Fördermittel gestrichen

Studentenheime: "Verfallen lassen oder teurer werden"

Lisa Aigner, 5. Oktober 2011, 14:30
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    foto: oejab

    Ein Doppelzimmer im Haus Burgenland in Wien.

Die Streichung der Fördermittel für Sanierung und Neubau von Studentenheimen führt zu höheren Mietkosten

Wohnen in Studentenheimen wird teurer. Der Bund hat bereits im Jahr 2010 bei der Budgeterstellung in Loipersdorf beschlossen, dass die Förderung für Neubauten und Sanierungen gestrichen werden. Dieser Beschluss wirkt sich nun auch auf die Mietkosten für Studentenheime aus. Die Studentenheimbetreiber können kaum noch sparen und müssen die Kosten für Sanierungen zumindest teilweise an die Studenten weitergeben. "Entweder man lässt das Studentenheim verfallen oder man muss teurer werden", erklärt der Geschäftsführer des Salzburger Studentenwerks, Georg Leitinger, im Gespräch mit derStandard.at.

"Auswirkungen nicht bedacht"

Der Vorstand des Studentenwerkes hat beschlossen, dass ab 1. September 2012 der Preis pro Zimmer um 60 Euro pro Monat steigen wird, sofern der Beschluss der Regierung aufrecht bleibt. "Die Regierung hat die Auswirkungen nicht bedacht", glaubt Leitinger, der nun gemeinsam mit der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) versuchen will, den Beschluss rückgängig zu machen. Dies scheint jedoch sehr unwahrscheinlich. Aus dem Büro von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle heißt es, dass es zur Streichung der Förderung gültige Beschlüsse gebe und sie "Teil des Konsolidierungspakets, das nicht wieder aufgeschnürt wird" sei. 

Zehn Prozent wohnen im Studentenheim

In Österreich wohnen laut Studierendensozialerhebung 2009 zehn Prozent der Studierenden in Studierendenwohnheimen. Die Untersuchung ergab, dass die Wohnkosten in Studentenheimen in Österreich bei 245 Euro liegen. Durchschnittlich geben österreichische Studierende fürs Wohnen 325 Euro aus. 72 Prozent der Studierendenheimbewohner gaben an, wegen der niedrigen Wohnkosten im Heim zu leben, 65 Prozent wohnen unter anderem wegen der vorhandenen Grundausstattung dort. 

"Ein Wahnsinn für die Studis"

"Der Beschluss war unvorhersehbar und katastrophal", sagt Martin Strobel, stellvertretender Generalsekretär der WIHAST (Wirtschaftshilfe der Arbeiterstudenten Österreichs) über die Streichung der Fördermittel durch den Bund. Er kann sich aber nicht vorstellen, dass die gesamten Kosten, die durch die Streichung der Förderungen entstehen werden, an die Studierenden abgeben werden. "Das wäre ein Drittel mehr Miete, das wäre ein Wahnsinn für die Studis", sagt Strobel zu derStandard.at. Die WIHAST werde versuchen, bei Personal und Einrichtung der Zimmer zu sparen. "Zum Glück sind die meisten Häuser gerade saniert worden", sagt er. Pläne von Neubauten mussten allerdings aufgeschoben werden. 

Sparen nicht mehr möglich

Sparen sei für seine Organisation nicht mehr möglich, sagt Wilhelm Perkowitsch, Geschäftsführer der ÖJAB (Österreichische Jungarbeiter Bewegung). "Wir waren schon bisher genötigt so weit wie möglich zu sparen und auch die Ausgaben für die Betriebskosten werden immer höher", sagt er. Als Beispiel nennt er die Erhöhung der Wasserkosten in Wien. In Studentenheimen sind Betriebskosten bereits im Mietpreis enthalten. Der Heimpreis wird laut Perkowitsch ab dem nächsten Studienjahr um zwanzig bis 25 Prozent steigen. "Das sind 40 bis 50 Euro, aber genau kann ich das jetzt noch nicht sagen", so der Geschäftsführer. Die Steigerung müsse noch mit den Studenten besprochen werden und soll in Etappen passieren. 

