Qualitätssicherung bei Lehrlingsausbildung geplant

4. Oktober 2011, 15:35

Lehrlinge und Betriebe mit Migrationshintergrund sollen durch neue Berufsausbildung besonders gefördert werde

Wien  - Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat am Dienstag eine Novelle des Berufsausbildungsgesetzes (BAG) in Begutachtung geschickt. Lehrlinge und Betriebe mit Migrationshintergrund sollen dadurch besonders gefördert werden. Ein weiteres Ziel ist die Qualitätssicherung bei den Lehrabschlussprüfungen. Für die Umsetzung sollen ab 2012 rund 11,5 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Das gab das Wirtschaftsministerium in einer Aussendung bekannt.

Gezielte Projektförderung

Wirtschafts- und Sozialministerium haben sich auf die Novelle geeinigt und sollen künftig einvernehmlich Richtlinien erlassen, mit denen sie nicht gebundenes Geld für Förderprojekte verwenden können. Laut einer Berechnung der zuständigen WKÖ Inhouse GmbH stehen dafür im nächsten Jahr rund 11,5 Mio. Euro zur Verfügung. Mitterlehner begründet die Novelle mit dem demografischen Wandel und dem zunehmenden Fachkräftebedarf der Betriebe: "Durch gezielte Projektförderungen wollen wir mehr Jugendliche für eine Lehre motivieren und Betriebe, die neu in die Lehre einsteigen, bei der Ausbildungsplanung unterstützen. Ein besonderer Fokus liegt auf Lehrlingen und Betrieben mit Migrationshintergrund." Dieser finanzielle Spielraum entstehe durch die Umstrukturierungen in der Lehrlingsförderung, die aus dem Insolvenzentgeltfonds finanziert wird. Insgesamt sollen im kommenden Jahr 155 Millionen Euro für die betriebliche Lehrlingsförderung vergeben werden.

Einfacher zum Lehrabschluss

Stärker unterstützt werden sollen auch Betriebe, die Auslandspraktika von Lehrlingen forcieren, so Mitterlehner weiter. Gleichzeitig gehe es darum, die Drop-out-Quote durch zusätzliche Beratungsangebote zu reduzieren und die Qualität der Lehrabschlussprüfungen zu sichern. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) zeigte sich in einer Aussendung zuversichtlich, dass sowohl Lehrlinge, als auch die ausbildenden Betriebe selbst von der Novelle profitieren würden. 2010 wurden fast 22.000 Lehrverhältnisse vorzeitig gelöst, jeder fünfte Lehrling schafft die Lehrabschlussprüfung nicht. Man wolle mit dem Gesetz die Voraussetzungen schaffen, dass qualifizierte Hilfskräfte einfacher zu einem Lehrabschluss kommen können. Dazu werden bisher erworbene Fertigkeiten und Kenntnisse erhoben und noch fehlende Qualifikationen vermittelt, um zum Lehrabschluss zu gelangen. (APA)

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10 Postings

Warum sollen bitte schon wieder Lehrlinge mit Migrationshintergrund besonders gefördert werden???

Wer in einem Alter ist in dem er eine Lehre antreten kann der hat lang genug das österreichische Schulsystem genossen um (Lernwille und Integrationswille vorausgesetzt natürlich) keiner besonderen Förderung mehr zu bedürfen. Wer 15 Jahre in Österreich gelebt hat sollte ein gleichwertiger, selbst-erhaltungsfähiger Teil des Arbeitsmarktes sein.

Warum sollten die also mehr gefördert werden als rein österreichische Lehrlinge???

Stimmt.
Sozial, flächendeckend und effizient - sprich: sinnvoll - wäre grundsätzlich wäre ein solides zeitgemäßes Schulsystem, familien/kinderfreundliche Sozialpolitik mit entsprechenden öffentlichen und niederschwelligen Einrichtungen (bedeutet auch: die Erwachsenen brauchen Arbeitszeiten und Rahmenbedingungen, die den nötigen Spielraum lassen) UND eine ECHTES Qualitätsmanagement in der betrieblichen Ausbildung! Dann würde sich auch das Image der Lehre endl heben,nicht alle würden in die Schulen drängen. So wie es jetzt geht schimpfen sie nur auf die ach so verlotterte Jugend, ziehen massive Hürden ein um "die Guten" von höherer Bildung auszuschließen und in Handwerk/Gewerbe/Industrie zu drängen.

