Deutsche Studierende

Die Invasion der Tüchtigen und Fleißigen

5. Oktober 2011, 16:23

In Salzburg haben sich erstmals mehr deutsche als österreichische Studierende angemeldet - Die Deutschen lösen zwar kulturelle Konflikte aus, stellen aber auch eine Chance für die heimischen Universitäten dar

Salzburg/Wien - Die Eingangshalle der naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Salzburg ist rappelvoll. In kleinen Gruppen stehen junge Leute herum und vertreiben gemeinsam Zeit und Nervosität. Manche haben sich in ihre Unterlagen vertieft und es sich auf dem Boden gemütlich gemacht. Die Hälfte der Kandidaten, die heute die Aufnahmeprüfung für Kommunikationswissenschaften an der Uni Salzburg absolvieren, stammt aus Deutschland. So auch die 18-jährige Lena, die aus der Nähe von Stuttgart kommt: "In Österreich kann man halt leichter einen Studienplatz bekommen", meint sie und fügt fast entschuldigend hinzu: "Salzburg ist aber auch eine sehr schöne Stadt."

Insgesamt fehlen an den deutschen Unis für das nächste Jahr nach Berechnung der deutschen Hochschulrektorenkonferenz etwa 50.000 Studienplätze, wodurch sich die Numerus-clausus- Situation verschärft: Derzeit liegt er an der Uni München für BWL bei 1,7, für Kommunikationswissenschaft bei 1,9. Grund für die mangelnden Plätze sind die Abschaffung der Wehrpflicht und die Kürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre. Während sich im Jahr 2005 360.000 junge Menschen an einer deutschen Uni eingeschrieben haben, rechnet Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, mit rund 500.000 Studienanfängern für dieses Jahr. Es ist daher anzunehmen, dass der Anteil an deutschen Studierenden auch in Österreich drastisch steigen wird. Spürbar wird die akute Platznot vor allem in den grenznahen Uni-Städten: In Salzburg kamen Anfang August sogar 43 Prozent der Anmeldungen aus Deutschland - und nur 39 Prozent aus Österreich.

Kulturelle Unterschiede

Die Uni Wien hingegen verzeichnet einen konstanten Anteil an deutschen Studierenden - am Publizistikinstitut etwa liegt dieser seit Jahren zwischen 20 und 25 Prozent. Doch die Studenten aus dem Norden wirken durch ihre starke Präsenz im Studium überrepräsentiert: "In der Lehre muss man die Deutschen manchmal im Zaum halten, weil sie oft etwas zu sagen haben", meint Studienprogrammleiter Klaus Lojka: "Die Österreicher hingegen überlegen dreimal, ob sie sich zu Wort melden." Die Stimmung zwischen den Studierenden sei gut, da gebe es nichts zu "meckern", nur eine Eigenheit bleibt weiterhin ein Dorn im Auge für Lojka: "Wenn sich jemand mit ,tschüss' verabschiedet, finde ich das komisch, weil , tschüss' bei uns eine gewisse Nähe voraussetzt." Er sehe es als Aufgabe der Universität, "die Deutschen in die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes, in dem sie wenigstens einige Jahre verbringen, einzuweihen", und wünsche sich daher augenzwinkernd ein Plakat vor dem Institutseingang mit der Aufschrift "tschüssfreie Zone".

Deutsche studieren in der Regel schneller als ihre österreichischen Kommilitonen und schneiden auch bei den Aufnahmetests meistens besser ab. Das gilt auch für die Uni Salzburg. 75 Prozent jener, die sich für das Aufnahmeverfahren in Psychologie angemeldet haben, stammen aus Deutschland. Auch im Masterlehrgang liegt die Zahl der deutschen Studierenden bei mehr als 60 Prozent. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle erkennt die akademischen Leistungen der Deutschen an den heimischen Unis an und bezeichnet sie im UniStandard-Interview als "tüchtige, zielbewusste Studierende". Dennoch entstehe durch sie ein "massives Ungleichgewicht". Der ehemalige Rektor der Uni Innsbruck verstehe daher erzürnte Eltern, die sich bei ihm beschweren, dass ihr Kind wegen den vielen deutschen Studierenden nicht mehr an einer österreichischen Uni studieren kann.

Ein Herd für Konflikte? "Vor allem nach den Aufnahmetests beschwerten sich ein paar Österreicher, dass die Fragen extra auf Deutsche zugeschnitten seien, aber im Laufe des Studiums hat sich das gelegt", erzählt Kristian, der seit fünf Jahren in Salzburg lebt und gerade an seiner Diplomarbeit in Psychologie arbeitet. Er möchte auch nach dem Studium in Salzburg bleiben. "Kein Problem" mit deutschen Studienkollegen hat Tanja, die in Salzburg Publizistik studiert: "Die meisten sind Bayern und kommen hier aus der Gegend."

