Dollfuß-Debatte

Ist auch "Unrecht" ein Kampfbegriff?

Kommentar der anderen | 4. Oktober 2011, 18:51

Grüner Unmut über falsche Begriffe - Eine Antwort von Albert Steinhauser

Kurt Bauer kritisiert in seinem Kommentar vom 30.9., dass die Grünen nicht auf den Begriff "Austrofaschismus" im Gesetzestexte verzichten wollen. Dabei könne man doch so - also durch Vermeidung dieses "linken Kampfvokabels" - "der ÖVP helfen, über ihren eigenen Schatten zu springen". Bauer verkennt, dass es bei der Debatte nicht nur um den Begriff "Austrofaschismus" geht. Die ÖVP vermeidet im Gesetzestext auch andere Begriffe, etwa "Unrecht". Selbst eine Geste der "Anerkennung" für den Einsatz zum Erhalt der Demokratie gegenüber den Opfern des Dollfuß-Regimes soll es nach Auffassung der Koalition nicht geben.

Rehabilitierung ist kein bürokratischer Federstrich, mit dem Urteile getilgt werden, sondern muss umfassender verstanden werden: Neben der symbolischen Beseitigung der Rechtsfolgen der Urteile geht es gerade darum, zum Ausdruck zu bringen, dass den Betroffenen Unrecht geschehen ist. Warum das der ÖVP so schwer fällt, ist nicht nachvollziehbar. Verweise auf das Opferfürsorgegesetz von 1947 zeigen deutlich, wie die Koalition versucht, das vermeintliche Problem zu umschiffen. Der Rückgriff auf den historischen Gesetzgeber ist zwar legitim, doch hat sich der wissenschaftliche Forschungsstand seit damals weiterentwickelt und sollte nun auch entsprechend im Gesetz reflektiert werden. 1947 waren diese großkoalitionären Kompromisse notwendig und nachvollziehbar, heute müssen wir einige Schritte weitergehen.

Ähnlich verhält es sich mit der Frage der Anerkennung für den Einsatz um den Erhalt der Demokratie. Gerade in Zeiten, wo zu befürchten ist, dass mancherorts totalitäre Vorstellungen Zulauf erhalten, muss herausgestrichen werden, dass absolut nichts die Beseitigung der Demokratie rechtfertigt. Jenen, die für den Erhalt der Demokratie eingetreten sind, soll im Gesetz explizit Anerkennung ausgesprochen werden.

Noch ist die Rehabilitierung der Opfer des Austrofaschismus nicht gescheitert. Im Verhandlungsprozess war der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer durchaus ein offener Diskussionspartner, der ehrliches Interesse am Thema gezeigt hat. Tatsächlich fehlt nicht viel, um eine große Lösung zu ermöglichen. Diesen letzten Schritt - die Anerkennung des Unrechts - kann sich die VP aber sicher nicht ersparen. (Albert Steinhauser, DER STANDARD; Printausgabe, 5.10.2011)

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Albert Steinhauser ist Justizsprecher der Grünen, Link: "Austrofaschismus", nein danke - Von Kurt Bauer

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denke
11
6.10.2011, 07:31

Vielleicht haben die Leute einfach zu viele Hollywood-Filme gesehen und sind es daher gewohnt
leichtfertig Attribute wie gut und böse zu verteilen.
Aber reale Geschichte ist komplexer als das wertenden Historikern(die auch Hu..n des Zeitgeistes genannt werden) lieb ist.
Es gab keinen Kampf des absolut Guten geben die bösen Nazis.
Vielmehr hatten fast alle Hitler-Gegner selbst einiges auf dem Kerbholz.
Von den imperialistischen Westmächten, dem polnischen Militär-Regime, den vielen Diktaturen Mittel- und Südeuropas bis zum Stalin.
Und trotzdem war es gut das "diese Bösen" gewonnen haben und nicht der andere Böse.
Dollfuß war ein Akteur.
Er war sicher nicht schlimmer als der griechische Diktator oder die polnischen Generäle.

Fritz Wunderlich
20
6.10.2011, 09:05

na, die denke eines ns-relativierer?

denke
00
6.10.2011, 11:26

Gähn

Fritz Wunderlich
00
6.10.2011, 11:27

danke, es wäre aber nicht nötig gewesen, mir gleich den ganzen inhalt ihrer denke anzubieten

denke
00
6.10.2011, 14:25

Deine absurde Aussage richtet sich von selbst.

