Kampf gegen Gier, Boni & Co

Wochen des Zorns an der Wall Street

Sigrid Schamall, 04. Oktober 2011 13:05
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    Was "von unten" und klein begonnen hat, ...

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    ... wurde inzwischen zu einer Massenbewegung.

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    Täglich wächst die Zahl der Demonstranten und weitet sich von New York auf andere US-Metropolen aus.

In New York wächst der Wider­stand: Inspiriert von den Aufständen der arabischen Welt demonstrieren Hunderte gegen die Eliten des Landes

Begonnen hatte alles am 17. September. Ein sonniger Tag in New York. Im kleinen Zucotti-Park in Manhatten versammeln sich eine Handvoll Demonstranten. Nicht zufällig befindet sich die Anlage in unmittelbarer Nähe der New Yorker Wall Street. Während sich die Finanzelite hinter den Absperrungen verschanzt, nimmt die Zahl der Protestierenden zu. Heute sind es bereits Tausende, die gegen eine Liste von Unstimmigkeiten ihre Stimme erheben. Denn, so der Tenor, in den USA und im Rest der Welt läuft einiges gründlich falsch: Zwangsversteigerungen, Arbeitslosigkeit, Klima- und Sozialpolitik sowie die Banker-Boni.

Vorbild für den Massenauflauf sind der arabische Frühling, Proteste in Spanien und in Griechenland. Die "Occupy-Wall-Street"- Bewegung in New York ist eine bunte Truppe aus Kreativen, Alternativen, Menschen von der Straße. Gefunden haben sie sich im Internet über Facebook oder Twitter. Während die US-Medien die Proteste zunächst noch weitgehend ignorierten, und sich die "New York Times" gar über die "luftdünne Bewegung" lustig gemacht hatte, schicken nun immer mehr Fernsehstationen ihre Kamerateams an den Ort des Geschehens. Denn die Ausläufer der Proteste könnten sich noch bis in den Winter ziehen, wie manche der Campierenden betonen.

Wohl auch einer der Gründe für die New Yorker Künstlerin Iva Radivojevic, die Proteste selbst zu besuchen und Stimmen der Menschen in einem Video-Blog einzufangen.

Nobody Can Predict The Moment Of Revolution from ivarad on Vimeo.

Noch sind die politischen Forderungen durch ihre Vielfältigkeit insgesamt sehr vage und eher ein Symbolakt des Unmuts, die Bilder gehen dennoch um den Globus. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit wird eine friedliche Demonstration am Wochenende auf der Brooklyn Bridge gewaltsam aufgelöst, hunderte Menschen vorübergehend festgenommen. Ohne konkreten Anlass werden Demonstranten mit Pfeffersprays besprüht (derStandard.at berichtete), Menschenketten brutal auseinandergerissen. Gleichzeitig erhalten die "Besetzt-die-Wall-Street"-Anhänger prominente Unterstützung. Die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Roseanne Barr beispielsweise mischen sich gleichfalls unter die Menge wie Filmemacher Michael Moore. Da Megafone in dieser Gegend, konkret in der Liberty Street, verboten sind, wiederholen hunderte Menschen in Sprechchören jeden einzelnen seiner Sätze. Auch US-Großinvestor George Soros hat seine Sympathie für die Protestbewegung bekundet. "Offen gesagt kann ich ihre Gefühle verstehen", so der 81-Jährige.

Nobelpreisträger spricht von Krieg

Die bisher größte Bedeutung für die "Occupy-Wall-Street"-Bewegung wird jedoch dem Besuch des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz beigemessen. Er spricht auf dem Platz zwischen Wall Street und World Trade Center von einem Krieg gegen die Mittelklasse des Landes und ermutigt die US-Bürger, mehr Druck auf die Abgeordneten auszuüben. Er fordert unter anderem höhere Steuern für die Wohlhabenden des Landes. Die leben bekanntermaßen nicht nur in New York. Es war daher nur eine Frage der Zeit, dass sich die Protestaktionen mittlerweile auf andere US-Metropolen  ausgeweitet haben. In Boston, Los Angeles und Chicago versammelten sich bereits hunderte Menschen mit denselben Anliegen. Selbst in Deutschland, am Finanzplatz Frankfurt, könnte es demnächst Demonstrationen geben, vermuten Insider.

