Vom Karlsplatz zum Prater

Bildungs-Bim fürs Volksbegehren

Reportage | Lisa Aigner, 4. Oktober 2011, 14:36
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    Ute Bock fuhr gemeinsam mit Eva Glawischnig und dem Wiener-Grünen-Klubchef David Ellensohn in der Bildungs-Bim.

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    Abfahrt am Karlsplatz in Wien.

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    Glawischnig fordert Unzufriedene auf, das Bildungsvolksbegehren zu unterschreiben.

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    Die Flüchtlingshelferin Ute Bock war selbst auch als Erzieherin tätig.

Während einer Straßenbahnfahrt diskutierten die Grünen über das Bildungsvolksbegehren und anstehende Schulreformen

"Wir bilden das Gesindel von morgen." Die Flüchtlingshelferin Ute Bock ist bekannt dafür, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Auch zum Thema Bildungspolitik hat sie etwas zu sagen. "Wer keine gute Ausbildung hat, ist kein netter Mitbewohner", sagt Ute Bock. Die Fahrgäste lauschen ihren Erklärungen am Weg vom Karlsplatz zum Prater in der Straßenbahn.

Die Grünen haben zur Fahrt mit der "Bildungs-Bim" geladen. Unter dem Motto "Bildung in Bewegung" fährt die Straßenbahn am Montagabend durch den ersten und zweiten Wiener Bezirk. Die Grünen wollen mit der Fahrt für das Bildungsvolksbegehren werben. Es soll über das österreichische Bildungssystem diskutiert werden. Geladen sind neben Ute Bock, der Vizerektor der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU), Michael Meyer, und Angie Rattay vom "Neongreen Network" - ein Verein zur Förderung umweltrelevanter Designprojekte.

Unzufriedene sollen unterschreiben

"Viele sind unzufrieden mit den Schulen und den Universitäten", sagt die Grünen-Klubchefin Eva Glawischnig im Gespräch mit derStandard.at. Nun müsse man das Zeitfenster bis zum Bildungsvolksbegehren nutzen, um die Menschen zum Unterschreiben zu motivieren. "Je näher der Wahltag rückt, umso offener werden die Ohren der Regierungsparteien", glaubt Glawischnig. Sie hofft, dass viele "Unzufriedene die Chance ergreifen" und unterschreiben. 

Blumenstock und grüner Teppich

Die Grünen-Chefin nimmt in der Straßenbahn Platz. An den Fenstern kleben Kinderzeichnungen der "Bildungs-Bim". Zwei grüne Teppiche und ein Blumenstock sorgen für ein wenig "Grünen-Flair" in der Straßenbahn. Auch die Nationalratsabgeordneten Kurt Grünewald und Daniela Musiol steigen ein. Überhaupt scheinen die Fahrgäste - bis auf die geladenen Diskussionsteilnehmer - hauptsächlich Anhänger der Grünen zu sein. Man kennt sich.

Rund um Glawischnig haben die Teilnehmer der Diskussion zur österreichische Bildungspolitik Platz genommen. Ute Bock hat selbst als Erzieherin gearbeitet. "Wir sollten den Asylwerbern wenigstens eine gescheite Bildung mitgeben, auch wenn sie abgeschoben werden, ob sie die dann in Belgien oder Deutschland anwenden können, ist wurscht", ist sie überzeugt. Es sei immer schwieriger für ihre Schützlinge, einen Ausbildungsplatz, zu finden. 

Über Fächerkanon hüpfen

Michael Meyer von der WU erzählt von Studien seiner Uni, die belegen, dass die soziale Herkunft in Österreich noch immer den Bildungsweg bestimmt. "In Österreich ist das schärfer als in anderen europäischen Ländern", sagt er. Die gemeinsame Schule sei zwar kein Allheilmittel, würde hier aber sicher Abhilfe schaffen. Meyer kritisiert, dass es in Österreich schwer sei, über den Fächerkanon "drüberzuhüpfen" und darüber hinaus zu unterrichten. Die Hörigkeit gegenüber Autoritäten sei im Land sogar so groß, dass sich Eltern in der Schule die Direktorin nicht zu kritisieren trauen, aus Angst, so ihren Kindern die Schulkarriere zu verbauen.

