Parlamentschef Slowakei

"Warum sollen wir mit den Griechen solidarisch sein?"

Interview | András Szigetvari, 4. Oktober 2011, 18:32
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    "Griechenland hat die dritt- oder viertgrößte Armee Europas. Die haben 1300 Panzer, die Slowakei hat keinen einzigen."

Schluss mit Rettungseinsätzen: Richard Sulik legt sich gegen neue Hilfen für Griechenland quer

Warum Sulik sich um das Geld slowakischer Rentner sorgt und ihn das griechische Militär nervt, erzählte er in Bratislava.

***

STANDARD: 16 der 17 Euroländer wollen eine Reform des Eurorettungsschirms und ein neues Hilfspaket für Griechenland. Weil Sie und Ihre Partei beides ablehnen, könnte die Slowakei das einzige Land sein, das nicht mitzieht. Warum stellen Sie sich quer?

Richard Sulik: Der ganze Grundgedanke des Eurorettungsschirms ist verkehrt. Da wird versucht die Schuldenkrise mit noch mehr Schulden zu lösen. Das ist, wie wenn jemand versucht ein Feuer mit einem Ventilator zu löschen. Das Einzige, was helfen kann, wäre, Griechenland pleitegehen zu lassen. Da muss ein Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent her. Die Banken müssen Geld verlieren. Es ist doch klar, dass Griechenland seine Kredite niemals zurückzahlen wird. Erst wenn der Schuldenschnitt gemacht ist, können wir über Hilfen sprechen. Aber derzeit würden wir nur die Gläubiger Griechenlands, also die Banken, retten.

STANDARD: Ist das nicht auch eine Frage der Solidarität: Auch die Slowakei hat von der EU profitiert.

Sulik: Die Slowakei profitierte, weil wir unserer Bevölkerung harte Reformen zugemutet haben. Wir haben unseren Haushalt saniert. Warum hat Griechenland das nicht längst gemacht und ein funktionierendes Steuersystem geschaffen? Warum sollen wir mit den Griechen solidarisch sein? Das Land hat eine Armee von 134.000 Soldaten. Griechenland hat die dritt- oder viertgrößte Streitmacht Europas. Die haben 1300 Panzer, die Slowakei hat keinen einzigen.

STANDARD: Viele argumentieren, dass eine Pleite Athens teurer käme, weil dann viele Banken erst recht Staatshilfen bräuchten.

Sulik: Dann gehen halt einige Banken pleite. Sollen wir jetzt das Eigentum aller Aktionäre beschützen? Diese Hilfspakete für Griechenland könnten uns viel Geld kosten, und es ist unmöglich, einem slowakischen Rentner zu erklären, dass er eines Tages höhere Mehrwertsteuern bezahlen soll, damit griechische Rentner weiterhin eine dreimal so hohe Rente wie in der Slowakei genießen können. Und es ist definitiv unmöglich, einem slowakischen Rentner zu erklären, dass er vielleicht höhere Steuern bezahlen muss, damit das Geld von Bankenaktionäre beschützt wird.

STANDARD: Wobei die Griechen seit Monaten hart sparen, um eine Pleite zu verhindern.

Sulik: Die machen gar nichts! Nennen Sie mir nur eine einzige Maßnahme, die wirksam war.

STANDARD: Die Steuern wurden massiv erhöht, nun sollen 30.000 Beamte entlassen werden.

Sulik: Noch sind diese Beamten aber alle da. Die Steuererhöhungen haben nichts gebracht, denn die Staatseinnahmen sinken nach wie vor. Noch schlimmer ist die Ausgabenseite: Von Jänner bis Juli 2010 hat das Land 33,1 Milliarden Euro ausgegeben. Von Jänner bis Juli 2011 waren es 34,6 Milliarden Euro. Das Programm funktioniert überhaupt nicht, nur will das niemand anerkennen.

STANDARD: Trotz Ihrer Kritik haben Sie in den vergangenen Tagen Verhandlungsbereitschaft angedeutet.

Sulik: Wir sind eine kleine Partei in einem kleinen Land. Es ist nicht unsere Ambition, die ganze Eurozone zu stoppen. Wir wollen das Geld der slowakischen Steuerzahler beschützen. Sollte es ein Modell geben, bei dem slowakische Steuerzahler nichts bezahlen müssen, wäre das für uns akzeptabel. Ich habe einen Lösungsvorschlag erhalten, der das sicherstellen soll. Derzeit kann ich mir aber nicht vorstellen, dem Modell zuzustimmen.

STANDARD: Dabei hätte die Regierung trotz ihrer Ablehnung eine komfortable Mehrheit im Parlament.

