Poetischer Spaziergang durch das Herbstlaub

5. Oktober 2011, 18:15
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Die englische Band And Also The Trees gastierte am Dienstag im Wiener Fluc

Wien - Postpunk gilt als immergrünes Fach. Seit Joy Division 1977 anfing, dem rohen Punk eine düstere Note zu verleihen, lässt sich die musikalische Finsternis kaum erhellen.

Die Band um Ian Curtis öffnete mit das Tor zu einer Musikrichtung, die in zahlreiche Unterkategorien gefächert wurde. Unter Darkwave findet man die englische Band And Also The Trees, die am Dienstag im Fluc gastierte. Als Auftakt der Programmreihe "Autumn Nights" erfüllte sie die Räumlichkeiten mit einem intensiven Blätterrauschen.

1979 strichen die zwei Brüderpaare Havas und Jones durch die englische Grafschaft Worcestershire, fernab der trüben Großstädte. Bald fanden die vier zu ihrer eigenen Ästhetik. Neben dem weitgehenden Verzicht auf Synthie-Sounds baute die live heute zu sechst spielende Formation auf mandolinenartiges Gitarrenspiel, den malerischen Gesang von Simon Huw Jones und einen dröhnenden Kontrabass. All dies macht den Flair ihrer musikalischen Eigenheit aus.

Frontmann Jones ergriff live im weißen Hemd mit stilechtem Halstuch wie ein düsterer Dandy das Mikrofon, und seine Stimme erhob sich im Tremolo. Das Set bot einen Querschnitt aus der elf Alben umfassenden Diskografie. Bei Slow Pulse Boy rezitierte Simon beschwörend den Text, die Band türmte ihren Sound zu einem mitreißenden Strom. Paradiso wartete mit fast schon jazzigen Klängen auf, und bei The Beautiful Silence verfiel das Publikum des gut besuchten Saals in ein sanftes Schunkeln. And Also The Trees schaffen zeitlose Melodien.

Wenn es auch einer melancholischen Stimmung bedarf, um sich auf die Lieder einlassen zu können, war es erstaunlich, wie kraftvoll die Musik nach so langer Zeit immer noch wirkt. (anma/ DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2011)

 

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