Während der Fahrt ist es inzwischen dämmrig geworden. An den Stationen, an denen die "Bildungs-Bim" vorbeifährt, werfen einige Passanten  einige neugierige Blicke in die Straßenbahn, aber niemand steigt ein. Am Prater macht die Bim Halt. "Rauchpause", tönt Glawischnig ins Mikrophon. "Und das aus deinem Munde", antwortet ein Fahrgast verschmitzt. Bei der Rückfahrt steigen an der einzigen Haltestelle zwei verirrte Touristinnen zu, die den Fahrer bitten, stehen zu bleiben, um wieder aussteigen zu können.

Die perfekte Schule

"Wie sähe die perfekte Schule aus?", fragt Glawischnig, die sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, in die Diskussionsrunde. "Das ist eine Schule, die keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, Ausländern und Inländern und Schülern mit engagierten und nicht engagierten Eltern macht", sagt Ute Bock. Ihre Eltern seien nämlich nie zum Elternsprechtag gegangen, was bei den Lehrern und Lehrerinnen wohl nicht gern gesehen war. "Die Kinder sollen mehr eingebunden werden und den Unterricht mitbestimmen können, das fördert die Kreativität", wünscht sich Angie Rattay vom Neongreen Network. "Das wichtigste sind hochmotivierte Lehrer", glaubt Vizerektor Meyer. 

Nicht auf Lehrer hinhauen

Die Lehrer melden sich auch gleich zu Wort. Glawischnig hätte zwar fast vergessen, Statements aus dem Publikum zu erfragen, wird aber noch auf ihr Versäumnis aufmerksam gemacht. In der Bim fahren auch jene Lehrer mit, die sich für das Bildungsvolksbegehren engagieren. Die ehemalige Direktorin Heidi Schrodt warnt davor, "undifferenziert auf die Lehrer hinzuhauen". Es gäbe viele, die trotz der Schwierigkeiten des Systems gute arbeiten leisten. Lehrer Daniel Landau appelliert an die Fahrgäste, das Volksbegehren zu unterschreiben, sobald man einen Punkt für gut befindet und nicht nur dann zu unterschreiben, wenn man mit allen Punkten einverstanden ist. 

"Nicht in Schublade verschwinden lassen"

Landau wird darin sofort von Glawischnig unterstützt. Sie verspricht, dass die Grünen im Parlament dafür sorgen werden, dass jeder Punkt des Begehrens tatsächlich diskutiert wird und nicht "in der Schublade verschwindet".

Es ist dunkel geworden. Die Bim fährt wieder am Gleis der Badner Bahn am Karlsplatz ein. In einer viertel Stunde startet die zweite Runde mit neuen Diskussionsteilnehmern. Vielleicht steigen diesmal auch Bürger ein, die nicht bei den Grünen engagiert sind. (Lisa Aigner, derStandard.at, 4.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
Felix Kuttinger
 
00
11.11.2011, 08:05
Affenzirkus

Wen wundert die relativ geringe Beteiligung?

ValieImport
00
4.11.2011, 11:21
ach dieser BildungsBimmel-

Bammel:).

Warum werden Gratis-Zeitungen nicht mit Geschichten aus Literatur gethreaded, die dann in den städt.Bibliotheken auch erhältlich sind, abwechselnd KLassiker, Moderne, Gedichte, Prosa-neben den vielen Alltagsgeschichten wer mit wem und wer noch nicht (korrupt ;-) der Mensch lebt nicht vom Brot allein, aber von allein isst er keine hochwertigen Buchstaben außerhalb der Suppe....

Irrer Wahnsinn
01
8.10.2011, 15:25
Tja,

die Bobos machen gern mal auf Schlingensief, nur erheblich dümmer, spießiger und naja dämlich katholisch halt.

Santino Corleone
00
8.10.2011, 11:30
Diese Modellschule wo zwischen In- und Ausländern kein Unterschied besteht gibts schon

Nennt sich Wiener Hauotschule - dort gibts nämlich keine Inländer mehr.

free spirit
00
7.10.2011, 22:58
wer schmückt sich da mit wem?

und warum?

Luziwuzi
20
7.10.2011, 06:11
Wenn ich nur mit einem Punkt einverstanden bin,

würde ich die anderen sicher nicht unterschreiben. Eine solche Aufforderung ist doch unseriös fördert wohl weniger die Kreativität als die Dummheit. Und das bei einem Bildungsvolksbegehren.

Entfesselter Prometheus
17
5.10.2011, 18:46
Glawi und der Griff ins Klo

Eine untrennbare Gemeinschaft...

exile in mainstream
00
5.10.2011, 16:35

was kostet denn die einzelfahrt?

MARTIN FREUKES
 
16
5.10.2011, 14:06
Im Kreis fahren.......

