1,2 Billionen verschoben

Österreich unter Top-Steueroasen

András Szigetvari, 4. Oktober 2011, 18:25
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    Indiana Jones alias Harrison Ford als Jäger des verlorenen Schatzes. Im Film sucht Jones die sagen- umwobene Bundeslade. In der Realität geht es um mehr: Rund 1,2 Billionen Euro werden jedes Jahr an Steuerbehörden vorbei über Grenzen verschoben.

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Die Schweiz ist Nummer eins, Österreich liegt auf Platz 17. Die Steuerexperten kritisieren besonders die OECD für ihre bisher "wirkungslosen" Initiativen

Das Tax Justice Network hat eine Liste mit den größten Steueroasen erstellt.

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John Christensen kennt sie alle, die großen Steuersünder. Der grauhaarige Brite hat mit ihnen fein gegessen und über Finanzpolitik parliert. Er hat zugesehen, wie die Banken HSBC, Barclays und Citibank Milliarden verschoben haben. Er hat sogar für die Steuerhinterzieher gearbeitet: In den 90er-Jahren war er Wirtschaftsberater in Jersey.

Die Kanalinsel zählt zu den größten schwarzen Löchern auf den Karten von Steuerfahndern. Bis zu 500 Milliarden Dollar (375 Mrd. Euro) sollen derzeit in Jersey auf Konten liegen, um unversteuert verschoben zu werden. Ziel des Geldes sind zumeist große Finanzplätze wie London. Worüber sich Christensen heute noch wundert: "Kein Mensch auf Jersey hat sich je Gedanken darüber gemacht, dass diese Steuerhinterziehung andere Länder ruiniert."

Christensen hat inzwischen die Seiten gewechselt. Unter seiner Leitung hat das Tax Justice Network, eine lose Gruppe von Nichtregierungsorganisationen, am Dienstag den zweiten Bericht über weltweite Steuerhinterziehung vorgelegt. Näher angesehen hat sich das Netzwerk 73 Staaten. Herausgekommen ist ein "Schattenfinanzindex", in dem die Länder nach dem Grad der Geheimhaltung und ihrem Anteil am Weltmarkt gereiht werden. Klare Nummer eins unter den Steueroasen ist dank ihres Bankgeheimnisses die Schweiz. Österreich belegt ebenfalls dank seines Bankgeheimnisses - vor den Bahamas und hinter den Marshall Islands - Platz 17. Die Hälfte der 20 größten Steueroasen sind EU-Mitglieder oder von einem Mitglied abhängige Gebiete.

Das Netzwerk übt vor allem an der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) scharfe Kritik. Die OECD hat 2009, am Höhepunkt der Krise, eine aufsehenerregende Initiative gestartet: Auf Druck der G-20-Länder erstellte sie eine schwarze und - in weniger schlimmen Fällen - eine graue Liste unkooperativer Steueroasen. Wer von der Liste wollte, musste mindestens zwölf spezielle Abkommen über den Austausch von Steuerinformationen unterzeichnen. Seit 2009 wurden 600 solcher Verträge unterschrieben. Inzwischen stehen alle Staaten, darunter auch Österreich, auf der weißen Liste. International gaben sich alle zufrieden - die Kritik an den Oasen verstummte.

Doch die ganze Übung sei "von erschreckender Wirkungslosigkeit" gewesen, meint Christensen. Die OECD wollte mit den Verträgen die gegenseitige Abfrage von Steuerbehörden erleichtern. Ein Verdachtsfall, und nicht erst konkrete Ermittlungen, sollte genügen, um Informationspflichten der Staaten auszulösen. "Doch diese Anforderung ist immer noch viel zu hoch: Meistens gelangt ein Land gar nicht an genügend Informationen für einen Verdachtsfall. Die Zahl der tatsächlich gestellten Anfragen sind minimal."

Steueroasen helfen sich selbst

Bei der OECD in Paris widerspricht man dieser Darstellung nur teilweise. Tatsächlich gibt es nicht sehr viele Anfragen, deutet der oberste Steuerfachmann der Organisation, Jeffrey Owens, an. "Aber die Initiative hat eine gewaltige Präventivwirkung entfaltet. Viele Steuersünder wissen, dass sie nicht unbehelligt bleiben werden." Laut Owens nimmt allein Deutschland seit dem Start der Initiative 2009 vier Milliarden Euro pro Jahr mehr an Steuern ein.

Er sieht zwei Schwächen im neuen System: Nicht selten hätten zwei Steueroasen wie etwa Panama und Monaco einfach gegenseitig Abkommen über den Info-Austausch unterzeichnet, um sich reinzuwachsen. Zudem profitierten Entwicklungsländer kaum von den bisherigen Initiativen. Nach Schätzungen entgehen derzeit Entwicklungsländern 190 Milliarden Euro jährlich an Steuereinnahmen. Tax Justice fordert daher einen automatischen Austausch von Steuerinfos - und nicht erst auf Abfrage. Ansatzweise gibt es so ein System bereits in der EU - nur Österreich und Luxemburg verweigern sich, was Wien regelmäßig Kritik einbringt.

