Budget primär zu Lasten des ÖVP-Stadtfests
Wien - Die Bundeshauptstadt ist ab kommendem Jahr um eine
Veranstaltung reicher: Auf Initiative der Grünen wird im Herbst 2012
das künftig alljährlich stattfindende Kulturprojekt "Wienwoche"
erstmals über die Bühne gehen. Um das veranschlagte Budget von rund
einer halben Mio. Euro aufzutreiben, hat der kleine Koalitionspartner
Kürzungen bei anderen parteinahen Festivitäten herausverhandelt.
Verlierer ist vor allem das von der ÖVP organisierte Stadtfest,
dessen Subvention laut dem grünen Kultursprecher Klaus Werner-Lobo
von bisher 900.000 auf 450.000 Euro halbiert werden soll.
Ein Vorschuss für die "Wienwoche" in der Höhe von 100.000
Euro wurde bereits vergangene Woche im Gemeinderat beschlossen, das Geld kommt dem dafür gegründeten "Verein zur Förderung
der Stadtbenutzung" zugute. Er ist für die rechtliche und
konzeptionelle Abwicklung verantwortlich, die Leitung
der "Wienwoche" wird ausgeschrieben.
Bewerbungen bis 24. Oktober
Konkret sollen die Geschäftsführung bzw. die Programm- und Produktionsleitung
besetzt werden. Der Verein schreibt unter anderem die Funktion eines - bzw.
einer
- Programmverantwortlichen aus. Die betreffende Person soll etwa die
Ausschreibung der einzelnen Projekte vorbereiten, sich um Werbung und
PR kümmern und entsprechende Publikationen herausgeben. Der
Produktionschef ist unter anderem für das Rechnungswesen und das
Controlling zuständig und muss sich um die jeweiligen Genehmigungen
für die Einzelevents kümmern. Erwartet werden mindestens fünf Jahre Erfahrung in der
Konzeption
von Projekten und Programmen - vorzugsweise in kulturellen oder
ähnlichen Bereichen. Bewerbungen müssen bis 24. Oktober einlangen. Für November sind die Hearings für Bewerber geplant - und auch die Entscheidung.
Inhaltlich ist über das neue Kulturfestival noch eher wenig
bekannt. Es soll sich der "Erweiterung urbaner Handlungsräume für
alle Stadtbewohner_innen widmen", heißt es auf der Homepage wienwoche.org. Ausgehend von aktuellen Herausforderungen des
Zusammenlebens sollen "gesellschaftliche Teilhabe und
emanzipatorische kulturelle Praktiken" erprobt werden.
Geplant sind eine Reihe von Einzelprojekten an bestimmten Orten
Wiens, die dort kostenlos präsentiert werden. Die Genres können von Musik über Theater bis hin zu Bildender
Kunst und Performance reichen, kündigte Werner-Lobo an. Die einzelnen
Projekte sollen über den Zeitraum der "Wienwoche" hinaus "Spuren
hinterlassen". Die "Wienwoche" selbst will der grüne Mandatarkeinesfalls als "Parteifest" verstanden wissen: "Wir werden das nicht
mit grünen Luftballons oder Werbematerial fluten." Werner-Lobo gab an, dass sämtliche
Ausschreibungen, Entscheidungsprozesse und Mittelvergaben transparent
vonstattengehen würden. Die Partei werde in die inhaltliche
Programmierung keinesfalls eingreifen, versprach er.
Donauinselfest und Stadtfest gegen Mittelkürzung
"Das Geld kommt aus dem Topf, aus dem parteinahe Feste finanziert
werden", so Werner-Lobo. Aus diesem Fließen Gelder für das Donauinselfest, das seit knapp drei
Jahrzehnten von der SPÖ ausgerichtet wird, und für das von er ÖVP organisierte Stadtfest. Die Kürzungen beim
Inselfest fallen gering aus, Werner-Lobo zufolge
in der Größenordnung von rund 100.000 Euro bei einer bisherigen Förderung von insgesamt 1,45 Millionen
Euro. Wobei diese Kürzung noch nicht ausgemachte
Sache sein dürften: Denn SPÖ-Parteisekretär Christian Deutsch zeigte
sich am Mittwoch in einer Donauinselfest-Pressekonferenz davon
überzeugt, dass die Subventionsmittel für das Open-Air-Spektakel
nicht verringert werden. Über das endgültige Budget verhandelt die
Koalition dieser Tage noch.
Und die ÖVP hat sich in einer Reaktion optimistisch gezeigt,
die drohenden Subventionskürzungen für ihr Stadtfest noch abwenden zu
können. "Es wird alles nicht so heiß gekocht wie gegessen", so Landesgeschäftsführer Alfred Hoch. Man stehe mit der Stadt noch in Verhandlungen. Die
Veranstaltung werde im kommenden Jahr in gewohnter Größe über die
Bühne gehen. Es sei verwunderlich, dass gerade die Grünen, die sich stets
Kulturpolitik auf die Fahnen heften würden, gegen das Stadtfest
vorgingen und damit versuchten, eine erfolgreiche Kulturveranstaltung
abzudrehen, ärgerte sich Hoch. Schließlich sei das innerstädtische
Spektakel längst zur Marke geworden und beschere der Wiener
Wirtschaft rund drei Millionen Euro Umsatz. Tatsache sei jedenfalls, dass man bereits für die heurige Ausgabe
weniger Förderung bekommen und trotzdem "gewohnte Qualität" und sogar
etwas mehr Programm als im Jahr zuvor geboten habe. Den Umstand, dass
beim Donauinselfest nur geringfügig oder gar nicht gekürzt werden
dürfte, nahm er gelassen hin: "Dazu kann ich nichts sagen, das ist
nicht mein Fest."
Am Donnerstag zeigte sich der nicht amtsführende ÖVP-Stadtrat Manfred
Juraczka zeigte
sich jedenfalls "verwundert" über die Aussagen Werner-Lobos: "Wenn
Werner-Lobo genüsslich vorrechnet, dass die
Förderungen beim Stadtfest der Volkspartei halbiert werden, zeigt
dies dessen Geisteshaltung: Er steht offenbar für eine Kulturpolitik,
die sich einzig an ideologischen Richtlinien orientiert." Das Stadtfest sei ein kulturelles Erfolgsprojekt, dass der
Wiener
Wirtschaft darüber hinaus enorme Umsätze beschere, versicherte
Juraczka in einer Aussendung. Der Stadtrat zeigte sich
zuversichtlich, dass die Subventionskürzung nicht in dem
kolportierten Ausmaß kommt: "Ich gehe davon aus, dass Kulturstadtrat
Andreas Mailath-Pokorny in guter Tradition die kulturelle
Vielfalt dieser Stadt fördert und sie nicht auf dem Altar der
rot-grünen Koalition opfert."
(APA)