Vorarlberg/Liechtenstein

Vor 180 Jahren trockengelegter Eiszeit-See wird "reaktiviert"

4. Oktober 2011, 17:18
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    foto: apa/krachler

    Pionier Alois Negrelli wurde in seinem Geburtsort Fiera di Primiero mit dieser Statue geehrt. Zu seinen zahlreichen Projekten zählte auch die Trockenlegung des Egelsees.

Im 19. Jahrhundert wurde die Fläche vom Suezkanal-Ingenieur Alois Negrelli für die Landwirtschaft nutzbar gemacht

Bregenz - In einem gemeinsamen Projekt wollen Vorarlberg und Liechtenstein den eiszeitlichen Egelsee zwischen Feldkirch-Tosters und Mauren in Liechtenstein "reaktivieren". Der See war vor über 180 Jahren von dem Südtiroler Ingenieur Alois Negrelli von Moldelbe trockengelegt worden: Ein prominenter Name, denn neben dem Bau von Eisenbahnlinien und Straßen war Negrelli auch an den Planungen für den Suezkanal beteiligt. Nun soll das Gewässer als Rückhaltebecken im Hochwasserfall und als Natur- und Naherholungsraum wiederbelebt werden. Die Fertigstellung ist für Ende 2013 geplant, hieß es in einer Aussendung der Stadt Feldkirch.

Der Egelsee war nach dem Abschmelzen des Rheingletschers und der Verfüllung des Rheintalsees nach der letzten Eiszeit entstanden. Auf der Karte des britischen Kartographen John Senex von 1720 oder der zwischen 1771 und 1774 erstellten Karte des Tiroler Landvermessers Blasius Hueber war der Egelsee noch als bis nach Liechtenstein reichendes Gewässer eingezeichnet. Als die heute zu Feldkirch gehörende Gemeinde Tosters das Gebiet 1821 vom Staat kaufte, war der Egelsee schon zu einem Sumpfgebiet verkommen. Nach den Plänen Negrellis begann man um 1830, das Gelände des ehemaligen Sees endgültig trockenzulegen, um es für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

Künftige Funktion

Doch die Sichtweise der Ökologie hat sich seitdem geändert, und 20 Jahre nach ersten Überlegungen zu einer Reaktivierung des Gewässers soll nun der neue Egelsee die Hochwassergefahr für die Anrainer des Flusses Esche reduzieren. In die Esche fließt das Wasser aus dem Tisner Tobelbach, dem Mühlbach sowie dem Pritschenbach. Es wird auf Liechtensteiner Seite über Mauren und Eschen bei Bendern in den Binnenkanal Richtung Rhein geleitet. Besonders das Liechtensteiner Industriegebiet Eschen war in den vergangenen Jahren mehrfach von Überschwemmungen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der permanente Wasserinhalt des neuen 11.300 Quadratmeter großen Sees wird rund 9.600 Kubikmeter betragen, bei Starkregen kann der Egelsee dann künftig rund 40.000 Kubikmeter Wasser fassen, wodurch er zum wichtigen Rückhaltebecken wird. Insgesamt wird eine Fläche von 68.000 Quadratmetern rekultiviert. Damit soll das Gebiet zugleich zu einem wichtigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere werden. Die 2,95 Millionen Euro Kosten für das Projekt teilen sich Liechtenstein und Österreich. Während das Fürstentum 1,14 Millionen beiträgt, werden in Österreich 1,81 Millionen investiert.  (APA/red)

Franz Josef Lolinger
00
7.10.2011, 19:51

Wieso kein Pumpspeicherkraftwerk? Könnte man doch gut gebrauchen...

Nick Tameer
11
6.10.2011, 09:29

Ich weiß nicht, wie das mit Vorarlberg ist, aber was bleibt dann von Liechtenstein übrig? Das Projekt bietet zwar Gelegenheit zum Bau neuer Geldwaschanlagen, reduziert aber auch den ohnehin knappen Lebensraum für Briefkastenfirmen und besonders für die weltweit einzigartigen Stiftungen.

Grisu der kleine Drache
00
5.10.2011, 11:01

Das heißt immer noch "Eschabächle" ("Eschenbächlein" für Nicht-Vorarlberger), die Bezeichnung "Fluss" ist wohl ein bisschen großspurig für ein langsam dahintreibendes Wässerchen mit weniger als 1m Breite.

LCD
00
5.10.2011, 09:36
11300m² Fläche und 9600m³?

Das ist ja weniger als 1 m durchnittswassertiefe. Ideal für Mücken und Frösche. Das ist kein See sondern eine größere Pfütze.

Gsi Berger
02
5.10.2011, 10:40
"kann künftig rund 40.000 Kubikmeter Wasser fassen"

- das ist ja der Sinn eines Rückhaltebeckens, dass noch Platz für Hochwasser bleibt. Dass der dauernd gefüllte Teil ein flaches Gewässer bleibt, ist durchaus Absicht, das ist für viele Tier- und Pflanzenarten günstig.

Die Geschichte mit dem "Eiszeitsee" ist aber ein (offensichtlich gelungener) PR-Schmäh. Schließlich war das ganze Alpenrheintal zuerst ein Gletscher, dann ein See, der zurückgegangen ist, bis nur noch der heutige Bodensee übrig geblieben ist. So gesehen, wäre jeder Gartenteich dort ein "reaktivierter Eiszeitsee".

Canis in urbe custodiendus non est
00
5.10.2011, 10:32

ein sumpf?

Raphael Hythlodeus
11
4.10.2011, 22:52
könnte man nicht ganz liechtenstein zu einem rückhaltebecken umfunktionieren?

infrognito
09
5.10.2011, 09:01
Liechtenstein?

Ist das nicht schon das Rückhaltebecken für die Schwarzgelder und Privatspenden der österreichischen Politiker?

voc-monkey
00
5.10.2011, 08:23
klar - könnte man -

aber man muss zuerst das Geld "abschöpfen"

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