Interreligiöses Dialogzentrum erregt die Gemüter
Wien - Das in Wien geplante interreligiöse Dialogzentrum in Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien sorgt weiter für Diskussionen. Der Ministerrat hat das Projekt am Dienstag abgesegnet, Außenminister Michael Spindelegger (VP) soll die Verträge am 13. Oktober unterfertigen. Das Zentrum soll in einem Palais in der Wiener Innenstadt angesiedelt werden und noch heuer mit 60 Mitarbeitern seine Tätigkeit beginnen.
Empört zeigen sich die Grünen. Ihre Abgeordnete Alev Korun sprach von einem "schlechten Scherz". Ausgerechnet Saudi-Arabien, wo auf "Abfall vom Islam" die Todesstrafe stehe, solle einen internationalen interreligiösen Dialog fördern wollen, fragte sich Korun. In Saudi-Arabien seien bekanntlich alle Religionen "außer dem ultrakonservativen und fundamentalistischen Wahabismus" verboten. Der im 18. Jahrhundert gegründete Wahabismus gilt als besonders konservativ-puritanische Auslegung des Islam.
Initiative begrüßt
Spindelegger hingegen begrüßt die Initiative ausdrücklich. Mit dem Zentrum könne sich Wien als Plattform und Drehscheibe für Dialog und Frieden präsentieren. Ziel sei es, mit Dialog Konflikten und Kriegen vorzubeugen. Veranstaltet werden sollen Konferenzen, Seminare und Fortbildungsveranstaltungen. Kosten für die Republik entstehen durch das Zentrum nicht.
Gegen das Projekt haben sich am Mittwoch auch der grüne Bundesrat Efgani Dönmez und die Initiative Liberaler Muslime Österreichs (Ilmö) ausgesprochen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft hingegen hat nichts dagegen und hofft laut Presse auf einen "Dialog der Völker". (red/DER STANDARD-Printausgabe, 6.10.2011)