Wie die Sprachförderung in den Kindergärten finanziert werden soll, ist derzeit unklar - In der neuen Vereinbarung zwischen Bund und Ländern ist kein Geld dafür vorgesehen
Wien - Wozu wurde eigentlich das verpflichtende letzte Kindergartenjahr eingeführt, wenn es jetzt vom Bund kein Geld mehr für die sprachliche Frühförderung gibt? Martina Wurzer, die Bildungssprecherin der Wiener Grünen findet es jedenfalls "völlig absurd, dass die Bundesregierung nun auf halbem Weg stehenbleibt" .
Die neue 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zum Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen hat am Dienstag den Familienausschuss des Parlaments passiert. Der Bund stellt bis 2014 rund 55 Millionen Euro (heuer zehn Millionen, in den Folgejahren je 15 Millionen) für den Ausbau von Betreuungsplätzen zur Verfügung. Die gleiche Summe müssen auch die Länder aufbringen, schließlich ist Kinderbetreuung Ländersache. Bloß die fünf Millionen Euro, die der Bund zwischen 2007 und 2010 jedes Jahr für die sprachliche Frühförderung lockergemacht hat, finden sich in der neuen Vereinbarung nicht mehr.
Man habe die Sprachförderung bewusst nicht in die Vereinbarungen aufgenommen, erklärte der zuständige Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) im Ausschuss, weil man einer "Verwässerung" vorbeugen wolle. Für die weitere Bereitstellung der Mittel bedürfe es, so Mitterlehner, einer eigenen Initiative, bei der sich Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) und Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) miteinander abstimmen müssten.
Man führe mit Ministerin Schmied über alle möglichen Themen Gespräche, hieß es am Mittwoch aus dem Büro von Kurz, "aber nicht über Sprachförderung in der bisherigen Form" .
Die Länder werden durch den Wegfall der Gelder für die Sprachförderung jedenfalls zusätzlich belastet. Schließlich müssen sie bereits seit Jahresbeginn die Kosten für die Sprachförderung komplett übernehmen, weil die erste 15a-Vereinbarung mit Ende des Vorjahres ausgelaufen ist.
Nachdem die fünf Millionen vom Bund wegfallen, hofft man auf zumindest einen Teil der sechs Millionen, die das Integrationsstaatssekretariat nun vergibt. den die "Ich wünsche mir, dass es eine Lösung geben wird" , sagt der Wiener Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SP). "Vielleicht kann Staatssekretär Kurz von den sechs Millionen Euro Förderung, die für Integrationsprojekte zur Verfügung stehen, etwas für die Sprachförderung aufwenden."
Am Montag hatte das Integrationsstaatssekretariat bekanntgegeben, mit dem Geld - einem Teil des Budgets - 67 Projekte zu fördern. Für den Bereich "Deutsch" stehen 2,1 Millionen zur Verfügung - für 28 Organisationen und Projekte, die Sprachförderung für Jugendliche und Kinder anbieten.
Grundsätzlich sei es nicht gut, wenn Spracherwerb nicht die entsprechende Priorität erhalte, man werde weiter daran arbeiten, ob und wie man die sprachliche Frühförderung in Kindergärten umsetzen könne, so ein Sprecher von Kurz. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2011)