Die Heimbetreiber werden vom Bund angehalten keine Rücklagen zu bilden, damit die Mietpreise so niedrig wie möglich sein können. Dieses Geld fehlt jetzt aber für die anstehenden Sanierungen. "Ein Heimbetreiber mit fünfzig Betten bekommt von der Bank keinen Kredit, der kann sein Heim verkommen lassen oder zusperren. Heimbetreiber müssen, wenn sie Bundesmittel wollen, sicherstellen, dass sie das Gebäude nur als Studentenheim betreiben", sagt Leitinger vom Salzburger Studentenwerk.

Ministerium: Erfolgte Zusagen bleiben

Leitinger kritisiert, dass es gegenüber den Heimbetreibern von Seiten des Wissenschaftsministeriums keine offizielle Stellungnahme zur Problematik gibt. Gegenüber derStandard.at verweist man im Ministerium aber auf Gespräche mit den Heimbetreibern. "Heuer und im kommenden Jahr sind die Förderungen in vollem Umfang gesichert, erfolgte Zusagen bleiben bestehen", heißt es. 2011 sind nach Angaben des Ministeriums 11 Millionen Euro für Studierendenheimförderung budgetiert, im kommenden Jahr sind es 8,7 Millionen.

Für die später nötigen Sanierungen wird dieses Geld aber nicht reichen. "Wenn kein Wunder passiert, müssen wir teurer werden und ich habe aufgehört an Wunder zu glauben", sagt Perkowitsch von der OJAB resigniert. (Lisa Aigner, derStandard.at, 4.10.2011)

Kommentar posten
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Kathi 89
00
27.10.2011, 07:36
Studiheim

Habe selbst einige Semester in einem Heim gewohnt und kenne mehrere andere Heime durch Freunde. Leider ist es jetzt schon so, dass viele Heime völlig heruntergekommen sind. Wo ich gewohnt habe (210€ für 10m2 Einzelzimmer) gab es Kakerlaken und es gingen regelmäßig die Klos über, incl. Überschwemmung. Im Keller eines der Häuser stand seit Jahren 30cm hoch ausgelaufenes Heizöl. In der Waschküche roch es immer stark nach abgestandenem Wasser. Die Betten waren mehr Pritschen - 80 cm breit und es gab statt einem Lattenrost eine Holzplatte.
Trotz dieser Zustände war die Heim-Zeit auch schön und ich möchte die Erfahrung nicht missen. Vom Preis-Leistungs Verhältnis ist eine Wohnung/WG einem solchen Heim aber um Längen voraus.

Rupert Heim
10
9.10.2011, 17:17
Weil sich hier viele studentische Blindgänger herumgetrieben haben noch eine Erfahrung zum Abschluß

Ich kenne einige erfolgreiche Akademiker die auch sehr gerne und gut handwerklich tätig sind.
Ihr eitlen und faulen Deppen, die ihr mit Verachtung auf Handwerkende herabseht.

Got Your Nose!
01
17.10.2011, 17:52

schon einmal daran gedacht dass man in heimen nicht einmal bilder aufhängen darf? ich hab schon einen anschiss für ein poster mit patafix an der wand bekommen. handwerklich kann aber der durchschnittsstudent schon aus sicherheitstechnsichen gründen nicht viel mehr als lampe tauschen mache, alles andere braucht fachwerkzeug, fachwissen, und enorm zeit für wandaufstemmen, etc. studenten bauen nicht aus faulheit keine kamine ein, sondern weil sie es nciht können.

Munis
07
6.10.2011, 11:48
Teure Studentenheime, Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen

Streichung der Familienbeihilfe, Knock-out Prüfungen.
Dieses Land kotzt mich nur mehr an. Anscheinend will man nur mehr vertrottelte KRONEN Zeitung Leser in Österreich haben, weil ein Land das Bildungswillige unterstützt sieht anders aus. Ich schäme mich Österreicher zu sein, dieses Land ist nur mehr eine intellektuelle Niederlage, eine Wüste für die Intelligenz.

Roter Baron
01
6.10.2011, 10:07
habt doch verständnis

wir brauchen geld und geld und nochmal vielviel mehr geld für die bankster und börsenzokker.

roter baron

Mike 23
11
6.10.2011, 12:31
Das kommt erst noch

Fuer die haben wir noch kein Geld ausgegeben.
Derzeit brauchen wir das Geld fuer Sozialsystem, Pensionen, Strassen etc.
Michael

Kakadu89
07
5.10.2011, 22:38
Das tut richtig weh.

