Weil jetzt nur eine Logistikfirma Versender auf Sicherheit überprüft, sei Monopol geschaffen worden
Wien - Aufgrund der neuen Flugsicherheitsbestimmungen, die
im Gefolge der 9/11-Terroranschläge erlassen wurden, müssen die
Versender von Luftfracht entsprechend zertifiziert sein. Im Sommer
hat das Verkehrsministerium eine Stelle geschaffen, die auch die
Auftraggeber von Luftfracht direkt validiert. Zuständig dafür ist nun
die Tochterfirma eines großen Logistikkonzerns. Was die heimischen
Spediteure zum Schäumen bringt: Durch die Vergabe an nur einen
Anbieter sei ein Monopol geschaffen worden - angesichts des ohnehin
schon herrschenden Wettbewerbsdrucks in der Branche "ein Wahnsinn",
wie Harald Bollmann, Präsident des Zentralverbandes Spedition &
Logistik, am Mittwoch sagte.
Für die Zertifizierung der Spediteure, die mit
Luftfahrtunternehmen Geschäfte machen, ist das Verkehrsministerium
zuständig, das den Status "reglementierter Beauftragter" vergibt.
Damit sind Auflagen bezüglich Kontrolle und Handlung der Fracht
verbunden. Diese reglementierten Beauftragten mussten bis dato selbst
bestimmen, ob ihrer Kunden "sicher" sind oder nicht. Erstere bekamen
den Status "bekannte Versender", bei den anderen mussten die
Sendungen physisch überprüft werden. Für die Spediteure eine
unbefriedigende Situation, denn durch die Überprüfung könne sich die
Luftfracht für den Auftraggeber um bis zu 400 Prozent verteuern, so
Bollmann in einer Aussendung am Mittwoch. In der Praxis habe daher
nahezu jeder Auftraggeber den Status "bekannter Versender" erhalten.
Abhilfe sollte eine unabhängige Stelle schaffen, die auch die
Auftraggeber der Versendungen direkt bewertet. Die Spediteure müssten
nur mehr überprüfen, ob ihr Kunde auch ein "bekannter Versender" ist.
Klänge alles gut, hätte nicht das Verkehrsministerium den Auftrag für
die "unabhängige Validierung" an eine einzige Firma vergeben. Noch
dazu an die Sequrity Sicherheitstechnisches Zentrum GmbH, "eine
Tochter der Augustin Quehenberger Gruppe, die selbst als Anbieter von
Transport- und Logistikdienstleistungen auftritt und damit in
direkter Konkurrenz zu den Spediteuren steht", wie sich der
Zentralverband echauffiert. Der Mitbewerber bekomme mit dem Zuschlag
einen "exklusiven Zugang zu Luftfrachtkunden und allen Daten". Die
Spediteure fordern daher, die "unabhängige Validierung" neu an sechs
bis sieben "wirklich unabhängige Einrichtungen" zu vergeben. (APA)