EU-Bürger fürchten sich vor Betrug bei Online-Shopping

4. Oktober 2011, 13:41
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Verbraucherschützer: Grenzüberschreitendes Einkaufen besser als sein Ruf

Online-Shopping wird immer beliebter - solange der Anbieter im Inland sitzt. Vergangenes Jahr haben nach Zahlen der EU-Kommission bereits 40 Prozent der Konsumenten europaweit im Netz eingekauft. Im Ausland kaufen dagegen nur neun Prozent, weil sie Betrug oder Übervorteilung fürchten. Dabei ist grenzüberschreitendes Online-Shopping besser als sein Ruf, so das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Österreich am Dienstag. Bei Informationen zu Gewährleistung und Rücktrittsrecht orten die Konsumentenschützer aber noch Mängel.

Skepsis groß

Die Skepsis gegenüber grenzüberschreitendem Einkauf ist groß. Zwei von drei potenziellen Kunden haben Angst, übers Ohr gehauen zu werden. 60 Prozent sind unsicher, was sie bei Bestell- oder Lieferproblemen tun sollen und 44 Prozent kaufen lieber nicht bei Anbietern im Ausland, weil sie meinen, sich mit der Rechtssituation nicht auszukennen.

Ängste unbegründet

Wirklich begründet sind diese Ängste nicht, zeigt eine Erhebung der Europäischen Verbraucherzentren, bei der 305 Käufe - u. a. Bücher, Kleidung und CDs - getätigt wurden. Lediglich 16 Prozent der grenzüberschreitend bestellten Waren wurden verspätet geliefert, in fünf Prozent der Fälle erfolgte gar keine Lieferung. "Damit ergibt sich kein signifikanter Unterschied zu Online-Shopping-Erfahrungen im nationalen Rahmen", konstatierte das EVZ. Hier wurden 18 Prozent der bestellten Waren zu spät und sechs Prozent überhaupt nicht geliefert.

Trotzdem nicht alles eitel Wonne

Alles eitel Wonne ist aber aus Sicht der Verbraucherschützer noch nicht. 40 Prozent der Internethändler informierten nur in der jeweiligen Landessprache, 37 Prozent unterließen Informationen zur Gewährleistung. Bei einem von drei Anbietern war nicht klar, ob die Umsatzsteuer im Preis inbegriffen ist und 18 Prozent verwiesen nicht auf das Rücktrittsrecht. Die Zahlung per Rechnung - für den Konsumenten laut EVZ die sicherste Zahlungsweise - haben nur 6 Prozent angeboten, dafür akzeptierten fast alle die Kreditkarte. Und: 50 Prozent der Händler erstatteten die Versandkosten nicht zurück.

Ergebnisse "grundsätzlich sehr erfreulich"

EVZ-Leiter Georg Mentschl bezeichnete die Ergebnisse in einer Aussendung aber als "grundsätzlich sehr erfreulich". Seit dem Jahr 2003 sei es zu deutlichen Verbesserungen gekommen. Damals wurden nur 66 Prozent der Waren geliefert, heute sind es 94 Prozent. Auch wird nunmehr in 90 Prozent der Fälle der Kaufpreis zurückstattet, nach 69 Prozent 2003. Konsumenten rät das EVZ, sich genau zu erkundigen, von wem man kauft und alle Unterlagen rund um den Bestellvorgang auszudrucken und aufzuheben. Das Rückgaberecht besteht übrigens auch beim Kauf in anderen EU-Ländern: Innerhalb der vereinbarten Frist - in Österreich sind es sieben Werktage, in Deutschland, Dänemark oder Großbritannien 14 - kann die Ware ohne Angabe von Gründen retourniert werden. (APA)

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    foto: standard/cremer

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