Sulik: Theoretisch. Neben uns lehnt die nationalistische SNS und eine kleinere Ungarn-Partei die Rettungsschirmreform ab. Das sind 35 von 150 Abgeordneten. Der Witz besteht darin, dass die größte Oppositionspartei, die von Ex-Premier Robert Fico geführte Smer, nicht zustimmen will, solange die Regierung keine einheitliche Position findet. Derzeit können wir das nicht. Das macht die Sache interessant, wir wären in der Lage, das Ganze zu stoppen. Leider hat Fico wie üblich sein Wort nicht gehalten: Er hat angedeutet, dass er zustimmen könnte, wenn es dafür irgendeinen Kuhhandel gibt. Wahrscheinlich macht jemand auf ihn Druck, und jetzt hat er die Hose voll. Wobei noch niemand sagen kann, ob er seinen Kuhhandel bekommt.

STANDARD: Haben Sie nicht Angst, dass die Slowakei isoliert wird, wenn das Land mit Nein stimmt?

Sulik: Warum, weil wir als einziges Land in der Eurozone auf die Einhaltung der Regeln pochen, wonach jedes Land für seine eigenen Schulden haftet. Sollen doch die anderen 16 Staaten erklären, warum sie die Regeln brechen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2011)

RICHARD SULIK (1968) ist Präsident des slowakischen Parlaments. Er ist Vorsitzender der liberalen Partei Freiheit und Solidar ität (SAS), der drittstärksten Kraft im Parlament. Die SAS bildet mit drei weiteren Parteien die Regierung. Der Ökonom Sulik arbeitete vor dem Sprung ins Parlament im Finanzministerium.

Kommentar posten
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libera
00
6.11.2011, 10:00

warum sollen WIR ALLE für die griechischen schulden aufkommen? die dortigen reichen sollen ihre steuern zahlen
die reeder zahlen seit onassis überhaupt keinerlei steuern mehr!
mir reicht das ganze
raus aus der eurozone mit den griechen!

kurt haenel
 
00
2.11.2011, 18:18

was macht dann die Slowakei eigentlich in der EU ?
Nur abzocken ?

Alexander Patjomkin
00
2.11.2011, 16:23
Das ganze "Rettungspacket" ist nichts anderes als ein Transfer

von den Streuerzahlern und Rentnern zu den Banken und deren Aktionären.... Die Slovaken haben völlig Recht.

Fritz Wintersberger
00
2.11.2011, 13:57
Schluss mit lustig

Und Strache und die FPÖ durfte das nicht einmal andenken.....

Yossarian
02
5.10.2011, 17:43
An sich muss man dem Herrn Sulik nur zustimmen.

Warum sollte irgendein Land bzw. seine Steuerzahler Solidarität mit den Banken und ihren Eigentümern haben.

Ohne substantielle Beteiligung bzw. Verpflichtung der Banken und ihrer Aktionäre darf kein Steuergeld fliessen.

Was mich aber schon stört ist die Tatsache, dass eine Kleinpartei in einem Kleinstaat, die zufällig in einer Regierung sitzt, die Macht hat, den ganzen Euro-REttungsschirm aus welchen Gründen auch immer zu kippen. Da ist etwas faul am politischen System in Europa.

chilli p.
40
5.10.2011, 15:37

weil ihr mitglieder seid. trotteln.

Waldviertler1
01
5.10.2011, 14:59
50% Ausgleichsquote bei einer Insolvenz von Griechenland. An alle die Glauben, die Griechen werden gerettet, der Euro stabilisiert und die Schuldenkrise wird gelöst!

Es gibt bei Überschuldung nur eins! Ein Schuldenschnitt, sonst nix! Mehr Schulden und deshalb höhere Zinsen kann man nicht bedienen, wenn man überschuldet ist, deshalb gibt es im Kapitalismus auch einen Konkurs und einen Ausgleich (wie jetzt bei Griechenland notwendig)!

Nur Schade dass wir so naiv sind und die Politiker die 50 % Ausgleichsqoute den Bürgern aufbürden, anstatt den Spekulanten!

Die Staatsschulden bestehen grossteils aus Zinsen (Giralgeldschöpfung), deshalb wäre ein Schuldenerlass problemlos möglich!

report MÜNCHEN, Hintergründe:

http://www.br-online.de/das-erste... 536591.xml

http://www.youtube.com/watch?v=j... re=related

http://www.occupytogether.org

Hathor36
26
5.10.2011, 14:56
Sulik ist der einzige Politiker in der Euro-Zone, der seine Eier noch hat

alle anderen haben sich schon längst vor der Finanziellen Internationalen in die Hose gemacht!

Hoffe, Hr. Sulik bleibt standhaft und lässt sich nicht unterkriegen!

purecynicism
31
5.10.2011, 13:22

Der Mann hat mit allem was er sagt voll und ganz recht.

Schmeiss ma die Mittelmeerkanaken bitte endlich aus der Eurozone. I will net das meine Kinder mal für die Tsatsikifresser die zu faul zum stinken sind haften müssen.