Fritz Wunderlich
00
7.10.2011, 11:46

kennen wir uns?

Kuldip K.
 
00
6.10.2011, 06:10
Zumal Killen im Deckmantel des Talars

eine urösterleichische Lustbarkeit zu sein scheint, wäre in einem Aufwaschen der Bewusstseinshintergrund heutiger Würdenträger, die sich als Exekutiv- oder Verwaltungsorgane dieser Lustbarkeit beharrlich befleissigen, offenzulegen!

Knieriem
10
5.10.2011, 20:33
Geht es gerade darum, zum Ausdruck zu bringen, dass den Betroffenen Unrecht geschehen ist?

Das kann also Steinhauser nicht verstehen, daß die ÖVP darauf nicht einsteigt?
Natürlich kann man das in Einschichtigkeit nicht verstehen.
Damals standen sich 2 verfeindete Blöcke gegenüber und keiner von beiden war besser.
Die Vaterländischen hatten offensichtlich auch nach 1933/34 Rückhalt in der Bevölkerung, weil man den Austromarxisten bis -bolschewisten nicht einmal 20 Jahre nach dem Blutrausch der Oktoberrevolution unter deren Gefasel von der proletarischen Revolution eben nicht vertraute.
Putzig find ich auch die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Opfern dieser Zeit.
Die großkoalitionären Kompromisse von 1947 waren tatsächlich notwendig und nachvollziehbar.
Die wußten was sie taten - ohne heutiger Zeitgeistigkeit.

Fritz Wunderlich
22
5.10.2011, 19:43

neben dem einen schwarzen mythos von der selbstentmachtung des parlamentes wird noch ein zweiter gepflegt
dass sich die spö dem nationalen schulterschluß verweigert hätte und deshalb österreich unterging

das soll verdecken, dass die nationalsozialisten seit 1936 im "ständestaat" mitregierten, mit schmidt, seyss-inquart und glaise-horstenau
und schuschnigg jedes angebot der sozialisten ablehnte

die austrofaschisten im bündnis mit nationalsozialisten

auch das wird weiterhin tabuisiert

Peter Hammer 06
00
6.10.2011, 09:47
Die "geteilte Schuld" feiert fröhliche Urständ .....

...bei der Rechten.

denke
10
6.10.2011, 06:49

Weil sie ja so großartige realistische Optionen hatten.

Fritz Wunderlich
11
6.10.2011, 08:56

1936 haben sich die austrofaschisten zur aussöhnung mit den nationalsozialisten entschlossen

sie hätten ja auch eine mit den sozialdemokraten anstreben können
dazu hätten sie allerdings die demokratie wiedereinführen müssen
das war mit den ihnen gesellschaftlich näher stehenden nationalsozialisten nicht nötig, die konnten in eine diktatur sehr leicht über partizipation an dieser integriert werden

soviel zu optionen und geschichtsfälschung

denke
00
7.10.2011, 12:41

Rot und schwarz vereint hätten es dem Hitler aber gegeben. Manche glauben das offenbar wirklich -;)

Fritz Wunderlich
10
8.10.2011, 19:27

wieso gegeben
vielleicht wäre so ein bündnis mit der tschechoslowakei und den westmächten entstanden

denke
00
6.10.2011, 15:38

[...]soviel zu optionen und geschichtsfälschung[...]
Soviel zu Diskussionslenkung durch Zensur.

Oh my God !
10
5.10.2011, 21:23

sowohl Austrofaschisten als auch Austromarxisten entwickelten ihre Mythen, das erscheint mir nicht besonders überraschend.

Fritz Wunderlich
10
6.10.2011, 09:04

die parallelisierung, die sie hier insinuieren, hat hier auch nichts zu suchen
das wäre nur in einer dimension der politischen mythologie und ihrer binnenwirkung auf die jeweilige anhängerschaft zu analysieren, nicht im bereich staat, öffentlichkeit und österreichbewußtsein, vermittelt von medien und politik
sowohl was die öffentliche wirkungsmächtigkeit des schwarzen mythos anbelangt in der zweiten republik anbelangt, ich nehme nur als pars pro toto die portisch-saga von österreich, als auch die faktische gewalt der austrofaschisten hatten und haben bis heute nachwirkungen
in weiten teilen der österreicherzählung hat sich die schwarze ideologie durchgesetzt
insofern kein wunder, wenn sie sich dann als die österreichpartei bezeichnet

Oh my God !
52
5.10.2011, 15:13
es gab nicht nur "Unrecht" von einer Seite!

