Schuldenkrise erfasst Tagungstourismus

4. Oktober 2011, 06:15
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Tagungen als Barometer, das auf Stimmungsumschwünge äußerst sensibel reagiert - Kongress­geschäft in Österreich noch stabil

Wien - "Die leichte Entspannung im Anschluss an die Krise 2008 ist dahin; die Lage im Tagungsgeschäft verkrampft sich erneut." Damir Mulaomerovic, Geschäftsführer der Round Table Konferenzhotels (RTK), benennt im Gespräch mit dem Standard den Hauptgrund für den Klimaumschwung: "Es ist die Verunsicherung, die durch die Eurokrise und die Schuldendiskussion ausgelöst wurde. Das trifft uns voll."

RTK ist eine Marketingplattform, an der 130 Veranstaltungshäuser gehobenen Standards dranhängen. Zusammen kommen sie auf 25.000 Zimmer und eine Nettoverkaufsfläche für Konferenzen von rund 17 Hektar. Das entspricht der Größe von mehr als 20 Fußballfeldern.

Anders als beim letzten Abschwung sei diesmal keine Wertvernichtung erfolgt. "Geld ist genug da; viele sind aber unsicher, wie sich die Dinge entwickeln und warten ab," sagte Mulaomerovic am Montag am Rande der Access, der Leitmesse für die Tagungsbranche, in der Wiener Hofburg.

Tagungen seien ein Barometer, das auf Stimmungsumschwünge äußerst sensibel reagiere. Mulaomerovic: "Wir sind als Branche meist die Ersten, die ins Konjunkturtal fahren, aber auch die Ersten, die wieder herauskommen."

Als krisenresistenter erweist sich die Kongressindustrie. "Wir merken noch nichts von einem Abschwung", sagte der Chef des Vienna Convention Bureau, Christian Mutschlechner. 2011 werde als gutes Kongressjahr in die Geschichte eingehen.

Aufgrund einer gewissen Zyklizität wechseln sich im Tagungsgeschehen gute ungerade Jahre mit aufkommensschwächeren geraden Jahren ab. Aus heutiger Sicht dürfte aber 2012 ein untypisch gutes gerades Jahr werden, glaubt Mutschlechner. Es sei gelungen, einige Veranstaltungen erstmals nach Wien zu holen - etwa den europäischen Ärztekongress Europerio mit voraussichtlich mehr als 6000 Teilnehmern.

2010 gab es 2500 Kongresse und 3700 Firmentagungen in Österreich. 38 Prozent der Kongresse und 54 Prozent der Firmentagungen fanden in Wien statt. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2011)

  • Österreichs Tagungsbranche, die noch bis heute, Dienstag, bei ihrer Leitmesse Access in der Wiener Hofburg versammelt ist, spürt wegen Verunsicherung zunehmende Zurückhaltung am Markt.
    foto: standard/matthias cremer

    Österreichs Tagungsbranche, die noch bis heute, Dienstag, bei ihrer Leitmesse Access in der Wiener Hofburg versammelt ist, spürt wegen Verunsicherung zunehmende Zurückhaltung am Markt.

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