Vorwahl gegen Sarkozy

Französische Sozialisten in Siegerlaune

Stefan Brändle aus Paris , 5. Oktober 2011, 17:00

Bei der Vorwahl am Sonntag wird beschlossen, wer 2012 gegen Nicolas Sarkozy antreten soll

Bis vor kurzem noch galt der französische Parti Socialiste als einziger Scherbenhaufen: Vom konservativen Staatspräsidenten und Tausendsassa Nicolas Sarkozy an die Wand gespielt, fehlte es der Partei an Ideen, Figuren und schlicht am Glauben, nach der Mitterrand-Ära 1981-1995 endlich wieder einmal die Präsidentschaftswahlen gewinnen zu können. Und als mit Dominique Strauss-Kahn endlich ein ebenbürtiger Gegner gefunden war, stolperte dieser prompt über Anschuldigungen sexueller Natur.

Jetzt herrscht wieder Aufbruchstimmung am PS-Sitz in der Pariser Rue de Solférino. Sämtliche Umfragen sehen die Linke ab Mai 2012 im Élysée, dem Ort der absoluten politischen Macht im Land. Gleich mehrere "Ersatzkandidaten", die nach der DSK-Affäre höchstens als zweite Wahl galten, haben die Nase vor Sarkozy. Noch erstaunlicher: Die chronisch zerstrittene Partei schaffte den Umschwung nicht nur wegen den Finanzkrisen und -affären Sarkozys, sondern aus eigener Kraft.

Möglich machen es "les primaires", die Primärwahlen: Sechs Kandidaten und Kandidatinnen treten am kommenden Sonntag und allenfalls auch eine Woche danach zu einem internen Stechen an. Teilnehmen können alle Franzosen, die einen Euro zahlen und eine Charta "linker Werte" unterschreiben. Im Voraus hatten sich die sechs Anwärter zu insgesamt drei Fernsehdebatten getroffen, die letzte war am Mittwochabend.

Und siehe da: Die Einschaltquoten waren so hoch wie das Niveau der Streitgespräche. Plötzlich dominieren die Sozialisten wieder die politische Debatte, während Sarkozy zu einem politischen Statisten degradiert ist, der zudem vor zwei Wochen die Senatswahlen kläglich verloren hat.

Trio an der Spitze

Momentaner Favorit ist der ehemalige Sozialistenchef François Hollande: Umfragen schreiben ihm 44 Prozent der Stimmen gut. Die aktuelle Parteichefin Martine Aubry kommt auf 27 Prozent. Diese Zahlen sind allerdings mit größter Vorsicht zu genießen, da die Umfrageinstitute nicht einmal wissen, wie weit sie den Kreis der Befragten ziehen sollen.

Ex-Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal kann mit den beiden kaum noch mithalten. Die Verfechterin staatlicher Autorität steht in den Umfragen so schlecht da, dass sie sogar von den zwei Außenseitern Arnaud Montebourg vom linken und Manuel Valls vom rechten Parteiflügel bedrängt wird. Diese beiden setzten sich in den TV-Debatten auch am besten in Szene. Dem sechsten Kandidaten, Jean-Michel Baylet, werden keinerlei Chancen eingeräumt, in die Stichwahl vorzudringen.

Aubry und Hollande schenken sich nichts: Sie wirft ihm vor, er rede energiepolitisch um den heißen Brei, soll heißen: den AKW-Ausstieg, herum; und mit der Schaffung von 300.000 Jobs für Junge verjuble er Milliarden. Beide wurden aber nie persönlich, was auf die streitgewohnten Franzosen sehr wohltuend wirkte.

Dennoch war sich Politmoderator Marc-Olivier Fogiel nicht zu schade zu fragen, warum Hollande Aubry mit Küsschen begrüße, seiner ehemaligen Lebensgefährtin Royal hingegen nur die Hand schüttle. Der PS-Favorit, der sich eine medial wirksame Diät verschrieben hat, blockt solche und andere Fragen, etwa nach seiner neuen Freundin Valérie Trierweiler, kategorisch ab. Die Journalistin musste allerdings am Dienstag via Twitter bekanntgeben, dass sie ihre TV-Politsendung einstellt.

Und die Polizei soll in ihrem Privatleben schnüffeln, wie L'Express berichtete. Postwendend erstattete Innenminister Claude Guéant Strafanzeige gegen das Nachrichtenmagazin wegen Verleumdung der Polizei. Sollte Sarkozy involviert sein, würde das seinem Ruf weiter schaden. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2011)

Hans Hansen
10
7.10.2011, 12:01

Die Sozialisten sind nicht stark, sondern es ist schlecht um die UMP bestellt. Die Sozialdemokratie ist (nicht nur in Frankreich) in der Krise.

DuesselDoofer
10
6.10.2011, 08:34
Ségolène muß es machen...

sieht ja traumhaft aus, die Frau.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
11
6.10.2011, 12:51

Aubry's AKW-Ausstieg ist vielleicht wichtiger.

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