Das Problem WARUM alle in die Schulen drängen ist ja dass man mit Lehre kaum noch überlebensfähig ist. Früher war man Tischler und hat ein gutes Auskommen gehabt, ein gewisses Ansehen und einen schönen, abwechslungsreichen Beruf mit Eigenverantwortung. Heute hat man die Wahl Tischler zu werden um dann im Baumarkt am Plattenschneider zu stehen und den ganzen Tag Kochplatten zuzuschneiden...

Oder man studiert Design, Kunst oÄ um Möbel-Designer zu werden.
Das braucht man heute um zB einen Beruf zu haben in dem man die verlockenden Seiten vom Tischler der 1950er genießen kann.

Ja, das stimmt.
Es gibt viele Faktoren, die dafür verantwortlich sind
u.a. die Weigerung der Wirtschaft, die Lehre zu attraktivieren (dabei zeigen einschlägige Studien, dass es gar nicht mal um eine hohe Lehrlingsentschädigugn o.ä. geht sondern die Jugendlichen schlichtweg a. was lernen wollen (nicht nur als geförderter Hilfhackler den Teschek spielen) und b. sich nicht ausbeuten lassen wollen (Stichwort unbezahlte Überstunden, Zoff wegen (!) Krankenständen usw.). Decent work heißt das Zauberwort - dann kann auch die Wirtschaft wieder Ansprüche stellen. Aber nur verlangen und nix bieten is ein bissl wenig (Wobei ich nicht alle in einen Topf werfen will, weils auch wirklich engagierte tolle Lehrbetriebe gibt - aber die leiden ja selber!

Welche jungen Menschen "drängen" in die Schulen? Es gibt Lehrermangel! Derzeit werden auch an den AHS schon Studenten als vollwertige Lehrkräfte eingesetzt!

Ich meinte damit die Jugendlichen, die als SCHÜLERiNNEN in die Schule drängen - nicht Erwachsene als LehrerInnen. Es ist nämlich Fakt, dass sich diese vermehrt für schulische Ausbildungen entscheiden und das Interesse an der Lehre rapide gesunken ist. Wenn die Wirtschaft wirklich so kracht unter dem Fachkräftemangel (und angesichts der demografischen Entwicklungen sollte sie eh langsam nervös werden), dann sollte sie - anstatt die Schuld nur bei allen anderen zu suchen - auch mal überlegen, warum es immer schwieriger wird, geeignete Lehrlinge zu finden. Das Spektrum der Ursachen ist umfrangreich.... Weil die Pauschalurteile gegen "die Jugend" sind einfach nur mehr unerträglich.

Damit die "Gutmenschen" zufrieden sind.......

Anstatt Migranten so zu akzeptieren wie Sie sind und Förderungen anzubieten, wenn sie wollen, natürlich wieder ein bla bla ..mit Verpflichtung... Kein vernünftiger Österreicher hat etwas gegen Einwanderer usw. Wir können ja auch von ihnen sehr viel lernen.. Aber immer diese besonderen Förderungen. Einmal für Damen, dann für Migranten usw.. Da kommt sich doch jeder verarscht vor.. Die einzigen die lachen, sind die Rechtsnationalen......

Kennst du die Werbung, in der ein verhungerndes afrikanisches Kind mitten in der verdorrten Steppe verzweifelt vor Eislaufschuhen steht? - So ist es bei den Förderungen. Nicht jede Gruppe (Männer, Frauen, Alte, Junge, MigrantInnen,...) hat dieselben Bedürfnisse, daher gibts - nachvollziehbar - unterschiedliche, passende Förderungen. Trotzdem stimm ich dir dahingehend zu, dass viele speziellen Förderungen gar nicht nötig wären - WENN (!) stattdessen grundlegende soziale Chancengleichheit gegeben wäre. Grad bei den MigrantInnen kommt das zum Tragen - das ist selten eine kulturelle Frage, viel öfter eine soziale. (Meine leider verstorbene Oma hat das immer cool gesagt: "Früher waren wir das Gsindel, heute sinds die Ausländer")

Betriebe mit Migrationshintergrund ^^

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