Deutsche Fachkräfte

Viele Experten, darunter Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, warnen vor einem Fachkräftemangel, der sich anbahnt. Kann Österreich nicht jene benötigten Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren, beispielsweise durch deutsche Studierende? Vorbild könnten die Niederlande sein, die bei der Beliebtheitsskala unseres Nachbarlandes ganz oben stehen: Die meisten Deutschen studieren nämlich dort - mehr als in Österreich. Das Beneluxland wirbt aufgrund des Fachkräftemangels aktiv um deutsche Studenten - und mit Erfolg: 50 Prozent der Deutschen bleiben auch nach Abschluss des Studiums im Land. Allerdings greifen die deutschen Studierenden für ein Studium in Holland - im Gegensatz zu Österreich - auch tief in die Tasche: 1672 Euro betragen die Studiengebühren dort. (Fabian Kretschmer, Thomas Macher, Sophie Niedenzu, UniStandard, 6.10.2011)

Kommentar posten
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Werner Faygmann
11
6.10.2011, 14:39
Ich finde, dass Blauwale tolle Tiere sind...

...aber die passen auch nicht in unsere Landschaft ;-)

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs
02
7.10.2011, 22:54

Hätten Sie den Kommentar bei einem Türken-Thema gebracht, wäre er 99%-ig nicht durch die Zensur gekommen.
Aber hier...

schwarzkrähe
01
6.10.2011, 10:19
Wiederum Rechnung...

Wenn jeder 2. deutsche Student nach dem Studium in Österreich verbleibt, dann ist, umgelegt, doch eine "deutsche" Fachkraft doppelt so teuer in der Ausbildung wie eine Österreichische.

kleiner Schelm
00
6.11.2011, 14:04

Dann rechnen Sie aber ein, dass die Schulbildung und Kindergartenzeit (14-16 Jahre!) für Österreich ja kostenlos war ...

somit entsteht durch die 50% in AT verbleibenden Deutschen ein erheblicher Gewinn. Mal von der demographischen Entwicklung ganz abgesehen.

pfs79
00
12.10.2011, 11:59

Beziehen sie besser in Ihre Rechnung auch ein, wieviele Oesterreicher nach dem Studium ins Ausland gehen; das sind nicht so wenige.

Monnemer
35
6.10.2011, 08:10
Erfahrungsbericht eines Deutschen

Als Dt. der selbst in Österreich studiert hat (keines der erwähnten Fächer) und nun hier arbeitet, möchte ich Folgendes erwähnen:
Ausschlaggebend war für mich der Ruf der Uni Wien und vielen Dt. die ich kenne, ging/geht es ähnlich. (NC war kein Thema) Der scheinbar gute Ruf österr. Unis sollte einen eher freuen. Es mag hier unverständlich sein, aber als Dt. sieht man es nicht wirklich als einen Umzug ins Ausland. Es kam mir gleichermaßen exotisch vor nach München, Hamburg, Berlin oder Wien zu gehen. Ich mochte Österreich von je her und mir war gar nicht bewusst, wie einseitig diese Zuneigung ist. Viele dt. Bekannte verließen Österreich nach dem Studium, weil sie genug hatten ständig als Dt. beschimpft zu werden. Nerven tut es mich auch...

Turbinenreiter
03
6.10.2011, 16:38

wohingegen ich mich als österreicher in münchen sehr wohl und willkommen fühle.

einzig immer wieder erklären zu müssen, österreich ist KEIN teil/anhängsl/geheimes bundesland deutschlands, das nervt.
aber da muss man einfach nur mal kurz ernst sagen was los ist, dann ist das kein problem mehr.

Der Waehlerwille
 
00
6.10.2011, 18:02
Genau das ist der Punkt.

Man muss eben keine grundsätzliche Feindschaft daraus machen.

Aber dieses immer wiederkehrende: "aber eigentlich gehört ihr eh .... " macht Menschen einfach weniger sympathisch.

Muss man klären, wenn nötig harsch, dann passts eh wieder.

ca ramba
15
6.10.2011, 14:41

Also ich, Österreicher, mag Deutschland sehr, habe auch noch keine negativen Erfahrungen mit Deutschen gemacht, im Gegenteil. Zudem finde ich, dass Deutschland ein landschaftlich sehr schönes Land ist, und für mich fühlt es sich auch nie so an, als ob ich ins Ausland fahren würde. München, Heidelberg, Koblenz, Tübingen, usw., alles wunderschön!

Allerdings kann ich mir von Österreichern manchmal anhören: "Was, Dir gefällt Deutschland so gut, warum denn das?"
Mir geht dieses Deutschland-bashing auch auf die Nerven, überhaupt dieses ganze dumme Ösi-Piefke-Klischeezeug.

Timagoras
 
11
6.10.2011, 13:20

ich kann Ihre erfahrungen (leider) nachvollziehen.
als Österreicher musste ich mir schon die (ungläubig-entsetzte) frage anhören "du bist mit DEITSCH'N befreundet???"
und zwar nicht von ältlichen stammtischlern, sondern von studenten.
und auch nicht in der vielgescholtenen provinz, sondern in Wien.

Der Waehlerwille
 
21
6.10.2011, 11:47
Schonmal überlegt dass ihre Haltung "nicht ins Ausland" zu fahren .. Österreichern gegenüber von grösstdenkbarer Arroganz sein, oder zumindest verstanden werden, könnte?

