Dark Souls: Großes Rollenspiel für Masochisten

5. Oktober 2011, 13:59
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Das "schwerste Spiel des Jahres" überzeugt mit dichter Atmosphäre und unvergesslichen Momenten

Videospiele werden heute nicht mehr in Garagen und für eine Subkultur produziert, sondern Marktgerecht entwickelt und richten sich an die breite Masse. Daran mag prinzipiell nichts schlechtes sein: Blockbuster für jedermann und Kreativität findet man in der florierenden Indie-Szene. Doch ob der "Casualifizierung" bleiben richtige Hardcore-Zocker zunehmend auf der Strecke. Selbst Shooter wie "Call of Duty" lassen sich heute auf Wunsch wie "Mohrhuhnschießen" spielen. Die japanische Schmiede FromSoftware wollte sich diesem Trend nicht beugen und baute finanziert durch Herausgeber Namco ein Rollenspiel mit Leinwand-Qualitäten, das keine Rücksicht auf Konventionen nahm. 2009 erschien "Demon's Souls" und wurde in der Szene rasch als erbarmungsloser Geheimtipp gehandelt. Offenbar hat sich das Nischendenken ausgezahlt, denn nun steht der spirituelle Nachfolger "Dark Souls" ins Haus. Und den tüchtigen Testern der Fachmagazine zufolge, ist muss es sich in keinem Schatten mehr verstecken.

Frust und Freude

Auch in der Welt von Dark Souls regiert die Finsternis. In einer Welt aus Dungeons, Ruinen, dunklen Wäldern und dichten Nebelschwaden herrschen unsterbliche Drachen, Monster und Untote. Dämonen, die durch den Zorn der Götter hervorgebracht wurden, haben die Finsternis in die Welt der Menschen einbrechen lassen. Geplagt von dem Fluch der Untoten, haben viele ihre Seele verloren und warten als Untote in einer entlegenen Festung auf das Ende der Welt. In diesem düsteren Universum gilt es also als Ritter, Dieb, Zauberer oder was auch immer man sein möchte dem Abgrund entsteigen, gegen grässliche Dämonen antreten, um die Seelen wieder zu befreien und zu neuem Leben zu erwecken. Es ist eine wortkarge Erzählung, die wie die Abgründe des Daseins selbst aber auch nur wenig Beschreibung benötigt.

Unbarmherzig

Es ist ein unbarmherziges Universum von verlassene Burgen verseucht mit Untoten, labyrinthartigen Katakomben, ruhelosen Wäldern, gewaltigen Verliesen und magischen Seen, in denen der Tod hinter jeder Ecke lauert. Dark Souls ist unbarmherzig aber nicht unfair und belohnt die Entschlossenen, erklärt auch IGN. "Wenn man an den Grenzen des Videospielmediums interessiert ist - nur um zu sehen, wie fokussiert, pur und kompromisslos ein Spiel in seiner Vision sein kann - ist Dark Souls unverzichtbar." Unter "kompromisslos" werden etwa Kämpfe mit Endgegnern verstanden, bei denen man mit einem Schlag alle seine gesammelten Gegenstände verlieren kann oder die Lebensenergie dauerhaft auf die Hälfte reduziert wird.

Einander helfen

Hilfe kann man sich abseits von computergesteuerten Mitstreitern vor allem von menschlichen Mitspielern erhoffen, die online herbei gerufen werden dürfen. Auch gibt es die Möglichkeit anderen Spielern Botschaften zu hinterlassen und diese so vor besonders kniffligen Herausforderungen zu warnen. Gleichzeitig kann ein menschlicher Mitspieler auch zum Feind werden. "Dark Souls stützt diesen Masochismus mit einer unterkühlten Gleichgültigkeit. Wer seine Nerven zusammenhalten kann, wird man mit einer Erfahrung belohnt, die einem auch Stunden nach dem Spielen bleibt", meint das Edge Magazine.    

100 Tode sterben

Worauf man sich auf alle Fälle gefasst machen müsse ist zu sterben. Ein Teil dieser Frustmomente sei laut Kritikern auch auf ein eigenartiges Gegnerverhalten zurückzuführen. "Der ungeheuerlichste Fehler liegt bei der Gegener-KI. Fast alle Kreaturen in Dark Souls sind hyper-aggressiv und viele davon nicht zum Besseren. Manche werden eine Spalte zwischen ihnen und dem Spieler einfach ignorieren und blindlings in eine Schlucht stürzen", moniert Destructoid. Dennoch würden die positiven Eindrücke die Makel überwiegen. "I habe ungefähr 60 Stunden gespielt und bin dabei fast 100 Mal gestorben. I habe geschrien, geflucht und I habe meinen Controller öfter auf den Boden geworfen, als ich stolz darauf sein könnte", gesteht ein Tester von Game Informer. "Dark Souls ist vielleicht nicht das größte oder beste Spiel des Jahres, aber ich bin sicher es ist das Spiel, mit dem ich am meisten Zeit verbringen werde." (zw)

  • Dark Souls (FromSoftware/NamcoBandai) erscheint am 7. Oktober für PS3 und Xbox 360
    foto: namco

    Dark Souls (FromSoftware/NamcoBandai) erscheint am 7. Oktober für PS3 und Xbox 360

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