Es wird zurückgespieben!

5. Oktober 2011, 17:42
10 Postings

Beim Oktoberfest gehen kräftige Frauen krügelweise gegen die Gehaltsschere vor

Der Equal-Pay-Day am 4. Oktober hat die deprimierende Wahrheit wieder einmal ins Licht gerückt: Mit der Einkommensgerechtigkeit zwischen Männern und Frauen sieht es in Österreich sehr schlecht aus. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) präsentierte zum Anlass ein Online-Tool, mithilfe dessen Frauen das ihnen laut Beruf und Ausbildung durchschnittlich zustehende Gehalt rasch errechnen können (gehaltsrechner.gv.at).

Da dieses wertvolle Instrument vorerst nur psychologisch Wirkung zeitigt, muss anderweitig für geschlechtsneutrale Löhne gekämpft werden. Und dafür lieferte das ORF-Magazin direkt am Dienstag einen gut getarnten Hinweis. Subtil eingebettet zwischen einem Beitrag zum Wiener Heckenschützen und einem über die generellen Gefahren durch Plastik, führte Moderatorin Doris Golpashin auf die Münchner Wiesn, wo das Oktoberfest just einen Tag vor dem Equal-Pay-Day zu Ende ging. Hier gehen kräftige Frauen krügelweise gegen die Gehaltsschere vor. Dazu benötigen sie ein gut geschnürtes Dirndl (gekauft bei der berühmten Wiesnbabsi), gut geschnürte Wanderschuhe, gut geschnürte Hände (die Glasränder schneiden ein) und eine angekettete Geldbörse (man weiß ja, wie schnell einem das Geld aus der Tasche gezogen wird).

Nina kann elf Maß auf einmal tragen (das sind elf Liter). Von den neun Euro, die eine Maß kostet, gehen 82 Cent an sie. Am Ende, nach sechzehn Tagen Oktoberfest, könnte sie, so die Hochrechnung, 15.000 Euro verdient haben. Das stellt das eine oder andere delikate Gehalt natürlich in den Schatten. Allerdings, Nina kann noch etwas: darüber hinwegsehen, dass so mancher Biertrinker auch zurück ins Glas speibt. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgabe, 6.10.2011)

Share if you care.