Schulpflicht für sechsjährige Kindern erst ab 2013
Warschau - Wegen heftiger Elternproteste wird die
Schulpflicht für sechsjährige Kinder in Polen erst ab 2013 gelten.
Dies teilte der Sprecher des Bildungsministeriums, Grzegorz Zurawski,
am gestrigen Dienstag mit. Die Übergangsfrist, in der die Eltern
selber entscheiden dürfen, ob sie ihre Kinder früher in die Schule
schicken, soll um ein Jahr verlängert werden. Eine entsprechende
Änderung des Bildungsgesetzes soll das Ressort gleich nach der Wahl
dem neuen Parlament vorlegen.
Die Möglichkeit der Verschiebung der Schulreform kündigten
zuvor
Bildungsministerin Katarzyna Hall und Premier Donald Tusk inoffiziell
an. Das Bildungsministerium gab zu, dass Elternorganisationen Recht
haben, wenn sie behaupten, dass viele Schulen
auf die Aufnahme von
Sechsjährigen nicht vorbereitet seien. Für die Verschiebung der
Reform gibt es auch einen anderen Grund. In diesem Schuljahr
entschlossen sich nur 23,6 Prozent der Eltern, ihre sechsjährigen
Kinder einzuschulen. Das bedeutet, dass man im nächsten Jahr in den
ersten Klassen Platz für ein Doppel-Jahrgang finden müsste.
Das Problem griffen Politiker aller Couleurs auf. Die
rechtskonservative Oppositionspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit)
schlug vor, die Übergangfrist bis 2020 zu verlängern. Auch die
Initiatorin der Änderungen, die rechtsliberale Regierungspartei PO
(Bürgerplattform) will die Reform nochmals überdenken. Die
PO-Abgeordnete Agnieszka Kozlowska-Rajewicz betonte jedoch im
Gespräch mit der "Rzeczpospolita", dass die Liberalen die Debatte, ob
die Sechsjährigen eingeschult werden sollen, nicht noch einmal führen
wollen. Die PO möchte nur eine bessere Lösung für die Herabsetzung
des Schulalters finden.
Anfang 2009 beschlossen
Das polnische Parlament beschloss die Schulpflicht für
Sechsjährige Anfang 2009. Das Bildungsministerium forcierte die
Reform, weil es das herabgesenkte Alter der Einschulung für die
"billigste, einfachste und effektivste Art" hielt, Chancengleichheit
herbeizuführen. Die sogenannten Nullklassen für Sechsjährige, die in
Kindergärten und Schulen bisher in Polen
angeboten werden, hätten
nämlich kein einheitliches Niveau und würden von Kindern auf dem Land
kaum besucht. Ursprünglich hätte die Schulpflicht schon von 2010 an
im sechsten Lebensjahr beginnen sollen. Die Regierung hatte das
Gesetz wegen Protesten der Eltern und der Opposition entscheidend
geändert und die Übergangfrist bis zum Jahr 2012 beschlossen. (APA)