9.10.2011, 18:01

Höher als 9:0 wird auch Koller nicht gegen Spanien verlieren.

Fandango
02
11.10.2011, 09:08

Samma froh, danach war er wenigstens weg. die Mannschaft hat sich damals auch nur trotz Prohaska und nicht wegen ihm qualifiziert. ohne Herzogs Einzelleistung hätten wir Schweden nie ausgeschalten.
Wenn ich denke welchen Angsthasen Fußball er 98 hat spielen lassen.

Und außerdem hätten wir so nie den subtilen humor von Toni rambo pfeffer erkannt.

"na hoch wermas nimmer g'winnan" .... Muuuhaha.

fanzoni1
010
9.10.2011, 14:03
Charakterschwäche

Was mich ärgert, ist die beleidigte Bissigkeit, die Prohaska angesichts der Bestellung eines "Nicht-Haberers" zeigt - verglichen mit der auffallenden Zurückhaltung angesichts der unzähligen Dummheiten in der Ära DiCo.
Da hat er sich vornehm auf die Kommentierung von Details beschränkt - aber nicht mal bei den schlimmsten Blödheiten DiCos den Mund aufgemacht.

Episcopus
04
9.10.2011, 12:58
Also ich finde, der ORF handelte ideal!

Statt sich offen auf die Seite von Neo Teamchef Koller zu stellen, überliess er es den eingeladenen Podiumsteilnehmern selbst, ihre Inkompetenz unter Beweis zu stellen. Nun hat fast jeder erkannt, warum niemand von ihnen Teamchef werden kann.

PS: Ein hervorragendes Trainerausbildungskonzept muss nicht zwangsweise hervorragende Trainer hervorbringen, es kommt immer noch auf die Teilnehmer an.

george mori
09
8.10.2011, 22:48

"Ich hab ja nichts gegen den Koller, ABER.."

niederträchtige argumentation, die nichts anderem dient als dem neuen trainer steine in den weg zu legen.

Mindestpreis
015
8.10.2011, 18:56
Prof. Schneckerl als ÖFB Headhunter

Einfach nur mehr peinlich der Prof. Schneckerl, Freunderlwirtschaft par excellence:
http://www.youtube.com/watch?v=I... r_embedded

Kommentar posten
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