Zu viele Computertomografien und MRTs

Der Präsident des Kongresses kritisiert den zu häufigen Einsatz teurer Untersuchungen und die Verschreibung zu vieler Medikamente

Bad Hofgastein - Eine "Überverschreibung" von Medikamenten und einen oft unnötigen Einsatz teurer Computertomographien (CT) oder MRT-Untersuchungen hat am Mittwoch der Präsident des European Health Forum Gastein (EHFG), Günther Leiner, bei einer Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung des diesjährigen Kongresses kritisiert. Etwa bei Rückenschmerzen würden viel zu oft CT- oder MRT-Untersuchungen angeordnet.

In den USA seien von 1997 bis 2005 die Kosten für bildgebende Diagnostik um 65 Prozent gestiegen, ohne dass dies einen gesundheitlichen Nutzen für Rückenschmerzpatienten gebracht hätte, so Leiner. Das American College of Physicians habe daher seine Mitglieder erst kürzlich dazu aufgerufen, CT und MRT bei Rückenschmerzen nur mehr bei neurologischen Ausfällen oder Anzeichen einer schweren Erkrankung durchzuführen.

Länderspezifische Schwankungen

Auch innerhalb Europas werden MRT- oder CT-Untersuchungen sehr unterschiedlich stark angewendet, was bestimmt nicht nur mit medizinischen Gründen oder mit einer derart unterschiedlichen Gesundheit in den einzelnen Ländern zu erklären sei. Laut OECD-Daten aus dem Vorjahr werden etwa in Griechenland jährlich 98 MR-Untersuchungen pro 1.000 Einwohner durchgeführt, in Island sind es 72, am untersten Ende der Skala finden sich Tschechien mit 28 und die Slowakei mit 24. Ähnlich weit sei die Spanne bei Computertomographien.

Zu viele Medikamente

Auch bei der Verschreibung von Medikamenten ortet der Präsident Einsparungspotenzial: "Menschen über 75 nehmen im Durchschnitt acht Medikamente am Tag ein - mit allen Problemen von Wechsel- und Nebenwirkungen." So habe die deutsche Krankenversicherung "Barmer Ersatzkasse" kürzlich in ihrem Arzneimittelreport aufgedeckt, dass Rund die Hälfte der Demenz-Patienten der höchsten Pflegestufe in den Pflegeheimen mit ruhigstellenden Neuroleptika behandelt wird, obwohl bei angepasster Pflege mindestens 20 bis 30 Prozent weniger nötig wären."

"Nicht jedes Krankenhaus muss alles haben"

Weiters kritisierte der Präsident, dass in Österreich die föderalistische Struktur dazu führe, dass in kleinen Spitälern Leistungen angeboten würden, deren Qualität aufgrund der geringen Fallzahlen zumindest zu hinterfragen wäre. In Österreich gebe es drei teure Spezialgeräte zum Erkennen kleiner Tumore, in ganz Deutschland würden zwei solcher Geräte reichen. "Es muss nicht jedes Krankenhaus alles haben, was teuer ist. Die Arroganz gewisser Primarii ist zu groß", polterte Leiner, der früher selbst Primar einer Rehab-Anstalt war.

Auf der anderen Seite werde seit Jahren über immer knapper werdende Mittel und ökonomische Zwänge geklagt und die Unfinanzierbarkeit der Gesundheitssysteme heraufbeschworen, so Leiner.

"Krisensicheres" Gesundheitssystem

Gesundheitsminister Alois Stöger merkte dazu an, dass man dem Vorwurf der hohen Kosten des Gesundheitssystems gegenüberstellen müsse, dass sich genau dieses System in der Krise in Österreich als stabilisierender Faktor erwiesen habe. Während der Krise seien im Gesundheitswesen sogar neue Arbeitsplätze entstanden.

Das EHFG findet heuer bereits zum 14. Mal statt und wird bis Freitag dauern. Rund 600 Experten aus annähernd 60 Ländern nehmen daran teil, darunter auch etliche Minister und Staatssekretäre. Das Generalthema lautet heuer "Innovation & Wellbeing - Europas Gesundheit 2020 und darüber hinaus". (APA)

 

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