Das, was sich derzeit in New York abspielt, ist ein explosiver Cocktail aus Ängsten und Volkszorn. Wie übermächtig sind die Banken, wie erpressbar die Politik? Als der damalige US-Finanzminister Henry Paulson im September 2008 beschließt - anders als bei Bear Stearns und den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac - die US-Investmentbank Lehman Brothers fallen zu lassen, reagiert der komplette Bankensektor regelrecht schockgefrostet. Die Fehlentscheidung Paulsons geht als kostspieligstes Finanz-Experiment in die Geschichte ein. Weltweit straucheln - auch die namhaftesten - Banken, keine borgt der anderen mehr auch nur einen einzigen Cent, ein weltweiter Finanztsunami folgt. Der amtierende US-Präsident George W. Bush scherzt bei einem Dinner im Jahr 2008: "Die Wall Street war betrunken und hat jetzt einen Kater." Eine Anspielung auf die Abhängigkeit der Banken von komplexen Finanzprodukten. Und als wäre es nicht genug, legt er noch nach: Die Frage sei nun, wie lange sie bräuchten, bis sie trocken werden.

Nach unzähligen Staatshilfen und Geldzuschüssen aus Regierungskassen ist die Zeit der Demut bei Bankern und Managern rasch verflogen. Nach Berechnungen des "Wall Street Journal" zahlten die 25 führenden US-Banken und US-Investmenthäuser Anfang dieses Jahres 135,5 Milliarden Dollar an Grundgehältern und Boni aus - das entspricht einer Steigerung von knapp sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar wird heute aufgrund einer neuen Regelung nur ein Bruchteil der Vergütungen in bar ausgezahlt und beschränkt sich auf zehn bis 20 Prozent der Gesamtsumme, das Unverständnis in der Bevölkerung wächst dennoch und mit ihr die Menschenmenge vor der Wall Street: Draußen eine empörte Menge, drinnen eine abgeschottete Elite.

1652 wurde im Norden der Stadt, damals noch New Amsterdam, ein Wall quer über die Insel zum Schutz vor Indianer-Überfällen aufgeschüttet und gab der heutigen Straße ihren Namen. Ein Wall ist sie auch heute. Wie sich die Dinge doch wiederholen. (Sigrid Schamall, 4.10.2011)

Kommentar posten
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Absurdio
06.10.2011 10:36
Wem gehört die US-Demokratie

Eigentlich keine Überraschung. Auch die USA sind seit vielen Jahren politisch und wirtschaftlich fest im Griff von Schurken. Demokratie und Gemeinwohl sind nur mehr Überschriften, die den Nehmern im Nadelstreif die Legitmitation für ihre weltweiten Raubzüge verschaffen. Die Härte eines Polizei- und Millitärstaates richtet sich auch gegen demonstrierende US-Bürger, wenn die Interessen der Superreichen bedroht sind.

GS1
05.10.2011 16:24
Protestieren gegen die Eliten des Landes?

Wären es Eliten, gäbe es nichts zu protestieren.
Die Autorin ersuche ich einen Artikel über "Ohne Ethik keine Eiite" zu schreiben.

Blind Peoples Porn
05.10.2011 11:58
warum bloss eine woche?!?

ich bin fuer EIN JAHR dES ZORNS!!!
Eat the rich, habt endlich ein paar nuesse in da hose und stellt euch dem verdammten polizeistaat oder wollt ihr ewig Sklaven des Kapitals bleiben??!!