In einem Punkt sind sich Tax Justice Network und das Finanzministerium in Wien einig: Global gesehen werden die meisten illegalen Finanzströme über spezielle Investmentvehikel (Trusts) gelenkt. Das Bankgeheimnis sei gegenüber solchen besonders auf den britischen Inseln und in den USA beliebten Konstruktionen, bei dem der wahre Eigentümer von Geldströmen verschleiert wird, das kleinere Problem. "Dieses Thema wird international und in der OECD kaum aufgegriffen. Da gibt es dann seitenlange Berichte über die USA, in denen das Wort Trust kaum einmal vorkommt", sagt Ministeriumssprecher Harald Waiglein. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2011)

Kommentar posten
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Mario Ahner
00
5.10.2011, 11:15

Um hier finanztechnischen Gleichstand zu erreichen, möchte ich bitte Folgendes: Die Lohnsteuer wird mir nicht automatisch abgezogen, sondern der Bruttolohn wird mir überwiesen und es steht mir frei, die ganze Summe beim Finanzamt zu versteuern oder einen Teil auf die Cayman Islands zu überweisen.

adaschauher
21
5.10.2011, 10:57
steueroasen sind ein notwendiges übel

sie fördern steuerwettbewerb

sie fördern effiziente staaten ohne korruption

sich fördern staaten ohne schulden

sie fördern staaten mit schlanken strukturen

sie nützen jenen, die sich gegen gegen geldverbrennerregierungen wehren.

sie schaden populisten der politik, die mit neidparolen gegen "die reichen" hetzen (und in wahrheit den wohlhabenden mittelstand, aber auch jeden arbeitnehmer durch exzessive kalte steuerprogression rupfen)

Waldorf
 
01
5.10.2011, 11:10

ROFL

Aguirre74
 
11
5.10.2011, 11:09

Steueroasen fördern keinen Steuerwettbewerb, weil sie in der Regel nicht mal Steuern einheben. Ist auch kein Wunder, da es sich in der Regel um Mikrostaaten handelt die sich parasitär von Wirten ernähren.

Korruption fördern sie, denn idR liegt dort Schwarzgeld aus Hochkorruptionsstaaten.

Staaten ohne Schulden fördern sie nicht, da der korrupte Elite, die das Geld in tax shelters parkt, die Finanzsituation des Staates in der Regel egal ist.

Auf den Rest antworte ich nicht mehr, da er auch ein ziemlicher Matsch ist. Ihre Kausalzusammenhänge sind nicht mal ansatzweise nachzuvollziehen.

drwestbahn
00
5.10.2011, 11:07
Ich lach mich schief

- sie fördern "race to the bottom", da man sich (auch dank Ö) auf keinen Mindeststeuersatz einigt

- sie fördern Korruption, da gewisse Leistungsträger ihre Scheinchen in Plastiksackerln dort deponieren können

- sie verursachen Staatsschulden durch den Steuerentgang

- sie erfordern Leistungskürzungen im Bereich der öffentlichen Versorgung und Sicherheit

- sie erleichtern Steuerhinterziehung, die Selbstverteidigung gegen "Geldverbrennerregierungen" ist Schönreden einer illegalen Handlung

Und dem durchschnittlichen Arbeitnehmer helfen sie genau gar nicht, da der den Bruttobetrag ohnehin nur auf dem Lohnzettel sieht.

lagrangian
21
5.10.2011, 10:52

1. ist das in österreich (50% steuerquote) höchstens ein akt der notwehr.
2. ist der eingriff in bürgerrechte schon hoch genug, wenn in VERDACHTSFÄLLEN!!! informiert werden MUSS!!!

jenseitig, mal wieder.

bloody-nine
 
12
5.10.2011, 11:00
geh du mit deinen 50% steuerquote,

du paranoider kindskopf. die sind genauso real wie die linksextremen vor denen du dich immer so fürchtest.

übersiedel halt in die slowakei, bei der dortigen flat tax geht dir doch sicher gleich einer ab. und autofahren kannst dort auch viel besser.

lagrangian
00
5.10.2011, 11:46

und der blutige schon wieder in seiner phantasiewelt...

Aguirre74
 
01
5.10.2011, 11:15

Bei einem Einkommen von ca 60 bis 80 TEUR ist man jedenfalls in einer Abgabenquote von 40 bis 50% (wenn man SV, ESt rechnet). Wenn man auch noch Verbrauchsteuern (USt, VersSt) oder Transaktionssteuern (GrESt) hinzurechnet, dann kommt man schon schnell auf eine Abgabenquote von über 50%. Solidarität ist ja schön und gut, aber irgendwie ist wohl aktuell die Grenze erreicht. Ein paar finanzieren viele andere. Und ehrlich gesagt hab ich schön langsam die Nase voll, dass ich mit meinen Überstunden eine korrupte Politik und einen aufgeblähten Beamtenstaat, wo man vermutlich 30% ersatzlos einsparen könnte, finanziere.