"Als um 11.50 Uhr der Direktor der Steyr-Werke, Wilhelm Herbst, vom Betrieb nach
Hause fuhr, wurde er beim Werkstor von einer Gewehrkugel in dem von ihm gelenkten
Personenkraftwagen tödlich getroffen. Dieser Mord trug erheblich dazu bei, dass nach
den Kämpfen strenge Urteile gegen die Aufständischen gefällt wurden."

(Quelle: Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Steyr in der 1.Republik)
http://members.24speed.at/hyperion/fba.pdf

andreas lamers
 
02
5.10.2011, 19:05
ja sie haben ja sooo recht

die boesen arbeiter damals wie konnten die nur erwarten als menschen angesehen zu werden. war ja so toll als arbeiter in der damaligen zeit, sie als geschichts spezialist muessen das ja wissen oder? alle anderen luegen ja _http://www.demokratiezentrum.org/themen/de... staat.html

oder doch nicht? und was waehre das damals nicht fuer ein paradies gewesen wenn die boesen arbeiter nicht versucht haette zu den waffen zu greifen. nun das haben sich diverse fuersten bei den bauernaufstaenden wohl auch gesagt.

Oh my God !
00
5.10.2011, 21:09
halt!

ich habe nie was von "bösen Arbeitern" geschrieben, aber der gegenständliche Fall war ein hinterhältiger Mord durch einen roten Sniper!

Wir alle sind heute (viele Jahre später) aufgefordert die(alle) Fälle differenziert zu sehen!

Fritz Wunderlich
21
5.10.2011, 17:36

können sie ihre behauptung, dass dieser mord zur verschärfung beitrug, irgendwie belegen?
und warum wurde er ermordet? hat man täter ausgeforscht?

Oh my God !
00
5.10.2011, 21:20

Wilhelm Herbst war der Generaldirektor der Steyrwerke, also gehörte zur Elite und damit war er Klassenfeind. Man war damals mach dem heimtückischen Mord stundenlang nicht bereit die Leiche aus d. PKW zu bergen, weil niemand wollte riskieren selbst vom roten Sniper erschossen zu werden. Also der gegenständliche Fall ("Unrecht") war keine Heldentat der "Arbeiterklasse".

Sie können darüber im OÖ-Landesarchiv recherchieren!

Fritz Wunderlich
10
6.10.2011, 09:08

nachwievor keine belege, sondern nur spekulationen

wenn sie solches behaupten, sollten sie vorher recherchiert haben
es ist ihre aufgabe, ihre behauptungen zu belegen
wenn sie das nicht können, dann posten sie propaganda

Oh my God !
00
6.10.2011, 10:29

- kennen sie den Fall? - wahrscheinlich nicht.
- es gibt nicht für jeden Fall ausreichend links im www
- die Archive kommen nicht zum wunderlich, sondern der muss schon selbst in die Archive gehen.
-wenn sie den Fall doch kennen sollten, dann wissen sie doch sicher, dass das Mordopfer des Snipers einen Sohn hatte und es auch andere Quellen gibt.

Wie schon gesagt: "Wir alle sind heute (viele Jahre später) aufgefordert die(alle) Fälle differenziert zu sehen!"
- aber die differnzierte Sicht der Ereignisse dürft nicht in ihr Weltbild passen, darum arbeiten sie ständig mit falschen Unterstellungen - ihr Problem!

*sfg* aus OÖ

princeps legibus solutus
01
6.10.2011, 12:00
es hat keinen sinn, mit einem kleingeistigen ignoranten wie fritz wunderlich zu diskutieren,

weil er rationalen argumenten nicht zugänglich ist. die parteipolitischen bretter vor seinem kopf führen dazu, dass jeder differenzierte zugang für ihn relativierend erscheint.

obwohl ja haufenweise gewaltsame übergriffe von sozialdemokraten auf menschen anderer politischer gesinnung in der zwischenkriegszeit belegt sind, passt das einfach nicht in sein dichotomisches weltbild, wie überhaupt solche von politisch-missionarischen eifer getriebenen wie wunderlich - von sich ausgehend - nicht glauben können, das es möglich ist, sich unabhängig vom eigenen politischen standpunkt mit einem historischen sachverhalt auseinanderzusetzen.

mir ist der fall in steyr auch bekannt. wenn ich dazu komm, werde ich ein zitat liefern

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