Staatssekretär
20
5.10.2011, 14:23

Allen, die hier Sulik ebenfalls uneingeschränkt Recht geben - sei ihr Posting ans Herz gelegt.

dunklematerie37
05
5.10.2011, 13:17
An alle Politquatscher:

Griechenland ist ein Faß ohne Boden.
Was man oben reinschüttet rinnt unten an die Banken weiter. Diese kassieren enorme Risikoaufschläge-das Risiko tragen aber wir.
Das ist eine Umverteilung von unten nach oben in den Geberländern via Griechenland.
Griechenland hat nicht nur nichts davon, es nimmt durch diese Politik Schaden.
Kein relevanter Ökonom unterstützt diese Politik.
Gerade die Linken sollten verstehen dass es hier um etwas anderes geht.
Jeder Polit-Teilnehmer agiert hier nur noch nach eigenem kurzfristigem Interesse.

sapere aude 15.10.Wien

Therimon
21
5.10.2011, 13:14
Ein wunderbares Beispiel dafür ...

... wie man (genannter Sulik) "das Richtige tun" (OK, SAGEN) kann - aber das aus den falschen Gründen. Eigentlich ja witzig fast. Denn er kann damit rechnen, dass ihm - hier im Forum etwa - von "den Apologeten" applaudiert wird. Und das wiederum aus den falschen Gründen. Weil sie einfach glauben, der meint das wirklich "so" (im Sinne von "ehrlich"). Unter'm Strich faszinierend eigentlich.

Armin Bierbauer
00
5.10.2011, 13:07

Angeblich hat die Slowakische Nationalbank auch massiv die Goldreserven aufgestockt. Is ja auch keine blöde Idee.

mrheli
21
5.10.2011, 13:03

Griechenland soll aus der Währungsunion raus und dann von mir aus Schuldenschnitt. Sonst kommen die ganzen anderen armen EU Länder auf dieselbe Idee und sagen einfach das sie es alleine nichtmehr stemmen können. Wäre nicht gut für den Euro...

Grundsätzlich kann es Griechenland wieder schaffen sich aufzuraffen, aber dazu braucht es viel, viel Zeit.

MacTux
12
5.10.2011, 13:01
es schaut so aus als ob uns die slowaken den a.... retten werden.

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
515
5.10.2011, 12:27
Der Mann ist alles, was unsere politische Elite

nicht ist: kompetent, gebildet, Unternehmer, Praktiker. Man kann den Slowaken gratulieren.

Stef Hoche
23
5.10.2011, 13:25
der mann ist ein populist.

möchte einen volksbescheid über die griechenlandhilfe. hätte gerne sein gesicht gesehen wenn jemand in österreich oder deutschland eine volksbefragung zum eu beitritt der slowakei inlklusive der damit verbundenen kosten verlangt hätte.

kyselak3
 
02
5.10.2011, 14:33
zeigen sie mir einen einzigen "volksbescheid"!

bitte!

Stef Hoche
40
5.10.2011, 14:41
was genau meinen sie

mit "zeigen sie mir einen volksentscheid"? haben sie auch argumente oder nur sinnlose fragen?

kyselak3
 
01
5.10.2011, 14:45
meine bitte lautet:

zeigen sie mir einen einzigen "volksbescheid"! (Copyright: "Stef Hoche")!

und nicht:

zeigen sie mir einen einzigen "volksentscheid"!

Stef Hoche
00
5.10.2011, 16:26
ok

dann halt was meinen sie mit volksbescheid?

kyselak3
 
00
5.10.2011, 16:32
sie haben

in ihrem eingangsposting "volksbescheid" geschrieben.
warum soll ich ihnen erklären, was ich mit "volksbescheid" meine? mir ist dieses wort heute zum ersten mal unter die augen gekommen.

Arbeiterführer Kuhaltinger
 
00
6.10.2011, 12:09
Is er so oder stellt er sich nur so?

Slowakei...welche Kosten? PS: diese Affenartige Griechenlandliebe, hat die etwas mit der Sozialistischen Internationale zu tun?

kerihuelo
64
5.10.2011, 12:50

naja wenn ich nach obigem interview gehe, dann ist er ein typischer antisolidarischer polemiker. von denen haben wir genug!

gilt hc eigentlich auch als unternehmer ;=)

wenn ich mich schon gegen eine mehrheit stelle, dann sollte ich auch handfeste argumente anführen. der gute herr drischt phrasen, mehr nicht!

Geoffrey of Monmouth
83
5.10.2011, 12:24

Sulik erscheint mir wie ein stures, kleines Kind, das mit dem Kopf unbedingt durch die Wand will.

Warum sollen wir mit den Griechen solidarisch sein?

Viel Spaß beim Erreichen eines vereinten Europas mit solchen Leuten.

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