Festival

Poetisch bis anarchistisch

3. Oktober 2011, 17:58

Das Festival "Odeon Tanz 3" bietet eine Reise durch die Vielfalt des Tanzschaffens

Wien - Das erste der vier Programme eröffnete Kuratorin Rose Breuss mit ihrer Choreografie Orpheus Augenblick, getanzt von der Cie. Off Verticality. Breuss untersucht darin komplexe Bewegungsstrukturen und durch die Interaktion der Tänzer entstehende Kraftfelder. Die daraus resultierenden Konstrukte lassen sich auf der Bedeutungsebene, die mit dem titelgebenden Orpheus-Mythos impliziert wird, jedoch nur schwer entschlüsseln.

Diese wird durch die Ausstattung von Christoph Bochdansky verdeutlicht, der mit Blumenleisten, Schriftprojektionen und vor allem mit seinen (aus einfachen Plastikmaterialien gefertigten) schwebenden Seelen Poesie auf die Bühne zaubert.

Auch in Boris Nebylas Crossings erschließt sich die Aussage nicht in erster Linie über den Tanz, sondern durch eine Skulptur und eine Live-Kamera. In dem knapp 20-minütigen Stück verwandelt der aus Palästina stammende Bildhauer Osama Zatar seine ursprüngliche Figur eines bewaffneten Soldaten in einen Musiker mit Gitarre und wandelt den kämpferischen Gestus in einen friedlichen Ausdruck.

Thomas Wolf nützt die Architektur des Odeons perfekt für die Projektionen in Echtzeit aus. Auf der Ziegelmauer wird die kahle Bühne durch Vervielfachungen der Aktionen zum Kriegsschauplatz oder zum Marktplatz.

Mit ihren skurrilen Musik-Tanz-Performances sind die Brüder Simon und Peter Mayer ein Genre für sich. In weißen Laboranzügen und mit grünen und orangen Strickmasken messen sie wie Figuren in einem Computerspiel hüpfend die Bühne ab, spielen Gitarre, Schlaginstrumente, singen, blödeln oder rasen wie hyperaktive Kinder über die Bühne. Ihre Show Kopf hoch/Head high ist humoristisch, verspielt bis anarchistisch und wirkt, weil die Performer dabei authentisch bleiben. (Edith Wolf Perez, DER STANDARD - Printausgabe, 4. Oktober 2011)

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