Neue Luftfracht-Regeln

Spediteure warnen vor Wettbewerbsverzerrung

5. Oktober 2011, 17:20

Weil jetzt nur eine Logistikfirma Versender auf Sicherheit überprüft, sei Monopol geschaffen worden

Wien - Aufgrund der neuen Flugsicherheitsbestimmungen, die im Gefolge der 9/11-Terroranschläge erlassen wurden, müssen die Versender von Luftfracht entsprechend zertifiziert sein. Im Sommer hat das Verkehrsministerium eine Stelle geschaffen, die auch die Auftraggeber von Luftfracht direkt validiert. Zuständig dafür ist nun die Tochterfirma eines großen Logistikkonzerns. Was die heimischen Spediteure zum Schäumen bringt: Durch die Vergabe an nur einen Anbieter sei ein Monopol geschaffen worden - angesichts des ohnehin schon herrschenden Wettbewerbsdrucks in der Branche "ein Wahnsinn", wie Harald Bollmann, Präsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik, am Mittwoch sagte.

Für die Zertifizierung der Spediteure, die mit Luftfahrtunternehmen Geschäfte machen, ist das Verkehrsministerium zuständig, das den Status "reglementierter Beauftragter" vergibt. Damit sind Auflagen bezüglich Kontrolle und Handlung der Fracht verbunden. Diese reglementierten Beauftragten mussten bis dato selbst bestimmen, ob ihrer Kunden "sicher" sind oder nicht. Erstere bekamen den Status "bekannte Versender", bei den anderen mussten die Sendungen physisch überprüft werden. Für die Spediteure eine unbefriedigende Situation, denn durch die Überprüfung könne sich die Luftfracht für den Auftraggeber um bis zu 400 Prozent verteuern, so Bollmann in einer Aussendung am Mittwoch. In der Praxis habe daher nahezu jeder Auftraggeber den Status "bekannter Versender" erhalten.

Abhilfe sollte eine unabhängige Stelle schaffen, die auch die Auftraggeber der Versendungen direkt bewertet. Die Spediteure müssten nur mehr überprüfen, ob ihr Kunde auch ein "bekannter Versender" ist. Klänge alles gut, hätte nicht das Verkehrsministerium den Auftrag für die "unabhängige Validierung" an eine einzige Firma vergeben. Noch dazu an die Sequrity Sicherheitstechnisches Zentrum GmbH, "eine Tochter der Augustin Quehenberger Gruppe, die selbst als Anbieter von Transport- und Logistikdienstleistungen auftritt und damit in direkter Konkurrenz zu den Spediteuren steht", wie sich der Zentralverband echauffiert. Der Mitbewerber bekomme mit dem Zuschlag einen "exklusiven Zugang zu Luftfrachtkunden und allen Daten". Die Spediteure fordern daher, die "unabhängige Validierung" neu an sechs bis sieben "wirklich unabhängige Einrichtungen" zu vergeben. (APA)

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