Die Diskussion beim Rauchen dreht sich fast nur ums Petzen und Beflegeln
Es herrscht eine Aufgeregtheit bei den Postings rund um alle Raucherthemen, da sind Assoziationen zu Pferden, die mit Schaum vorm Mund auf ein großes Rennen warten, gar nicht zu weit hergeholt. Beispiel eines Users, der nicht wahrhaben will, dass wir eines seiner Postings nicht freigeschalten haben: "ich will das von euch jetzt wissen, oder sonst sperrts mir den zugang zum forum komplett + alle meine postings löschen, aber ihr müsst die "zivilcourage" haben und es mir mitteilen!!!!!"
Mit Postings in dieser (noch recht harmlosen) Tonart haben wir es so gut wie immer zu tun. Vor allem wenn ein Artikel zum Thema noch frisch ist, donnern derartige Wortspenden fast im Minutentakt herein. Genau dort liegt auch das größte Problem im "Raucherforum": Ganz egal, worum sich eine Meldung dreht, eine fachliche Diskussion ist praktisch unmöglich. Denn binnen kürzester Zeit werden Garstigkeiten ausgetauscht - und das zieht sich bei manchen Geschichten oft über Wochen und gar Monate. Dass wir bei manchmal mehreren 1000 Postings pro Artikel nicht immer alles lesen und darauf reagieren können, sei uns vergeben.
Jederzeit kampfbereit
Aber wir sind ja nicht deshalb zur größten Debattenplattform des Landes geworden, weil wir Meinungen unterdrücken, sondern weil sich durch diesen Pluralismus vielleicht eine Öffentlichkeit erschließen lässt, die in irgendeiner Form repräsentativ für die Gesellschaft ist. Beim Thema Rauchen wird jedoch der Eindruck vermittelt, als gäbe es hauptsächlich zornige und jederzeit kampfbereite Individuen - obwohl nicht einmal drei Dutzend Nicknames für einen Großteil der Postings verantwortlich sind.
Wir haben durchaus Verständnis dafür, dass manche etwas fundamentalistisch gesinntere Forumsteilnehmer ständig eine Verschwörung oder Kampagne in irgendeine Richtung vermuten. Daher nehmen wir recht gelassen zur Kenntnis, dass wir sowohl von der Pro- als auch der Kontra-Rauchfraktion aller nur erdenklichen niedrigen Ambitionen bezichtigt werden. Um es ein für alle Mal klar zu stellen: Wir sind darum bemüht, so objektiv und neutral wie möglich zu bleiben. Ja, Nichtraucherschutz ist uns sehr wichtig, aber eine Hetzkampagne gegen das Rauchen werden wir dennoch nicht fahren.
Franzobel chattet am Donnerstag
Wir wollen nun einen Dialog herstellen und präsentieren im Lauf der Woche weitere Beiträge, die sich mit den heftigen verbalen Auseinandersetzungen zwischen den verhärteten Fronten beschäftigen. So gibt es am Mittwoch ein Interview mit dem Soziologen und Kriminologen Henning Schmidt-Semisch, der eine Professur am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen innehat.
Am Donnerstag um 12 Uhr wird der Schriftsteller Franzobel zum derStandard.at-Chat erscheinen und aus eigener Erfahrung über das Aufhören und Wiederanfangen berichten (Wer jetzt schon eine Frage an den Autor stellen will, bitte ein Mail an online.panorama@derStandard.at schicken). Am Freitag schließlich liefern wir noch eine recht anschauliche Aufbereitung über diverse Studien zum Thema.
Zudem möchten wir gleich jetzt zu einer allgemeinen Umfrage aufrufen, die unter dem Titel "Rauchen ist cool, nein Scheiße" angelegt ist. So, genug gelabert: "Auf die Plätze, fertig, Feuer machen, los und posten!" 1000 Postings bis 14 Uhr, das schaffen wir locker. Wär' doch gelacht, wenn tatsächlich die Renitenz siegen würde, oder? (mob, derStandard.at, 4.10.2011)