Waldorf
 
00
5.10.2011, 11:13

Stimmt doch aber, nur dass er den 13 u. 14 Gehalt vergisst. Aber rechnet man dann noch diverse Nettigkeiten wie MWST, UST, Mineralölsteuer, Parkpickerl, Autobahnvignette, NOVA, uvm... hinzu, sind wir bei ca. wieviel Prozent?

lagrangian
00
5.10.2011, 11:47

ich rede von der gesamten steuer- und abgabenlast...

Waldorf
 
00
5.10.2011, 12:04

Ich doch auch, oder betrachten sie Dinge wie MWST, UST, NOVA, etc.. nicht als Abgaben?

Aber ich denke sie wollten nicht mir Antworten.;)

lagrangian
00
5.10.2011, 12:34

vielleicht hab ich was falsch verstanden: mit "er" ("dass er den 13 u. 14 Gehalt vergisst") war dann nicht ich gemeint? wenn ich gemeint war, dann passt mein posting.

Waldorf
 
01
5.10.2011, 12:51

Meinte ich eigentlich schon, denn ich ging auch von der Annahme aus, das sie nur den Brutto auf Netto Abschlag meinten. Da werden gerne die beiden Gehälter vergessen.

Aber gut dass wir das geklärt haben.;)

Gobi Todic
00
5.10.2011, 10:34
Ich werde jetzt landwirtschaftlicher Facharbeiter und verlease mich

http://www.arbeiterkammer.at/online/pa... 8&IP=63434

Aguirre74
 
01
5.10.2011, 11:20

Bauern sind die einzige (!) Gruppe in Österreich, die nicht nach dem Gewinn/Einkommen besteuert wird, sondern nach irgendwelchen fiktiven Werten. Können die, wie andere Unternehmer, die sie ja sind, nicht rechnen? Ist ihnen eine einfache Einnahmen.Ausgaben-Rechnung nicht zumutbar. Daneben dürfen Landwirte sogar eine Gewinnermittlung durchführen wenn diese günstiger für sie wäre als die Pauschalierung. Nur: keine einziger LW macht das. Warum nur?

Gobi Todic
00
5.10.2011, 18:54
entweder

die führen das ein, oder die 9 jahre pflichtschule für bauern werden abgeschafft ;)

Fr Greis
00
5.10.2011, 10:34
Steueroase mit hohen Steuern

Ich dachte eine Steueroase wäre wohin man seine Gelder schickt wenn die Steuern im eignen Land zu groß schaun. Wieso und wer schickt dann das Geld zu uns?

stefan1981
00
5.10.2011, 10:31

der beste satz: "Kein Mensch auf Jersey hat sich je Gedanken darüber gemacht, dass diese Steuerhinterziehung andere Länder ruiniert."

der arsch ist immer näher als die hose. das ist bei menschen so und bei ländern oder institutionen nicht anders.

mitten im Völkerkerker
02
5.10.2011, 10:30

aber beim sparbüchl muss der "gemeine" Bürger sich ausweisen und seine daten speichern lassen. soviel zu mehr sicherheit bei geldwäsche....

Post-vom-Poster
 
04
5.10.2011, 09:49
ihre bisher "wirkungslosen" Initiativen

wohl mit ABSICHT!

"Bei der OECD ... widerspricht man dieser Darstellung nur -> teilweise"
jaja, damit man nicht nachgesagt bekommt, man würde vollständig lügen.

Räuchert endlich diese Steuerbetrüger- und -hinterziehungsoasen aus!

In einer gewissen "Gestaltungsfreiheit" versucht sich ja jeder - je verschwenderischer die Politiker mit unserem Geld umgehen, umso mehr.

Aber: hier geht es um ganz andere Beträge als um eine "Bewirtungs"-rechnung von einem "Geschäftsessen" mit fünfzig Euro ...

Dass übrigens die BRD mit der CH kürzlich vertraglich vereinbart hat, keine Steuerdaten-CDs mehr zu kaufen, ist wohl ein krasser Kniefall vor den Hinterziehern!

Besonders "lustig": die britischen Inseln (KHG, Meinl), Dellaware etc ...

Geoffrey of Monmouth
03
5.10.2011, 10:09
ihre bisher "wirkungslosen" Initiativen

Naja, wer schneidet sich schon gerne ins eigene Fleisch? Würde man die Sache mit Ernst angehen, könnte man doch nix mehr ins eigene Börserl abzwacken.

Geoffrey of Monmouth
05
5.10.2011, 09:48

Na, wenigstens irgendwo in den TOP 20. Bei den Uni-Rankings sollte das ja für die nächsten 100 Jahre verhindert worden sein.

x
01
5.10.2011, 09:40

eine ziemlich eigenartige Liste.

Deutschland liegt VOR Bermuda, British Virgin Islands, Bahamas.
Monaco, Andorra als die Steueroasen Europas fehlen komplett und Zypern, das ebenfalls zu den Supersteueroasen Europas gehört, liegt am letzten Platz.

Jan Sommer
00
5.10.2011, 23:31
Eher nach dem Motto, wo kann man mit dem Schmäh

am Meisten erreichen, geordnet.
js

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