Schulpflicht ab 6 Jahren

Polen: Bildungsreform soll wegen Elternprotesten verschoben werden

5. Oktober 2011, 16:33

Schulpflicht für sechsjährige Kindern erst ab 2013

Warschau - Wegen heftiger Elternproteste wird die Schulpflicht für sechsjährige Kinder in Polen erst ab 2013 gelten. Dies teilte der Sprecher des Bildungsministeriums, Grzegorz Zurawski, am gestrigen Dienstag mit. Die Übergangsfrist, in der die Eltern selber entscheiden dürfen, ob sie ihre Kinder früher in die Schule schicken, soll um ein Jahr verlängert werden. Eine entsprechende Änderung des Bildungsgesetzes soll das Ressort gleich nach der Wahl dem neuen Parlament vorlegen.

Die Möglichkeit der Verschiebung der Schulreform kündigten zuvor Bildungsministerin Katarzyna Hall und Premier Donald Tusk inoffiziell an. Das Bildungsministerium gab zu, dass Elternorganisationen Recht haben, wenn sie behaupten, dass viele Schulen auf die Aufnahme von Sechsjährigen nicht vorbereitet seien. Für die Verschiebung der Reform gibt es auch einen anderen Grund. In diesem Schuljahr entschlossen sich nur 23,6 Prozent der Eltern, ihre sechsjährigen Kinder einzuschulen. Das bedeutet, dass man im nächsten Jahr in den ersten Klassen Platz für ein Doppel-Jahrgang finden müsste.

Das Problem griffen Politiker aller Couleurs auf. Die rechtskonservative Oppositionspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) schlug vor, die Übergangfrist bis 2020 zu verlängern. Auch die Initiatorin der Änderungen, die rechtsliberale Regierungspartei PO (Bürgerplattform) will die Reform nochmals überdenken. Die PO-Abgeordnete Agnieszka Kozlowska-Rajewicz betonte jedoch im Gespräch mit der "Rzeczpospolita", dass die Liberalen die Debatte, ob die Sechsjährigen eingeschult werden sollen, nicht noch einmal führen wollen. Die PO möchte nur eine bessere Lösung für die Herabsetzung des Schulalters finden.

Anfang 2009 beschlossen

Das polnische Parlament beschloss die Schulpflicht für Sechsjährige Anfang 2009. Das Bildungsministerium forcierte die Reform, weil es das herabgesenkte Alter der Einschulung für die "billigste, einfachste und effektivste Art" hielt, Chancengleichheit herbeizuführen. Die sogenannten Nullklassen für Sechsjährige, die in Kindergärten und Schulen bisher in Polen angeboten werden, hätten nämlich kein einheitliches Niveau und würden von Kindern auf dem Land kaum besucht. Ursprünglich hätte die Schulpflicht schon von 2010 an im sechsten Lebensjahr beginnen sollen. Die Regierung hatte das Gesetz wegen Protesten der Eltern und der Opposition entscheidend geändert und die Übergangfrist bis zum Jahr 2012 beschlossen. (APA)

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