Theater

Weise Worte gegen Fremdenhass

5. Oktober 2011, 10:19

Drei aktuelle Jugendtheaterstücke zeigen unangenehme Wahrheiten der Migration

Wien - Amira F. sitzt vor laufender Kamera und erzählt ihre Lebensgeschichte, die sie auf Youtube posten wird: Flucht aus dem Kosovo, Asylsuche, Integration und schließlich Heimat in Österreich. Und jetzt soll sie wieder in den Kosovo, weil man "nicht dem ganzen G'sindl Platz bieten kann".

heimat.com, ein Jugendtheaterstück, das noch bis 6. Oktober im Dschungel Wien zu sehen ist, thematisiert die Geschichte der Arigona Z., Paradebeispiel für einen österreichischen Abschiebungsfall. Autor Holge Schober zeigt, wie kunstvoll die Medien es verstehen, Einzelschicksale in Szene zu setzten und Mitleid und somit Interesse der Masse zu erregen.

Zuerst ist das Land tief erschüttert. Alle reden über Amira F. und über Fragen wie "Wer ist gut genug integriert?" oder "Wie entscheiden wir, wer raus muss?". Nach dem Motto "Vom Opfer zum Star", formulierte es Schober. Die Masse hat aber bald genug von der ständigen Medienpräsenz von Amira F., und die vorher so wichtigen Fragen werden unbeantwortet wieder fallengelassen. Das regt zum Nachdenken an: "Die Mediengeilheit der Leute ist erschreckend. Einzelschicksale werden zuerst hochgepusht, und dann lässt man die Person wieder fallen. Man sollte sich lieber um die Masse der Leute kümmern, denen es schlecht geht", sagt Zuschauer Daniel Greif (17) nach dem Stück.

heimat.com ist eines von gleich drei Theaterstücken, die momentan in Wien zu sehen sind und die sich mit Fragen nach einem friedlichen Zusammenleben der verschiedenen Kulturen auseinandersetzen.

Änderung ist notwendig

"Wir sind gesellschaftlich an einem Punkt angekommen, wo Änderungen notwendig sind", sagt Ricky May-Wolsdorff, Direktorin des european grouptheater. Ihr Ensemble inszeniert unter der Überschrift "Ein Abend zur Vielfalt der Kulturen" das Lessing-Stück Nathan der Weise. Am 19. Oktober ist Wien-Premiere im Volkstheater, danach touren sie durch Österreich. Ganz im Zeichen des Themas setzt sich das Ensemble zur Hälfte aus Jugendlichen mit Migrationshintergrund und zur anderen Hälfte aus Österreichern zusammen. Außerdem sind Jugendliche daran beteiligt, die ihre Schauspielausbildung schon abgeschlossen haben, gerade mitten drin sind oder auch einen ganz anderen Beruf anstreben. Völlig verschiedene Menschen also, die sich alle zusammen gegen ein Problem starkmachen, das sich in Österreich breitgemacht hat: Rassismus. Genau darüber schrieb Lessing schon 1779. Nathan der Weise beschreibt das Aufeinanderstoßen der drei großen monotheistischen Religionen. Menschen mit unterschiedlicher Herkunft waren sich damals wie heute häufig feindlich gesinnt."Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?", fragt der weise Jude Nathan und bringt den christlichen Tempelherren zum Umdenken.

Ganz so einfach funktioniert das leider nicht immer. Viele lassen sich nach wie vor von Vorurteilen leiten, und immer wieder stoßen Fremde auf Hass. Die Darsteller des Stücks Die Reise von Jacqueline Kornmüller, das noch bis 15. November im Volkstheater läuft, können davon ein Lied singen. Sie alle waren auf der Flucht, bevor sie in Österreich landeten. In Die Reise erzählen 30 Migranten unterschiedlichster Herkunft und jeden Alters ihre Lebensgeschichte. Das Projekt - eine Kooperation des Volkstheaters mit der Gruppe "wenn es soweit ist" - will das Publikum dazu bringen, gewisse Standpunkte zu hinterfragen: Der Xenophobie wird der Kampf angesagt. (Alicia Prager, DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2011)

moglibogli
 
00
8.10.2011, 11:22
kleiner fehler!

"Die Reise" am Volkstheater läuft noch bis JUNI 2012!!!

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