Toni Meister
05.10.2011 09:03
Artikel in der Süddeutschen

http://www.sueddeutsche.de/geld/2.22... -1.1154458

" Tiefes Unbehagen breitet sich aus. Immer mehr Amerikaner beschleicht das Gefühl, ihr Land werde nicht mehr zum Wohle der Mehrheit, sondern im Interesse einer kleinen Elite regiert ".
Armes Amerika. Pardon , Irrtum :Können ja alle über das Tellerwaschen Millionär werden.Lol.

Publius C. Pulcher
05.10.2011 08:24
"Jump you fuckers"

War auch schon auf plakaten zu lesen.

1929 sind viele trader und börsiers noch aus ihren hochhäusern gesprungen.

heute zahlen sie sich fette boni aus, und machen weiter wie gehabt.

das nur mal als beispiel was die "verantwortung" angeht, die sie tragen, das "risiko" und die "leistung" die ja zusammen das hohe einkommen rechtfertigen sollen. ....

gas karl
05.10.2011 09:52
hm ein paar hundert sind schon arbeitslos

Fred Lobbster
05.10.2011 08:51
das gefällt Ihnen ziemlich, gell?

gas karl
05.10.2011 15:09
nein, aber jenen die "jump you fuckers" posten

es ist an der Öffentichkeit vorübergegangen, dass Großbanken redimensioniert haben ...in good old EU gibt´s einige 100 arbeitslose Händler in USA über 2500....

Peacefaktor
05.10.2011 00:28
Es wird immer offensichtlicher, dass sich

Kapitalismus und Demokratie gemeinsam nicht ausgehen können.
Kapitalismus, das Diktat des Geldes und das Recht geht vom Bürger aus gleichzeitig ist auf lange Sicht, wie wir sehr schön beobachten können, nicht aufrechtzuerhalten und Demokratie wird unter dem Gelddiktat zur Farce.
Immer mehr Menschen, auch in den USA merken das.

Deshalb ist es Zeit darüber nachzudenken, was für ein neues System/Geldsystem dem Menschen und nicht nur einer kleinen, immer korrupter und skrupelloser werdenden Clique dient.

Ich wiederhole Ghandi: Der Unterschied zwischen dem, was wir tun, und dem was wir tun könnten, würde ausreichen um sämtliche Probleme der Welt zu lösen. Nur mit unseren Politführungen ist ein menschenfreundliches System nicht möglich.

Fred Lobbster
05.10.2011 08:52
nein Erfahrungsgemäß gehen sich Planwirtschaft und Demokratie viel besser aus.

Allerdings erst nachdem man die Reisefreiheit abgeschafft hat, und die eigenen Bürger durch Mauern und Stacheldrähte im Land eingesperrt hat.

Peacefaktor
05.10.2011 15:36
was hat das mit meinem Posting zu tun?

Deshalb ist es Zeit darüber nachzudenken, was für ein neues System/Geldsystem dem Menschen und nicht nur einer kleinen, immer korrupter und skrupelloser werdenden Clique dient.

Ist Planwirtschaft neu?

Fred Lobbster
05.10.2011 15:49
Es wird Zeit, uns den Pelz zu waschen, ohne sich naß zu machen

Wollen Sie:
a) Verkaufspreise vorschreiben oder
b)dem Verkäufer überlassen?
Da können Sie nur A oder B nehmen, worin sollte C bestehen?

Wollen Sie:
a) Die Leute Anbieten lassen, was Sie glauben, dass sie verkaufen können
b) Vorgeben, was produziert und welche Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden sollen
Da können Sie nur A oder B nehmen, worin sollte C bestehen?

Wollen Sie:
a) Die Leute sich eine Arbeit suchen lassen, und sie aussuchen lassen, welchen Beruf in welcher Firma sie ausüben
b) Steuern, wer welcher Tätigkeit nachgeht
Da können Sie nur A oder B nehmen, worin sollte C bestehen?