Haben sie sich darüber je Gedanken gemacht dass sie damit bereits den Kern des Konflikts gelegt haben und es einem Österreicher praktisch unmöglich werden könnte Ihnen damit neutral gegenüberzustehn?

Jupidupidu
05
6.10.2011, 10:56

vielleicht ist gerade das problem, dass sie sich dessen nicht bewusst sind, in ein anderes land mit anderer kultur, mentalität und teilweise auch sprache zu ziehen.

Plus Lucis
05
6.10.2011, 09:49

Vielleicht haben Sie ja den *anscheinend* guten Ruf der österreichischen Unis gemeint, ansonsten brauchen Sie sich über negative Reaktionen nicht zu wundern.
Davon zu reden, dass die Zuneigung einseitig ist, ist auch sehr tendenziös, da es die umgekehrte Situation, dass Österreicher einen kostenlosen Studiengang in Deutschland völlig dominieren oder Österreicher eine deutsche Uni auf einen Studienplatz verklagen, gar nicht gibt.

Ich habe jedenfalls deutsche Kollegen in Wien gehabt, die mir mein Deutsch in einem gemeinsamen Dokument an eine offizielle österreichische Stelle "ausgebessert" haben, und halte derartige Aktionen für die Hauptursache von negativen Reaktionen, da die meisten anderen deutschen Kollegen bestens integriert waren.

FranzKpunkt
00
6.10.2011, 01:05

Ist ja echt egal wo jemand herkommt. Die Leute sind teilweise 6-7 Jahre in Österreich, finden da Freunde, eine Freundin/einen Freund. So leicht zieht es einen dann nicht mehr weg. Natürlich gibs genug die wieder gehen. Aber ich habe lieber Deutsche in den Deutschland die einen Österreichbezug haben, als keine dort. Irgendwann werden die auch Karriere machen und dann haben wir dort Leute die Österreich hoffentlich mögen und kennen. Sollen sie halt die Studien aufstocken. Wir geben eh ca 2% zuwenig für die Bildung aus.

Schnick
41
6.10.2011, 00:15
Man könnte also sagen, dass selbst diejenigen

Deutschen, die den Numerus Clausus verfehlt haben, immer noch weitaus besser sind wie unsere Studenten.

kl41
01
6.10.2011, 09:56

als...

HLAB27
20
5.10.2011, 20:49

also ich mag das tschüss.......also ein bissl lockerer werden herr institutsvorstand.....

Der Waehlerwille
 
00
6.10.2011, 11:49
tschüss wird in D aber aucb formal verwendet, und nicht wie (zumeist) in Österreich nur "unter Freunden".

kleiner Schelm
00
6.11.2011, 14:18

Formal ist "Auf Wiedersehen" ... tschüss ist nicht formal, auch im Deutschen nicht (wobei D-land aus 16 Ländern besteht mit vielen Eigenheiten ...)

Sicherere Unterschiede:
a) "Herr Ordinarius XY" - "Herr XY"
b) "Mistkübel" - "Mülleimer"
c) ...

Jupidupidu
00
6.10.2011, 10:44

ich nehme an sie mögen auch "doof" und "lecker".

Harl-Geinz Krassers Friseur
21
5.10.2011, 19:42

Da siehts man mal wieder:
Niederlande >>> Österreich
Die machen es besser als wir!
Andere Länder wären froh, wenn sie so leicht Fachkräfte bekommen würde wie wir. Außerdem sind die Deutschen auch die besten Fachkräfte, die man sich vorstellen kann. Die sind im Grunde in ein paar Wochen in Österreich zu 100% integriert.

richard145
 
00
5.10.2011, 19:51

das problem is aber das natürlich einige zurück nach deutschland gehen.
und an studierten publizisten, kommunikationswissenschaftlern und psychologen haben wir genug in österreich.

Titus Feuerfuchs
00
9.11.2011, 16:16
Falsch!

WIR haben genug von Leuten, die vorgeben wollen, dass sie für die Allgemeinheit sprechen.

Harl-Geinz Krassers Friseur
00
5.10.2011, 20:02

das stimmt natürlich.
aber es gibt auch einige deutsche, die an der tu und wu studieren.

und sehen wir es mal von der seite:
wenn die deutschen hier studieren und wir sie dann nach dem studium davonjagen haben wir ein verlustgeschäft gemacht.

wenn wir dafür sorgen, dass die rahmenbedingungen passen und die deutschen gerne nach dem studium in österreich bleiben, können wir uns das geld für deren studium wieder durch die steuern zurückholen.

was ist also die bessere variante?

..mal davon abgesehen, dass wir demographisch eh bald mächtige probleme haben werden. da können wir jeden facharbeiter gebrauchen, wenn wir nicht billige kleidung für die chinesen stricken wollen.

Veronika Lenz
00
6.10.2011, 21:25

dann sollten wir sie aber auch dazu bringen, dass sie ihre besserwisserische Ader ablegen--dieses ständige Mund aufreissen ist auch der Grund warum sie viele einfach nerven--permanentes Geplapper ist ziemlich nervtönend

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