Das passt ganz gut zu Politik der Grünen. Hoffentlich kommens nach ein paar Runden drauf.

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
12.11.2011, 15:05
Naja, wenigstens laufen die nur am Stand...

...anstatt so wie ihre roten (Zeit-)Genossen aktiv die Rückschrittlichkeit voranzutreiben

brezn suppn
03
5.10.2011, 10:22
lol

Und die Tarifreform für die Wiener Öffis wird dann in den Schulklassen diskutiert?
@Hr Landau : so blöd sind die Leute nicht. . .

Rechts vor Links
 
12
5.10.2011, 10:21

Mußte man da einen Fahrschein lösen,oder war die Fahrt Gratis,wenn ja,wer übernimmt die Kosten?!Fragen über Fragen!

fliederfaust
24
5.10.2011, 08:16
War ja ein toller Erfolg,

Die "Bildungs-Bim", wenn ich mir die überwältigende Berichterstattung in den andren Medien so ansehe. Eine spritzige, moderne Idee, mit der "Bim" im Kreis fahren - weder provinziell aufgezogen, noch unmotiviert runtergebogen. Total vernetzt Bim fahren, energetisch Glotzen, dann Tschick heizen.
Damit werden die GrünInnen sicher Kanzler!

Ironie off

Grigio
00
5.10.2011, 09:53

Und danach ins Gartenbau ... Atmen.

derschonwieder
22
5.10.2011, 09:44
"GrünInnen". Sagt schon alles über sie.

Grigio
02
5.10.2011, 10:15

Sagt schon alles über ihn/sie/es.

powidl
02
5.10.2011, 08:08
Es ist eigentlich unvorstellbar,

dass Grünpolitiker wie Pilz, Moser oder Kogler am Nachmittag mit der Bim spazieren fahren und glauben damit ienen positiven Beitrag zum politischen Diskurs zu leisten.

Warum stehen die nicht an der Spitze der Partei?

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
12.11.2011, 15:15
Also ich seh das...

...eigentlich ganz locker. Was würden die denn im Parlament besseres machen? Einzig schade ist dass sie die Zeit der Fr. Bock verschwendet haben!

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
23
4.10.2011, 21:28
Justin Credible
02
5.10.2011, 12:29

Warum ist es jedesmal bei den Volkbegehren so, dass es aussieht, als ob es im Wirtshaus geschrieben worden ist.

Z.B.: "betonharten Gewerkschaftsbonzen der Marke Fritz Neugebauer oder provinziellen Landesfürsten vom Schlage eines Erwin Pröll"

Auch, wenn man eine Aversion gegen besagte Personen hegt, muss man das nicht so ausdrücken.

Das Ganze wirkt leider unseriös und plump :(

2012 endet die Welt - NICHT! X--D
 
44
4.10.2011, 19:31
"Das ist eine Schule, die keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, Ausländern und Inländern und Schülern mit engagierten und nicht engagierten Eltern macht", sagt Ute Bock.

lasset uns eine solche schule auf dem mond titan bauen - auf dass sie blühen und gedeihen solle
realitätsferner gehts wohl kaum
kein unterschied zw arm/reich wäre schön, aber wie setzt man das um? kinder den fam wegnehmen und alle in die gleiche schulform schicken?
k.U. zw In-/Ausländern wäre ach schön, wenn die selbe unterrichtssprache gesprochen wird sogar möglich!
k.U. zw un-/engagierten eltern - hallo? sollen alle den kindern helfen bzw. niemand? wenn die eltern nicht wollen kann man leider auch nichts machen!
man kann soll darf nicht alle verantwortung in die hände von leuten legen die alles reglementieren wollen!!!

und die politisierung des volksbegehrens-so arm! einfach nur mediengeil weil sie schon lange nicht beachtet wurde

Anticitizen1
23
4.10.2011, 23:56

Klingt wie eine Schule ohne jeglichen Individualismus. In den Pausen um 9:00 und 11:00 gibts gratis Prozium...

Sind wir denn nicht alle ein bisschen unobjektiv?
 
00
6.10.2011, 12:47

Anspielung auf den (außerordentlich guten) Film Equilibrium?
Nicht schlecht.

mitten im Völkerkerker
15
4.10.2011, 19:15

vielleicht könnt ma den fünfer anrufen, der steigt sicher ein.

Grigio
02
5.10.2011, 10:17

Der Fünfer kann als bekanntes Bildungsschreckgespenst sicher viel zur Diskussion beitragen.

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