Sieben auf einen Streich: Wahres Gedrängel von Supernovae

10. Oktober 2011, 17:10
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In der chaotischen Galaxie Arp 220 werden Sterne im Schnelltakt geboren - entsprechend hoch ist auch die Todesrate

Göteborg - 250 Millionen Lichtjahre entfernt und optisch im Sternbild der Schlange gelegen befindet sich die irreguläre Galaxie Arp 220. Sie präsentiert sich uns als Momentaufnahme einer anhaltenden Verschmelzung, denn hervorgegangen ist sie aus der Kollision zweier Galaxien, deren ehemalige Strukturen nur noch in Resten zu erkennen sind.

Solche Verschmelzungen sind aber nicht aussschließlich katastrophale Ereignisse, sondern haben auch ihre positiven Folgen: So erhöht sich die Rate an Sternengeburten in einer solchen Umgebung, wo massenweise Rohmaterial durcheinander gewirbelt wird, beträchtlich. Arp 220 qualifiziert sich damit gleichermaßen für die Kategorie Starburstgalaxie wie auch die einer Infrarotgalaxie. Letzteres deshalb, weil die Galaxie, gespeist von den zahlreichen jungen Sternen, im Infrarotbereich stärker "leuchtet" als in den übrigen Wellenlängenbereichen zusammen.

Schnelltakt

Die Geburtenrate korreliert aber auch mit einer hohen Todesrate, wie Astronomen durch Daten von Radioteleskopen in fünf Ländern belegen konnten. Wie die an der Studie beteiligte Göteborger Chalmers-Universität berichtet, wurden in Arp 220 so viele Supernovae "auf einem Fleck" entdeckt wie noch nirgendwo sonst. 40 Radioquellen, die sich hinter dichten Staub- und Gasschleiern vor optischen Teleskopen verbergen, wurden in verschiedenen Bereichen des Radiowellenspektrums daraufhin untersucht, wie sie sich über die Jahre hinweg änderten. Gleich sieben davon konnten als Supernovae ausgemacht werden, die sich in den vergangenen 60 Jahren ereignet haben - eine Rekordzahl.

In der Milchstraße vergeht im Schnitt ein Stern pro Jahrhundert als Supernova, berichtet Rodrigo Parra aus dem Forschungsteam - in Arp 220 hingegen sei es, hochgerechnet aus den aktuellen Sichtungen auf die gesamte Galaxis, eine pro Quartal. Chalmers-Astronom John Conway sieht damit Theorien bestätigt: "Arp 220 ist als Ort, wo die Sternenbildung sehr effizient abläuft, wohlbekannt. Nun konnten wir zeigen, dass Sternenfabriken auch Supernova-Fabriken sind." (red)

  • Blick auf Arp 220 - der hervorgehobene Abschnitt ist 250 Lichtjahre breit und enthält einen Teil der neuentdeckten Supernovae.
    foto: nasa, esa, hubble heritage team, chalmers

    Blick auf Arp 220 - der hervorgehobene Abschnitt ist 250 Lichtjahre breit und enthält einen Teil der neuentdeckten Supernovae.

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