Neuer Premier nach fünf Monaten Geschachere

5. Oktober 2011, 17:12
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    foto: ap/dapd/dieu nalio chery

    Haitis neuer Premierminister Gary Conille (re.) arbeitet seit Monaten eng mit dem UN-Haiti-Gesandten Bill Clinton (li.) zusammen.

Gary Conille gilt als diplomatisch geschickt und genießt parteiübergreifenden Rückhalt

Regierungschefs waren im Karibikstaat bisher meist Spielbälle ihrer jeweiligen Präsidenten. Gary Conille könnte sich aber etablieren: Er gilt als diplomatisch geschickt und genießt parteiübergreifenden Rückhalt.

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Port-au-Prince/Puebla - Fast ein Jahr nach der ersten, turbulenten Wahlrunde und fünf Monate nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten ist die politische Blockade auf Haiti vorerst beendet: Garry Conille wurde vom Parlament zum neuen Regierungschef gewählt. Mit 17 gegen drei Stimmen und neun Enthaltungen ernannte der Senat in Port-au-Prince am Dienstagabend den Arzt zum neuen Premierminister. Das einstimmige Placet des Abgeordnetenhauses hatte Conille schon erhalten.

Zuvor waren bereits zwei andere Kandidaten des Präsidenten Michel Martelly durchgefallen: ei-ner wegen Vorwürfen um Verwicklung in Menschenrechtsverletzungen, der zweite wurde schlichtweg als nicht adäquat abgelehnt.

Auch im Vorfeld der Wahl Conilles gab es Presseberichten zufolge ein heftiges Geschachere. So soll ein Berater des Präsidenten von Conille eine unterschriebene, aber noch nicht datierte Rücktrittserklärung gefordert haben. Es sei zu einem sehr spannungsgeladenen Treffen zwischen dem Präsidenten, dessen Beratern - von denen einige der Duvalier-Diktatur nahestehen - und Conille gekommen, berichtete die Zeitung Le Nouvelliste. Auch die Tatsache, dass er nicht - wie verfassungsmäßig vorgeschrieben - fünf Jahre ohne Unterbrechung im Land gelebt hatte, war dabei ein Thema. Martelly fürchte, dass ein Premierminister, der einen für Haiti ungewöhnlich starken Rückhalt im Parlament genießt, seinen eigenen Führunganspruch streitig machen könnte.

Geschick und Rückhalt

Im Parlament hat die oppositionelle Gruppierung Inité die Mehrheit. Premierminister sind traditionell Spielbälle der politischen Ränkespiele zwischen Exekutive und Legislative und haben eine kurze Überlebensdauer. Ähnlich wie in Belgien ist es auf Haiti nicht außergewöhnlich, dass das Land monatelang ohne funktionierendes Parlament und ohne Premierminister ist.

Conille, ein 45-jähriger Arzt, gilt als sehr diplomatisch und genießt parteiübergreifenden Rückhalt. Als Entwicklungsexperte arbeitete er bei der Uno und steht dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton nahe, der zusammen mit ihm die Wiederaufbaukommission des Landes leitet.

Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre wurde im Jänner 2010 von einem schweren Erdbeben heimgesucht, bei dem 300.000 Menschen starben und 1,5 Millionen obdachlos wurden. Die von Betrugsvorwürfen und Protesten überschatteten Wahlen im November 2010 stürzten das Land zudem in eine tiefe Krise. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2011)


MARTIN FREUKES
 
00
6.10.2011, 14:23
Die Hoffnung ist............

Aufgegeben scheint das ganze Land und die Internen Spannungen zwischen den politischen Gruppierungen sind auch nicht verschwunden.

Bleibt nur die Hoffnung ( welche man nie aufgeben sollte ) das die Bevölkerung sich in erster Linie um Ihre Bedürfnisse kümmert und sich nicht durch Ihre Notsituation in politische Konflikte ablenken lässt.

ein neuer tag
00
6.10.2011, 08:08

Was ist eigentlich mit den überlebenden Opfern des Erdbebens geschehen? Haben die enormen Hilfsgelder aus der ganzen Welt etwas genützt? Ich erwarte mir von den ö-Institutionen eine ehrliche Abrechnung samt Auflistung, was realisiert wurde. Sonst werde ich nie mehr auch nur einen Cent spenden!

Ganymede
00
6.10.2011, 06:45
Fast wie in AT...

Hermine Berg
 
02
5.10.2011, 18:18
fuenf monate geschachere?

im vergleich zu Oesterreich unter Schuessel oder zu Belgien ist das ja geradezu blitzartig schnell.

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