Reaktionen

Töchterle sieht Master an PHs skeptisch

5. Oktober 2011, 15:41

Wissenschaftsminister vermisst universitären Standards bei Personal, Inhalten und Struktur - ÖH fordert gemeinsamen Entwicklungsrat auch für Unis

Wien (APA) - Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) steht dem am Mittwoch präsentierten Plan von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), künftig an den Pädagogischen Hochschulen staatlich finanzierte Master anzubieten, skeptisch gegenüber. "Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen an den Pädagogischen Hochschulen erscheint es diskussionswürdig, ob diese die damit verbundenen Ansprüche derzeit erfüllen können", so der Minister. Derzeit gibt es an den PH nur kostenpflichtige Masterangebote im Fortbildungsbereich, für die Einführung öffentlicher Masterstudien wäre eine Gesetzesänderung nötig.

Annäherung an Uni-Standards

Die geplante Einführung eines Masters sei im Sinne einer hochwertigen Ausbildung grundsätzlich positiv zu sehen. Bei Personal, Inhalten und Struktur sei allerdings noch eine Annäherung der PH an universitäre Standards nötig. Eine Qualitätssteigerung der PH kann laut Töchterle ohne wissenschaftliche Basis nicht gelingen. Gleichzeitig verwies er darauf, dass sich alle in der Lehrerausbildung tätigen Unis bereit gezeigt hätten, sich in den anstehenden Reformen engagiert einzubringen.

Gemeinsame Weiterentwicklung

Dass der Entwicklungsrat die PH an universitäre Standards heranführen soll, ist laut dem Minister für die Zusammenarbeit mit den Unis sicher förderlich. Allerdings müsse ein Entwicklungsrat sich mit dem gesamten Projekt - also der Kooperation und Weiterentwicklung von Unis und PH- beschäftigen. "Da das Projekt bisher gemeinsam bearbeitet wurde, gehe ich davon aus, dass sich bei einer gemeinsamen Weiterentwicklung dies auch auf den Entwicklungsrat erstreckt."

Sünkel gegen PH-Alleingang

Gegen einen "Alleingang" der PH beim Master spricht sich auch Hans Sünkel, der scheidende Präsident der Universitätenkonferenz aus. Da den PH in manchen Bereichen die Kapazitäten fehlen würden, sollten sie vielmehr auf Kooperationen mit den Unis setzen. Sünkel ortet zudem strukturelle Hindernisse, immerhin seien die PH im Gegensatz zu den Unis nicht autonom, weshalb sämtliche Entscheidungen im Unterrichtsministerium und nicht vor Ort stattfänden. Diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen seien auch ein Hemmschuh für Kooperationen zwischen Unis und PH.

Lob von der ÖH

Lob - wenn auch mit Einschränkungen - kommt indes von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH). Mit Schmieds Plänen gebe es "Hoffnung auf Veränderungen" in der Lehrer-Ausbildung. Die Studentenvertreter sehen einen ersten Schritt zur Aufwertung der PH, fordern jedoch gleichzeitig Töchterle auf, ebenfalls aktiv zu werden. "Die Pädagogischen Hochschulen und Universitäten dürfen nicht ihr eigenes Süppchen kochen", so Martin Schott (Fachschaftslisten; FLÖ) aus dem ÖH-Vorsitz und forderte die Entwicklung einer einheitlichen Struktur zur Lehrer-Ausbildung. Dazu brauche es auch einen Entwicklungsrat, der sich neben den PH auch mit den Unis sowie den Bundesanstalten für Kindergarten- und Sozialpädagogen beschäftigt. (APA)

Carla Sociale
21
6.10.2011, 11:24
Die Pädagogischen Hochschulen (PH) hießen vor gar nicht langer Zeit Lehrerbildungsanstalt (LBA).

Zwischenzeitlich wurden sie Pädagogische Akademien (PÄDAK) genannt.
Die Ausbildung der Volksschullehrer war zu LBA-Zeiten am besten und ist stetig auf den jetzigen (Zu-)Stand gesunken.

Norbert Richard Wolf
 
11
5.10.2011, 19:02
Universitäre Standards

Man sollte bei solchen Debatten sachlich bleiben, in welcher Partei z.B. "Korrupniks" anzutreffen sind, ist für ein sinnvolles Lehramtsstudium ziemlich irrelevant. Irrelevant ist des Weiteren, dass an irgendeiner kirchlichen Hochschule Habilitierte tätig sind. Tatsache ist: Dadurch, dass man mit einem Verwaltungsakt aus 'Pädagogischen Akademie', die mehr oder weniger bessere Gymnasien waren, 'Pädagogische Hochschulen' gemacht hat, hat man noch eine einzige wissenschaftliche Einrichtung geschaffen. Wenn man an einer wissenschaftlich fundierten Lehrer(aus)bildung festhalten will, dann sind die Universitäten unerlässlich. Und der Praxisbezig wäre mit einer Einrichtung, die z.B . Schulpraktika organisert usw. durchaus zu machen.

lehrer
01
6.10.2011, 11:35
überheblichkeit

da an den früheren pädagogischen akademien und hochschulen nur maturanten aufgenommen werden...wird ja wohl das niveau um einiges höher sein als an gymnasien..!

Linker Emanzerich
00
5.10.2011, 16:58
Die Unis haben die Hosen voll.

Denn durch die mangelnden Karrieremöglichkeiten für junge WissenschaftlerInnen sind viele bereits an die (K)PHs abgewandert. An der KPH Wien/Krems am Religionsinstitut gäbe z.B. genügend Habilitierte, um sofort Doktoratsstudien anbieten zu können - und Master sowieso. Da bangen die Unis mit ihren praxisarmen Lehramtsstudien um ihre Klientel ...

MIP1
01
5.10.2011, 18:56

Ja, das ist für die Universitäten sicher ein bedrohliches Szenario, wenn sie sich vorstellen, daß eine Pädagogische Hochschule ein theologisches Doktorat anbieten könnte. Weil die nämlich so praxisorientiert sind und daher um die von dort kommenden Theologen ein Mordsgriß sein würde.

Linker Emanzerich
00
6.10.2011, 13:35
Ja freilich -

Habilitierte an den Unis sind toll. Habilitierte (die ja von den Unis kommen) an den PHs vergessen alles, was sie in ihren Qualifikationsarbeiten gemacht haben und schmeißen ihren Studierenden die Titel nach ...
MIP1 - get real!

exile in mainstream
12
5.10.2011, 16:10

skeptisch hätte ihn machen sollen sich mit den schwarzen korruptnigs gemein zu machen

lehrer
01
5.10.2011, 15:50
wie wärs mit informieren..?

es gibt an allen pädagogischen hochschulen masterlehrgänge...(ausnahme graz, hier gibt es gemeinsame masterlehrgänge mit uni graz)..das problem an päd hochschulen ist "nur" die kostensituation..ab 5000 euro aufwärts ohne dass master finanziel etwas bringt, da für unterricht an pflichtschulen bachelor reicht...an unis sind master(zum großteil) gratis!!

sokra
00
5.10.2011, 16:47

...genau das steht auch oben im Text:

Masterlehrgänge existieren, aber sie sind nicht voll öffentlich.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.