Claudia Schmied will Pädagogische Hochschulen in ihrem akademischen Charakter stärken
Bildungsministerin Claudia Schmied stellte in einer Pressekonferenz am Mittwoch drei Reformpakete für die Pädagogischen Hochschulen (PH) vor. Schmied wies anlässlich des Welt-LehrerInnen-Tages auf die Wichtigkeit der gesellschaftlichen und politischen Anerkennung für den Lehrberuf hin. Nur dadurch könne die Motivation der Lehrer und damit auch der Erfolg der Schule gewährleistet werden. "Der Lehrberuf hat Zukunft", versicherte die Ministerin. Trotzdem bedürfe es in der LehrerInnenausbildung einiger Reformen.
Für diese Ausbildung sind laut Schmied vor allem die bundesweit 15 PHs entscheidend. Um die "erstklassige Entwicklung seit deren Bestehen" weiterzuführen, sieht die Ministerin Handlungsbedarf in der Stärkung der Forschungskompetenz durch Personalentwicklung, in der Erweiterung des Studienangebots und in der Qualitätsentwicklung und -Sicherung.
Eine von der Ministerin gegründete Arbeitsgruppe hatte im August vorgeschlagen, alle LehrerInnen gemeinsam auszubilden, ohne dabei eine Empfehlung abzugeben, ob dies nun an den Universitäten oder an den PHs geschehen solle. Nachdem keine der beiden Institutionen dazu bereit war, die Verantwortung aus der Hand zu geben, prescht Schmied nun vor.
Personalentwicklung
Die Qualifikation der Lehrenden sei ausschlaggebend für den Erfolg der Pädagogischen Hochschulen. Um diese auch weiter garantieren zu können, fordert Schmied ein neues Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrende an den PHs, die man dadurch mit den Bediensteten der Universitäten und Fachhochschulen auf Augenhöhe bringen würde. Überhaupt sollen die PH ihren akademischem Charakter stärken. Etwa durch die Steigerung der Anzahl von Lehrenden mit einem Doktorat oder einer Habitilation und durch ein größeres Weiterbildungsangebot.
Neue Studienangebote
Eine Gesetzesänderung sieht Schmied vor, um Masterstudien an den PHs in Zukunft auch aus der öffentlichen Hand bezahlen zu können. Diese wurden bisher ausschließlich privat finanziert: "Das Hochschulgesetz muss repariert werden." Gegenwind vom Koalitionspartner erwartet die Ministerin in diesem Punkt nicht. So soll auch auf spezielle Anforderungen - z.B. in der Neuen Mittelschule - reagiert werden. Zusätzlich wünscht man sich im Ministerium vermehrt Quereinsteiger im Lehrberuf, die Praxiserfahrung in die Klassenzimmer bringen sollen.
Standardisierte Aufnahmeprüfungen sollen kommen
Mit dem Studienjahr 2012/13 soll österreichweit ein standardisiertes Aufnahmeverfahren an den PHs für die Eignung der zukünftigen Lehrer sorgen. Es wird ein "Zugangsprozess" stattfinden, indem sowohl die BewerberInnen als auch die PrüferInnen, herausfinden sollen, ob ein Studium an der Pädagogischen Hochschule die richtige Wahl für die betreffende Person ist. Die Curricula sollen so weiterentwickelt werden, "dass einer, der in Vorarlberg studiert auch im Burgenland arbeiten kann."
Entwicklungsrat für PH
Um die Reformen zu überwachen und deren Umsetzung voranzutreiben, wurde außerdem ein sogenannter Entwicklungsrat unter der Leitung von Andreas Schnider, Präsident des Österreichischen Akademikerbundes, gegründet. Das Aufgabenspektrum dieses Rates umfasst unter anderem die Überprüfung von vorgelegten Curricula, die Beratung des Unterrichtsministerium oder die Beurteilung von neuen Studienangeboten. (Max Daublebsky, derStandard.at, 5.10.2011)