Ich bin hier geboren, bin hier Student, ich lebe gerne hier, ich mag die Leute, das Land, das Essen, alles...

...aber bei sowas (lebe selbst in einem Studentenheim - Wohnungspreise sind für Studenten einfach unleistbar) bekomme ich unglaublichen Blutdruck. Da mag man echt irgendwann einfach nur auswandern, weil man jahrelang so ver*****t wird. Ich gehe nebenbei arbeiten, damit ich mir mein Studium leisten kann, meine Studienbeihilfe ist lächerlich. Alleine mit der und der Fam-Beihilfe käme ich monatlich auf nicht einmal 400 Euro. (Nein, keine reichen Eltern.) Man wird vom Staat nicht nur nicht unterstützt, man bekommt sogar Steine in den Weg gelegt. Aber Hauptsache Studiengebühren zahlen, weil man wegen dem Nebenjob länger braucht...

Phan Tast
00
5.10.2011, 22:07
Naja.

Jetzt, wo gerade in der Steiermark die Wohnbehilfe halbiert wurde, wird die Wahl der eigenen Wohnung oder WG doch nicht ganz so einfach werden.

Angelika70
00
5.10.2011, 21:26

Ich verstehe nicht, warum die Jungstudenten überhaupt in Heime ziehen. Um diese Kosten geht sich zu zweit locker eine kleine Mietwohnung aus, Privatsphäre inklusive.
Abgesehen davon müssen sie im Sommer nicht ausziehen.

Meine Stieftöchter haben dies so gemacht, sie wohnen billiger als ihre Mitstudenten in den Heimen.

Got Your Nose!
00
7.10.2011, 19:22

wo? wohnung für zwei mit insgesamt nicht über 800 miete, halbwegs in uninähe!
bitte!

Angelika70
00
17.10.2011, 13:53

1170 Wien, 15min. von der Uni, geschickt aufgeteilte 60m2 für 500.- warm. Die Wohnung war etwas sanierungsbedürftig aber dafür gibts ja liebende (Stief)Elternteile.

Got Your Nose!
00
17.10.2011, 17:49

okay, bei mir heißt uninähe in der nähe der meduni innsbruck. und da schauts mietetechnisch schon ein bisschen düsterer aus...

nacaseven
02
5.10.2011, 22:34
her damit!

ich suche seit Monaten eine leistbare Wohnung in Wien.
Die allermeisten sind maßlos überteuert und/oder mit Maklerprovision und die guten werden innerhalb von MINUTEN nach Veröffentlichung weggeschnappt.

4simo
00
6.10.2011, 10:39
schau mal bei easywg.at

Grinsegelb
01
5.10.2011, 22:09
wohnung vs. studiheim

bei den aktuellen mietpreisen sind wohnungen wirklich nicht billiger, sollte der preis der heime allerdings wie erwähnt steigen, ist das unverhältnismäßig hoch für gebotene wohnqualität und größe etc. der studierendenheime.

leider, leider sind wohnungen auch so teuer... in wien sind mehr als 10€ pro quadratmeter mittlerweile realität.

achiever
01
5.10.2011, 22:09

es gibt nach wie vor heime um die 230€ im Monat inklusive Putzfrau zu haben sind.

und ein guter Grund: In einer neuen Stadt Fuß zu fassen und viele Leute kennen zu lernen geht nirgends besser als in einem Studentenheim...

worry1
00
5.10.2011, 19:56
Da zockt wohl wieder jemand kräftig ab!

Bei den Preisen, die die für so kleine Löcher verlangen, müßten sie doch über die Jahre genug eingenommen haben.

Pfuideifi
02
5.10.2011, 19:50

Hab selber lange in einem Studentenheim gewohnt.
Der Betreiber hat sich fürs "Verfallenlassen" entschieden.
Schimmel an den Wänden war da noch das kleinste Problem.
Die letzten Jahre hat man dann hauptsächlcih Studierende aus Osteuropa dort einquartiert, frei nach dem Motto: die sind's eh gewöhnt.
Da ist vieles schiefgelaufen, und die aktuelle Entwicklung pervertiert den sozialen Grundgedanken eines Studentenheims

u mad?
00
5.10.2011, 19:38

Beispiel Wiener Neustadt:

Wihast Wohnheim,
viel Kaution (250€, mind. 50€ verliert man gleich wieder durch eine Endreinigungspauschale)
>250€ p. Monat für ein winziges Zimmer, Küche und Kühlschrank die gerade mal für einen reicht (bei 2 Personen eher ungemütlich)
Immer wieder Ruhestörung, Vandalismus
Leitung die immense Summen für angebliche "Schäden" verlangt

Daneben das FH-WN Studentenwohnheim

100€ Kaution
220€ für eine deutlich größere Wohnung
Gut eingerichtete Küche, großes Bad

Urban Loritz
 
00
5.10.2011, 22:10

Ich glaube nicht, dass die € 50 und der kleine Kühlschrank im Heim von Wr. Neustadt hier das große Thema sind. Habe selbst 4 Semester dort gewohnt. Like it or leave it. In anderen Städten ist das Preis/Leistungsverhältnis viel schlechter, Deine Kritik an der Wihast daher mE nicht angebracht.

u mad?
01
6.10.2011, 07:34

das ist ja erst der anfang, von nicht erledigten Reparaturarbeiten bis hin zu "lustigen" Rechnungen von 80€ für 10 Minuten Arbeit eines Installateurs der eh schon im Haus war oder einfach mal das in Rechnung stellen einer dem Vandalismus zu Opfer gefallenen Tür über 300€.

Komisch nur dass sie dann beides nicht eingefordert haben wie ich ausgezogen bin ... aber probieren kann mans ja mal und ich befürchte dass sie sehr oft damit durchkommen ...

Thomas Hr
 
03
5.10.2011, 19:06
kleine Auflistung

3tes Semester: 290 Euro Literatur (teils auch in der Bibliothek, aber max Ausleihdauer 10 Tage, somit nichtig)
Schulutensilien: 70 Euro (evtl fürs ganze Jahr)

Fixkosten: 245 Miete, 35 euro Strom, 120 Euro Benzin (2 mal im Monat heimfahren) sonstige Strecken zu fuß / fahrrad

= 760 im ersten Monat des neuen Semesters weg. (ohne essen, kleidung, hygiene)

Familienbeihilfe + Studienbeihilfe -> 635 Euro

Im ersten Semester sind die Kosten meist noch höher.

Diese kleine aber feine auflistung ist an die "Neider" und / oder Studenten "Hasser".

Weiters finde ich einige Kommentare zu dem Thema beinahe Krone würdig. Haben Sie sich vertippt?!

halt die goschn
00
5.10.2011, 22:21
360 Euro

Für Literatur bzw. Utensilien find ich jetzt auch ein wenig viel. Ich hab mich immer gefragt, was wirklich essentiell für mein Studium ist, da sind dann viele empfohlene Sachen gleich wieder weggefallen. Aber wie gesagt, ist für mein Studium gesprochen, ist sicher nicht überall gleich. Btw. 35 Euro für Strom, da würde ich auf jeden Fall nachfragen, das ist entweder eine Fehleinstufung oder miese Abzocke. Momentan zahl ich für Strom 13 E, hatte aber schon weniger.

question me
20
5.10.2011, 20:51

gegenvorschlag (von mir gelebt):

literatur für zwei GEWI/LA fächer: ausgeborgt (lehrbuchsammlung, bib(s), geteilt, kopiert) = ca 10e/semester

schulutensilien (?): 5e (=1 A4 block + guter stift)

fixkosten: 220e (20m2 zimmer in großer WG in wiener außengürtel bezirk inkl. internet, betrk., usw.).
12e/monat für semesterticket, in den ferien mit rad
heimfahren mit sparschiene österreich/minimax/gruppenticket

----
fazit: jeder student sollte mit 600e/monat auskommen.

Annamaria Herz
00
11.10.2011, 11:13
was die kosten von studienliteratur anbelangt

hängt das extrem davon ab, welches fach man studiert! Bei geisteswissenschaftlichen fächern ist es leichter, da man viel ausborgen kann (z.b. bei germanistik borg ich mir meistens die zu lesenden bücher aus, etc.) und lehramtsstudenten haben die lehrbuchsammlung,etc... Aber bei Fächern wie Medizin hat man unglaubliche Preise und muss vieles neu kaufen oder z.B. auch bei Jus....Habe bei Jus im Semster um die 200€ für Skripten und Bücher ausgegeben, bei Germanistik ist es nicht mal die Hälfte!!!

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