Und so weiter

Sich über die Nachteile von a) zu mockieren, aber auch b) nicht zu wollen, ist doch kindisch?

QUANTUM
05.10.2011 19:29

rahemnbedingungen ist ungleich kommunismus

QUANTUM
05.10.2011 19:29

haben sie schon mal was von der gestaltung der rahmenbedingungen gehört?

Euroumrechner
05.10.2011 13:14

Und wo ist jetzt der genaue Unterschied zw. nicht dürfen und nicht leisten können?

Auch in der DDR konnten die Reichen reisen wohin sie wollten.

Weißbrotbauer
05.10.2011 13:34

ja aber nur die DDR-Bürger, die durch Finanzspekulation reich geworden sind.

So aus der Bankenmafia und so.

Und die vom VEB Haliburton

Carlos Pimpinela - kennt die Wahrheit
05.10.2011 13:33
Eines der bemerkenswertesten Posts überhaupt bisher in diesem Fred!

Da werfen sich doch gleich eine ganze Reihe von Fragen auf:

1.) Welche Reichen in der DDR? Wenn es in der DDR reiche gab, wozu brauchen Sie dann den Kommunismus?

2.) Warum musste man dann die armen einsperren? Wenn es an den finanziellen Mitteln gelegen wäre, hätte man ja keine Mauer gebraucht?

3.) Wie konnten Leute - selbst unter Lebensgefahr - Fluchtversuche anstellen, obwohl es doch dort toll war, und - wenn man sichs leisten konnte - eh gehen konnte?

4.) Wie viele Unterstützer glauben Sie finden Sie für Ihr Modell "Wiedereinführung des Kommunismus, weil es in der DDR eh supi war"?

5.) Sind Sie zufällig der selbe junge Freund, der die ganze Zeit schon so jenseitige Dinge postet?

Euroumrechner
05.10.2011 18:33

Also deine Unterstellungen würd ich jetzt gern melden.
1.) Natürlich gabs in der DDR auch Reiche; Schauspieler zb konnten reisen wohin sie wollten. Die DDR war nämlich wie jedes andere "kommunistische" Land einfach nur eine korrupte Diktatur.
2.) Was hat das mit meinem Vergleich oben zu tun?
3.) Hab ich das abgestritten?
4.) Lass bitte die Unterstellung, solche Unterstellungen können Folgen haben.
5.) keine Ahnung was sie für Freunde haben.

Lernens Geschichte und öffnen sie die Augen, wenn sie mir nicht glauben, dass es in der DDR Reiche gab die alle Freiheiten der Welt genossen und dass es hier in Österreich bzw. im "kapitalistischen" Westen Menschen gibt die sich keinen Urlaub leisten können.

Fred Lobbster
05.10.2011 13:27
ja ich vergaß, in Österreich reisen ja nur superreiche

Meine güte, wie verzogen können dumme Kinder sein?

Euroumrechner
05.10.2011 18:34

Natürlich sind wir reich, nicht desto trotz gibts immer mehr Österreicher die sich keinen Urlaub leisten können und denen es somit egal wäre ob eine Mauer um sie herum wäre.

Fred Lobbster
05.10.2011 19:14
Folglich kömma ja den Kommunismus einführen, weil es gibt ja eh AUCH welche, die sich keine Urlaub leisten können?

Lesen Sie mal den Dialog durch - in was Sie sich da reinargumentieren.

Euroumrechner
05.10.2011 21:52

UND jetzt ein letztes mal: WO habe ich geschrieben wir könnten oder sollten den Kommunismus einführen?

Euroumrechner
05.10.2011 21:51

Nein, folglich ist der (gerade scheiternde) Kapitalismus nur wenig besser als der Kommunismus.

Beobachter zweiter Ordnung
04.10.2011 23:28
wer verstehen will, warum es Zeit für den globalen Aufstand ist:

http://www.zdf.de/ZDFmediat... innt-immer

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