Tiroler Orte kooperieren statt zu fusionieren

4. Oktober 2011, 17:36
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Der Tiroler Gemeindeverband unterstützt seine Orte beim Sparen mit einer Beschaffungsplattform - Fusioniert wird dafür nicht

Innsbruck - "Größer heißt nicht billiger" , erklärt der Tiroler Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf (VP) und erteilt damit regelmäßig wiederkehrenden Plänen, Gemeinden aus Spargründen zusammenzulegen, eine Absage. Gespart müsse aber werden.

Rund neun Monate sei "sein Baby jetzt alt" , schwärmt Schöpf von der Beschaffungsplattform für Gemeinden. An die 200.000 Artikel, allesamt wichtig für Ortschaften, könnten online preisgünstigst gefunden werden. Sie stammen von 35 Lieferanten, hauptsächlich aus Tirol. Schöpf, selbst Bürgermeister der 3526-Einwohner-Gemeinde Sölden im Bezirk Imst, hat erst kürzlich selbst bestellt: "Vom Putzmittel bis zu den Schmierstoffen. Von der Nachbeschaffung der Feuerwehrausrüstung bis zum Streusalz." Gerade bei Streusalz gebe es massive Preisunterschiede. Die Tonne gebe es je nach Lieferant um 90, aber auch um 200 Euro.

Rund 800 User würden bereits Preisvergleiche über die vom Gemeindeverband ins Leben gerufene Plattform machen, 200 der 279 Tiroler Gemeinden seien bereits Mitglied. Einkaufsgewohnheiten, auch die von Gemeinden, ließen sich aber leider nicht so schnell ändern. Es würden aber immerhin schon Preise verglichen. 20 bis 30 Prozent an Sparpotenzial pro Gemeindebudget sei bei Vergleichen möglich.

Rund 300 Millionen Euro werden jährlich von den Tiroler Gemeinden ausgegeben: für Müllcontainer, Gerätschaften in Ortsbauhöfen, Spielplätzen oder Gemeinde- und Schulcomputer. "Und wir sprechen hier pro Jahr allein von Gemeindecomputern im Wert von 1,5 Millionen Euro" , sagt Schöpf. So schrieb etwa die Gemeinde Umhausen ihre Schul-PCs aus. Das günstigste Angebot kam von einer Firma der Plattform. Und nur durch den gemeinsamen Einkauf mit anderen Gemeinden sparte Umhausen 5000 Euro ein. Besonders stark verschuldet sind die Gemeinden in Außerfern. 21 von den 37 Gemeinden weisen laut Gemeindereferat Reutte einen Überschuldungsgrad von über 80 Prozent auf. Neben Lienz sind die Außerferner Orte damit die ärmsten Tirols. Nach Berechnungen der Liste Fritz ist jeder Außerferner mit 2087 Euro verschuldet, jeder Tiroler immer noch mit 1144 Euro. Bei den ärmsten handelt es sich vor allem um kleine Gemeinden bis 1000 Einwohner. Statistisch ärmste Gemeinde 2009 ist Gramais. Aber nicht wegen verschwenderischer Gemeindepolitik, der Ort wurde schlicht an die Kanalisation angeschlossen.

Die Beschaffungsplattform ist für den Chef der Tiroler Gemeinden, Ernst Schöpf, eine Möglichkeit für die Gemeinden, vom Haushaltsminus langsam wieder ins Plus zu kommen: "Alles ist besser, als Gemeinden zusammenzulegen, denn Gemeinden sind identitätsstiftend. Und das nicht nur in Tirol." (Verena Langegger, DER STANDARD; Printausgabe, 5.10.2011)

  • Die Tiroler Gemeinden können ein Drittel ihrer Haushaltskosten 
sparen, indem sie gemeinsam Infrastruktur, etwa Computer für Schulen, 
über ihre Beschaffungsplattform bestellen.
    foto: der standard/hendrich

    Die Tiroler Gemeinden können ein Drittel ihrer Haushaltskosten sparen, indem sie gemeinsam Infrastruktur, etwa Computer für Schulen, über ihre Beschaffungsplattform bestellen.

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